Stadtkind Stuttgart

Stadtkinder über ihre Stadt: Daniela Wolfer „Ateliers in Stuttgart zu finden, ist schwierig“

Von Lea Weinmann 

Stuttgart, für immer erste Liebe: In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben - und was sie so richtig nervt. Heute mit Daniela Wolfer aka DJ „Dirty Daniela“, Powerfrau und Künstlerin mit Leib und Seele.

Daniela Wolfer ist im Atelier normalerweise nicht so schick gekleidet – fürs Foto hat sie eine Ausnahme gemacht. Foto: Lea Weinmann 4 Bilder
Daniela Wolfer ist im Atelier normalerweise nicht so schick gekleidet – fürs Foto hat sie eine Ausnahme gemacht. Foto: Lea Weinmann

Stuttgart - Es ist einfach Herzblutsache, sagt sie. Daniela Wolfer, auch bekannt als „Dirty Daniela“ oder als der deutscher Part des früheren Duos „Deutsche&Albaner“, lebt für die Musik – und für die Kunst. „Ich habe schon als Kind gemalt und mich mit Musik beschäftigt. Es gab nie eine Alternative“, sagt sie.

Alternativlos war auch ihre Entscheidung, freie Künstlerin zu werden. „Ich habe mich schon auf Jobs beworben. Aber die Vorstellung, jeden Tag dort hinzugehen und die Industrie zu bedienen, hat bei mir schon fast Depressionen ausgelöst.“ Also Studium. An der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart hat Wolfer ihre Leute kennengelernt, blühte auf in der Kunst-Szene, genoss die Freiheiten der Stadt.

Parallel fing sie an, Musik in den Stuttgarter Clubs aufzulegen. Wolfer war ein Exot, damals, ein weiblicher DJ, Mitte der 90er, mit einem Faible für Hip-Hop. Mitten in der aufblühenden Stuttgarter Hip-Hop-Kultur stellte sich „Dirty Daniela“ zum ersten Mal an die Plattenteller. Ein bisschen Exot ist Wolfer heute noch. Tagsüber im Atelier und nachts im Club – die gebürtige Filderstädterin liebt den Mix: „Wenn du Musik auflegst, bekommst du direktes Feedback für das, was du machst. Bei der Kunst kann das Jahre dauern“, sagst sie.

Ausstellungen hatte Daniela schon auf der ganzen Welt: in Köln, Berlin, sogar in New York hingen ihre Bilder schon in Galerien. Jetzt steht ein Heimspiel auf dem Programm. Die Ausstellung „Chick Tools“ in der Bloody Colors Gallery zeigt ab Samstag elegant gekleidete Frauen, auf den ersten Blick könnte man sie einer Cocktailparty zuordnen. Statt schicker Designer-Täschchen tragen die Frauen auf den großen Ölgemälden aber ganz andere Accessoires bei sich: eine riesige Motorsäge, einen Hammer oder Baseballschläger – für Wolfer die wahren „Chick-Tools“.

„Das aktuelle Frauenbild zu thematisieren zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeiten“, sagt die Künstlerin. Sie möchte selbstbestimmte Frauen zeigen, Frauen, die sich das gleiche herausnehmen wie ihre männlichen Weggefährten. „Es wird zu leicht behauptet, es ist toll, wenn Frauen so sind, aber dann gibt es doch immer wieder hochgezogene Augenbrauen“, so ihr Eindruck. Wolfer will mit ihrer Kunst niemanden erziehen, keiner Frau sagen, wie sie sich verhalten soll. „Es geht mehr darum, Gedanken anzuregen.“

Wann hast du dich in Stuttgart verliebt? Nächste Frage (lacht). Stuttgart ist toll, aber ich habe keinen Verliebt-Moment. Verliebt habe ich mich vor allem in das Gefühl, angekommen zu sein: Die Akademie, die Kunst. Stuttgart gab dafür den Rahmen.

Was verbindet dich Stuttgart? Stuttgart war Mitte der 90er eine der ersten Städte, in denen Hip-Hop im Clubraum professionell aufgelegt wurde. Dafür ist die Stadt wirklich einzigartig, sie war wie ein Nährboden. Musikalisch habe ich hier eindeutig meine Wurzeln.

Ist Stuttgart der richtige Ort für deine Kunst? Es ist gut, um zu arbeiten. Man hat seine Ruhe. Aber ich fahre oft in andere Städte, um internationale Kunstmessen zu besuchen. Die gibt es hier nicht wirklich.

Wo ist deine Hood? Im Westen, wo ich wohne. Ich habe alles dort: nette Nachbarn, Bars, Restaurants, den Feuersee… Ich will aber nicht zu viel Werbung machen, sonst gibt es dort noch weniger Platz.

Was ist der kreativste Ort in Stuttgart? Meine Dachterrasse ist unschlagbar.

Wo kann man gar nicht kreativ sein? Im Bürgerbüro oder in der Warteschlange bei der VVS, wenn man einmal im Jahr sein Jahresticket kaufen möchte.

Wo legst du am liebsten auf? Es gibt viele gute Locations, aber am liebsten lege ich auf der Inner Rythm Party auf. Da ist einfach mein Spirit.

Wo hast du in Stuttgart als erstes aufgelegt? Die ersten Male waren im Wildparkstüble und dann in der Radio-Bar und im Libero. War ziemlich spannend damals.

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Stuttgart lebt vor allem auch von seinen Vororten: die Weinberge, die Wälder, oder dass man einfach mal einen Kater-Ausflug auf ein Feuerwehrfest in Untertürkheim machen kann.

Wenn du ein Viertel künstlerisch aufwerten könntest, welches wäre das? Es müsste ein undesigntes Künstlerviertel geben, das subventionierte Ateliers zur Verfügung stellt. Es ist sehr schwierig, in Stuttgart bezahlbare Ateliers zu finden. Vieles wird abgerissen oder dermaßen saniert, dass wieder der Charme fehlt und die Kosten explodieren.

Was machen andere Städte besser als Stuttgart? Was Stuttgart fehlt, ist die Internationalität, die über tolle Kunstmessen entsteht. Und was Stuttgart 21 angeht: Das Geld wäre an anderer Stelle besser aufgehoben.

Ausstellung: Die Eröffnung von „Chick Tools“ findet am Samstag, 20. Januar, von 18 bis 22 Uhr statt. Bis zum 17. März können Interessierte die Ausstellung in der Bloody Colors Gallery, Hölderlinstraße 53, kostenlos besuchen. An der Langen Nacht der Museen (17. März) hat die Galerie bis 2 Uhr nachts geöffnet. An diesem Abend legt Daniela Wolfer in der Galerie auch als DJ auf.