Stadtkind Stuttgart

Stadtkind-Kolumne Party vorm Paternoster

Von StZ 

Wenn sich Bürgermeister in DJs und Rathäuser in Clubs verwandeln, könnte das weitreichende Folgen für unser Nachtleben haben.

Stadtkind Martin Elbert hat die drei Nachwuchs-DJs unterrichtet. Foto: Archivfoto: Lichtgut/Leif Piechowski
Stadtkind Martin Elbert hat die drei Nachwuchs-DJs unterrichtet. Foto: Archivfoto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Stuttgart hat einen weiten Weg hinter sich. Bis vor kurzem wurden Clubbetreiber in dieser Stadt noch schwäbisch-distanziert behandelt. Der Umstand, dass in einer Bar nicht nur eine Schankanlage, sondern auch ein Mischpult zu finden war, konnte über die Konzession und damit die finanzielle Zukunft des Ladens entscheiden. Die einfache Stuttgarter Rechnung lautete: Mischpult plus DJ und drei mit dem Fuß wippende Gäste ist gleichbedeutend mit einem Tanzlokal und läuft daher auf eine teure Parkplatzablöse hinaus.

Doch die Zeiten ändern sich: Bei der Stuttgartnacht am Samstag wurde das Stuttgarter Rathaus kurzerhand in einen Club umfunktioniert – mit Bürgermeistern als DJs. Isabel Fezer, Peter Pätzold und Werner Wölfle machten ihre Sache gut. Bei DJ Green Wolf Wölfle war die Tanzfläche. Pardon, das Foyer im Erdgeschoss, am vollsten. Das lag nicht am Don-Johnson-Gedächtnis-Sakko von Wölfle, sondern an der Tatsache, dass der Verwaltungsbürgermeister mit Peter Fox Musikgeschmack beweisen konnte. Optisch noch stärker kam anschließend DJ Pet Sold Boy Pätzold daher. Er trug seine weißen Nikes („Original aus den 80ern!“) und ein Batman-Shirt zum Sound der 80er, den er gekonnt mixte. Als dann schließlich der Stadtkind-Autor und DJ-Nachhilfelehrer Martin Elbert auch noch „Mutterstadt“ von Massive Töne und „Schwung in die Kischde“ von den Orsons auflegte, stolperte der geneigte Ausdruckstänzer endgültig entgeistert vom Dancefloor in den Paternoster. Man kann im Rathaus ja sogar Spaß haben!

Ob das Rathaus als Stuttgarter Vorzeigeclub Zukunft hat, wird sich zeigen. Pätzold war bei der Stuttgartnacht so euphorisch, dass er ankündigte, im nächsten Jahr wieder als Vertreter der Clubkultur teilnehmen zu wollen. Folgendes bleibt aber offen: Wird die Verwaltung künftig entspannter mit der Frage der Konzessionierung umgehen, nachdem die Bürgermeister gezeigt haben, dass sie nicht nur am Redner-, sondern auch am Mischpult glänzen können? Und wenn das Rathaus nun dauerhaft als Club zwischengenutzt wird: Muss Fritz Kuhn für seinen neuen Laden dann auch eine Parkplatzablöse zahlen? So oder so: Wir freuen uns auf die nächste Party im Rathaus. Bei besserem Wetter gerne auch auf der Dachterrasse.