Stadtkind-Kolumne Seid bitte still, Mon Dieu!

Verraucht aber besser als auf überfüllten Plätzen: Das Feuerwerk vom heimischen Balkon aus ankucken. Foto: StZ
Verraucht aber besser als auf überfüllten Plätzen: Das Feuerwerk vom heimischen Balkon aus ankucken. Foto: StZ

Verletzungen, Verwirrungen und Partydesaster - Silvester geht oft ziemlich in die Hose. Von einsamen Feldwegen und Silvester-Hits.

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Stuttgart - Der Blick auf die vergangenen Silvester ist ein Blick auf Katastrophen. Da gab es diesen einen legendären Silvesterabend. Wir hatten gerade alle den Führerschein bestanden, eine Freundin leistete sich einen kleinen, roten Ford Fiesta und wird düsten los – voller Erwartungen auf eine besonders tolle Silvesterparty. Um es kurz zu machen: Wir haben uns verirrt. Navigationsgeräte waren damals noch nicht en vogue und hätten in dieser Gegend sicherlich auch kein Signal empfangen. Und so standen wir um 24 Uhr auf einem Feldweg mitten im Nirgendwo und prosteten uns mit Apfelsaftschorle zu.

Oder das andere Silvester, das in der Notaufnahme endete, weil die Partygäste um zwei Uhr nachts fanden, es sei eine brutal gute Idee mit den Fahrrädern die Treppen runterzufahren.

Tiefgang am Silvesterabend

Doch ich lerne aus Fehlern. Im vergangenen Jahr haben wir alles richtig gemacht. Die Lieblingsmenschen eingeladen und Zuhause geblieben: Raclette auf dem Tisch, „Dinner for one“ im Fernsehen und Blei im Topf. Und da wir alle Hippies im Herzen sind, hatte einer unserer Freunde seine Gitarre dabei. Die kam pünktlich um Mitternacht zum Einsatz, als wir auf dem Balkon sektselig ein Silvesterliedchen komponiert haben. Das bestand aus etwa zwei Akkorden und den bedeutungsvollen Textzeilen: „Happy New Year, Happy New Year! Uh-uh! Happy New Year! Uh-uh!“ Das ist echter Tiefgang am Silvesterabend. Wir waren mit unserer Performance und unserem leidenschaftlichen Gesang dann auch so ansteckend, dass die vornehme Silvestergesellschaft auf der Terrasse im Haus gegenüber nicht anders konnte, als uns mit ihrem frisch geöffneten Veuve Clicquot zuzuprosten und einzustimmen: „Happy New Year! Uh-uh!“ Und so standen wir da und sangen in neuer nachbarschaftlicher Einigkeit unseren eigenen Silvester-Hit.

Der Spaß war jedoch bald vorbei. Ein anderer Nachbar, ein uns sonst so wohlgesonnener Franzose, war très schockiert über unsere Darbietung. Serge Gainsbourg würde sich im Grab umdrehen, fand er. Wir sollen doch – mon dieu! – sofort die Klappe halten. Selbstverständlich taten wir das umgehend. Im Fersehen startete sowieso gerade die nächste Runde „Dinner for one“. Dieses Jahr stehen drei Partys an: Die gemütliche mit Essen und Blei gießen in der ersten WG, die halbgemütliche mit Drinks in der zweiten und die Fete in der dritten. Herausforderung angenommen.

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