Die Orgel in der Leonberger Stadtkirche soll für eine Million Euro ersetzt werden. Doch dafür werden Spenden der Bürger und örtlichen Firmen benötigt.

Liebe Leonbergerinnen und Leonberger, die Zeit und die Kosten laufen uns davon“, appelliert Hannes Burgdorf besorgt an seine Mitbürger. Der Kunstmäzen und Mittelständler meint dabei das Vorhaben, für die historische evangelische Stadtkirche eine dringend notwendige neue Orgel zu beschaffen. Die im Herbst 2018 von der Kirchengemeinde unter dem Motto „Herzenssache – die Leonberger Stadtkirche benötigt eine neue Orgel“ gestartete Spendenaktion ist seinerzeit gut angelaufen, wurde aber von der Coronapandemie ausgebremst.

Kirchengemeinde muss Orgel allein finanzieren

Nun ist in diesem Jahr für das von Dekan a. D. Wolfgang Vögele und Kirchenmusikdirektor Attila Kalman initiierte Vorhaben die Spendenaktion wieder verstärkt angelaufen. Das Spendenbarometer liegt aktuell bei knapp 300 000 Euro. Darin nicht enthalten ist die großzügige Spende des seit 40 Jahren in Leonberg wohnenden Unternehmerehepaars Heidi und Hannes Burgdorf in Höhe von 250 000 Euro.

„Die neue Orgel, gespendet und schlussendlich angeschafft von vielen Bürgern, ortsansässigen Firmen und Organisationen, steht dann als Zeichen für eine lebenswerte Stadt“, sagt Burgdorf wohl wissend, dass die Richtlinien der evangelischen Landeskirche keine Zuschüsse für eine neue Orgel vorsehen – sie also komplett von der Kirchengemeinde finanziert werden muss.

Die „Königin der Musikinstrumente“ in der Stadtkirche, eine Walcker-Orgel aus dem Jahr 1964, damals gefertigt aus günstigen Materialien, ist in die Jahre bekommen ist. „Auch die Elektrik ist marode“, sagt Kirchenmusikdirektor Attila Kalman. Vieles in der Ausstattung, was heute üblich und künstlerisch wichtig ist, fehle.

Bislang nur knapp die Hälfte der Kosten gedeckt

Die Spende der Burgdorfs zusammen mit dem vorhanden Geld hat zumindest erlaubt, die Sache ins Rollen zu bringen. Bevor nicht die Hälfte der Kosten auf dem Konto ist, erlauben es die Statuten der Württembergischen Landeskirche nicht, das Vorhaben konkret in Angriff zu nehmen. „Was bisher eingegangen ist, zeigt eine große Identifikation der Leonbergerinnen und Leonberger mit ihrer Stadtkirche“, sagt die geschäftsführende Pfarrerin, Heidi Essig-Hinz. Erreicht wurde das durch Pfeifenpatenschaften, Benefizkonzerte, die besonderen „Eins zu eins“-Konzerte und zahlreiche Spenden.

„Es ist das erklärte Ziel, dass die neue Orgel im Jahr 2026 eingeweiht wird und zum ersten Mal in den ehrwürdigen Mauern der Stadtkirche erklingt“, sagt Kirchenmusikdirektor Attila Kalman. Doch warum erst 2026? Als Erstes muss natürlich alles finanziert sein. Ein weiterer Grund ist, dass vor einem Orgeleinbau die Stadtkirche renoviert werden muss. Die letzte groß angelegte Erneuerung fand von 1962 bis 1965 statt. Elektrik und Beleuchtung müssen erneuert werden. Die Bänke brauchen eine Auffrischung. Wertvolle Kunstgegenstände, vor allem der barocke Hochaltar und die Kanzel, müssen restauriert werden.

Umfangreiche Sanierung der Stadtkirche nötig

Außerdem wird die zweite Empore, auf der heute die Orgel steht, abgebaut, damit das neue Instrument einen akustisch optimalen Platz auf der ersten Empore findet. Für die Innenrenovierung werden 800 000 Euro benötigt. Etwa die Hälfte dieser Kosten wird von der Landeskirche und vom Kirchenbezirk getragen. Auch ein Zuschuss des Denkmalschutzes wird erwartet. Hinzu kommt noch, dass am Kirchturm unter dem Rundgang der Turmbläser gravierende Schäden festgestellt wurden – Steine bröckeln ab.

Nach einer Bauberatung stehen für die Sanierung des Turmes geschätzte Kosten in Höhe von 945 000 Euro im Raum. Dabei hofft die Kirchengemeinde, dass sich die Stadt Leonberg – wie bisher üblich – an den Kosten der Sanierung des Kirchturms beteiligt. Gehört die Stadtkirche doch zu den ältesten Bauwerken der Stadt und prägt mit ihrem charakteristischen Turm das Stadtbild.

Inzwischen hat sich auch in Sachen neuer Orgel einiges getan. Kirchenvertreter und interessierte Bürger haben die drei infrage kommenden Orgelbaufirmen besucht. „Das waren spannende Einblicke in das diffizile und unterschiedliche Gewerke umfassende Bauen von Orgeln, das zu Recht als immaterielles Kulturgut gilt“, sagt Pfarrerin Heidi Essig-Hinze. Anfang August wurden Angebote von den drei Firmen eingeholt.

Orgelbauer stelle ihre Konzepte am 9. November vor

Die Instrumentenbauer müssen sich an ein striktes Budget halten. „Die Gesamtkosten wurden auf maximal eine Million Euro festgelegt“, erläutert die Stadtpfarrerin. Am 9. November um 18 Uhr findet eine öffentliche Veranstaltung mit allen drei Orgelbauern in der Stadtkirche statt. Hier stellen sie dann vor, was ihre Orgel jeweils beinhaltet und zu bieten hat. „Es wird eine Universalorgel mit einer Mischung aus Barock und Deutscher Romantik sein, nachdem wir eine im Stil der Französischen Romantik in der katholischen Johanneskirche haben“, sagt Kalman. Sie werde 40 Register und rund 3000 Pfeifen haben. Ausgestattet wird sie mit einer sogenannten Englischen Trompete.

Insgesamt benötigt die Stadtkirchengemeinde noch 430 000 Euro für das Orgel-Projekt. „Nur wenig mehr als die für die Auftragsvergabe benötigte Summe ist bisher zugesagt – deshalb hoffen und wünschen wir uns, dass nicht zuletzt ortsansässige Firmen einen zusätzlichen Beitrag leisten, um das großartige Projekt erfolgreich in Angriff zu nehmen und zeitnah zum Abschluss bringen zu können“, sagt Hannes Burgdorf.

Finanzierung der neuen Orgel

Veranstaltungen
 Ein Orgelkonzert mit dem Leipziger Gewandhausorganisten Michael Schönheit findet am Mittwoch, 12. Oktober, um 19.30 Uhr, in der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer in Leonberg statt. Er gibt große Werke von Bach, Liszt, Schumann, Mendelssohn Bartholdy und Franck zu Gehör. Ein Konzert der Orgelschüler im evangelischen Kirchenbezirk Leonberg mit Werken aus verschiedenen Musikepochen rundet am Sonntag, 23. Oktober, um 19.30 Uhr in der Stadtkirche die Veranstaltungsreihe ab.

Spenden
 Alle Infos rund um die Sanierung der Stadtkirche und die neue Orgel, einen aktuellen Spendenstand sowie die Daten des Spendenkontos gibt es auf www.ev-kirche-leonberg.de unter Kirchengemeinde Leonberg-Nord und Orgelprojekt Stadtkirche.