Stadtkinder über ihre Stadt: Skater Phil Anderson „Stuttgart ist ein riesiger Skatespot“

Von Nina Dias da Silva 

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben - und was sie so richtig nervt. Heute mit Skater und Stuttpark-Hausleiter Phil Anderson.

Der Skater Phil Anderson wünscht sich für Stuttgart drei Dinge: Wasser, Miteinander und mehr Plätze zum Skaten. Foto: Erik Sturm
Der Skater Phil Anderson wünscht sich für Stuttgart drei Dinge: Wasser, Miteinander und mehr Plätze zum Skaten. Foto: Erik Sturm

Bad Cannstatt - Seit 18 Jahren hat Phil Anderson einen treuen Begleiter: das Skateboard. Ob auf dem Board, als Ansprechperson im Stuttpark oder durch die Verbundenheit zu Skatern auf der ganzen Welt – Skaten ist für den Stuttgarter mehr als eine Sportart auf vier Rollen.

„Skateboarding ist eines der schönsten sozialen Auffangbecken, die es gibt“, sagt Anderson, der in Stuttgart-Mitte wohnt, überzeugt. Denn beim Skaten seien Herkunft und Alter Nebensache. Und so kommt es auch, dass in der Stuttgarter Skatehalle Stuttpark, die direkt am Cannstatter Bahnhof gelegen ist, Menschen von fünf bis 40 Jahren auf den Brettern stehen. Vom Anwalt, der ein bisschen abschalten will bis hin zum Nachwuchs-Skater, der sich gegen den Fußballverein und für einen Skatekurs entschieden hat.

Anderson stand mit elf Jahren das erste Mal auf einem Skateboard. Damals wie heute das gleiche Spiel: als Skater bist du nicht lange allein – die Erfahrenen helfen den Anfängern. So hat er es vor 18 Jahren erlebt, so wird es auch weiter getragen.

In Stuttgart lernt er auch den Skate­boardfilmer Thorsten Frank kennen – lange Zeit sein Mentor, heute ein guter Freund. Damit ist der Grundstein für Andersons Karriere gelegt. Es folgen Videos, Wettbewerbe, Interviews in Fachmagazinen und Sponsorings von großen Marken. Auch heute noch ist Anderson als professioneller und international bekannter Skateboarder aktiv, unter anderem als Teamfahrer für Arrow & Beast und eine große Sportmarke. Seit zwei Jahren schon kann er allerdings aufgrund einer Verletzung nicht mehr richtig fahren. In Skaterzeit eine Ewigkeit, hat er früher acht Stunden am Tag trainiert. Jetzt arbeitet er daran, bald wieder voll einsteigen zu können.

Wann hast du dich in Stuttgart verliebt?
Als ich das erste Mal mit meinem Skateboard nach Stuttgart gekommen bin und in der Gaskammer war. Da waren Sprüher, Skater, Rapper, Breakdancer, BMXer, Rollschuhfahrer – da waren einfach alle vertreten.
Wo ist Stuttgart am schönsten?
Ich bin ganz gerne im Kursaal in Bad Cannstatt, dort gefallen mir die Stimmung und die Atmosphäre. Es ist ein Ruheort, an dem ich gut entspannen kann. Außerdem treffen hier Jung und Alt zusammen.
Wo ist Stuttgart am hässlichsten?
Der Cannstatter Bahnhof ist wirklich ein sehr hässlicher Ort.
Stuttgart fehlt . . .
. . . Wasser. In Form von einem Badesee, was auch beinhaltet, dass man dort zusammenkommt. Ein Ort, an dem alles aufeinander trifft. Wie der Schlossplatz damals, wo die Subkultur der Gaskammer direkt neben dem Mövenpick war.
Was würdest du an Stuttgart ändern, wenn du Oberbürgermeister wärst?
Ich würde mehr sogenannte „skateable sculptures“ bauen.
Dein liebster Skatespot?
Für mich ist Stuttgart generell ein riesiger Skatespot. Hier gibt es viele Möglichkeiten.
Seit wann wohnst du eigentlich in Stuttgart?
Seit ich 14 bin wohne ich hier, damals in der WG von Thorsten und Co. Meine Mutter hatte den Jungs sogar eine Vollmacht ausgestellt, damit wir filmen gehen konnten. Sie hatte ein unfassbar großes Vertrauen in mich und in die Jungs, das war sehr wichtig für mich. Sie haben sich dafür auch darum gekümmert, dass beispielsweise meine Hausaufgaben erledigt wurden. Meine erste eigene Wohnung hatte ich mit 18.
Welchen Skateshop vermisst du am meisten?
Die Skatebox, das war der erste Skateshop in Stuttgart von Martin Grüb. Wenn du zu ihm in den Laden gegangen bist, hast du immer ein Stück Skateboardgeschichte mitbekommen.
Wie verbringst du dein perfektes Wochenende in der Stadt?
Cappuccino trinken gehen beim Misch Misch und Michi besuchen, ein bisschen spazieren gehen, Freunde treffen, sich austauschen, ins Schwimmbad gehen. Einfach in den Tag hinein leben. Feiern gehen ist für mich nicht das perfekte Wochenende. Feiern bedeutet, danach ein oder zwei Tage im Eimer zu sein.
Dein absoluter Geheimtipp?
Das Café Stöckle, da gibt es den besten schwäbischen Apfelkuchen.
Kannst du dir ein Leben ohne Skaten überhaupt vorstellen?
Ich kann mir ein Leben ohne Skateboard schon vorstellen. Aber durchs Skaten habe ich so viele andere schöne Dinge kennen gelernt. Alleine mit anderen Menschen zu reden, die genau so eine Leidenschaft für etwas hegen. Ich fahre jetzt seit 18 Jahren Skateboard und wahrscheinlich wird es ein Leben ohne den Sport für mich nicht geben. Ich sehe Stuttgart auch mit anderen Augen: Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich Spots, die man skaten kann.
Welche Auswirkungen hat der Stuttpark auf die hiesige Szene?
Die Kids haben hier einen sicheren Ort zum Fahren. Auch außerhalb der Kurszeiten finden sie immer jemanden, mit dem sie sich austauschen können. Für die erfahrenen Skateboarder haben wir außerdem einen neuen Park kreiert, der sich mit der Welt messen kann.
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