Der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ startet weitere Aktionen: Abendspaziergänge sollen Menschen in die Stadt locken. Die neue Weihnachtsbeleuchtung für 50 000 Euro ist von zwei Gemeinderats-Ausschüssen derweil bereits genehmigt.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)

Gerlingen - Den Verein gibt es erst seit dem November des vergangenen Jahres – an seiner ersten publikumswirksamen Aktion aber haben schon mehr als 1400 Bürger teilgenommen: Aus der Abstimmung über die künftige Weihnachtsbeleuchtung in der Gerlinger Innenstadt ging das am modernsten wirkende goldfarbene „Glitzerband“ als klarer Sieger hervor. Derweil plant der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ bereits seine nächsten Aktivitäten, zum Beispiel regelmäßige Abendspaziergänge in der Stadt. Künftige gemeinsame Aktionen mit der Nachbarstadt Ditzingen sind für die Vorsitzenden Heike Bischoff „keine abwegige Idee“.

Der Gemeinderat muss zwar in seiner nächsten Sitzung am 4. Mai dem Kauf der Glitzerbänder noch zustimmen – das scheint aber Formsache zu sein. Denn zwei seiner Ausschüsse haben bereits ihr Plazet gegeben. Mehr als 60 Aufsätze auf die neuen Straßenlaternen werden so bestellt, dass sie im November montiert werden können. Lediglich die Leuchtfarbe soll noch ein bisschen besser auf die der neuen Lampen abgestimmt werden.

Schönes Beispiel für Zusammenarbeit

Für Heike Bischoff, die Vorsitzende des Marketingvereins, ist die Weihnachtsbeleuchtung ein schönes Beispiel dafür, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Verein und anderen Beteiligten bereits klappt. Weil „Marketing aber mehr ist als Handel“, sagt sie, seien bereits weitere Aktivitäten geplant. Etwa eine Veranstaltungsreihe namens „Abendspaziergang“: Dabei sollen die Teilnehmer pro Termin an vier sehr unterschiedlichen Stationen vorbeikommen, zum Beispiel einem Laden, einer Kirche und einer Arztpraxis, und so die Stadt von einer anderen Seite kennenlernen. Ende Mai, Anfang Juni soll es losgehen.

Beim Thema Innenstadt und Einzelhandel sieht die 53-Jährige zunächst zwei Themen, um die man sich kümmern sollte: einheitliche Öffnungszeiten und das Parken. Es sei sehr schwierig, die Öffnungszeiten der Geschäfte zu vereinheitlichen, man müsse vor allem „die Inhaber durch positives Überzeugen ins Boot holen“. In jedem der vielen Geschäfte gebe es „andere Gründe, warum es so ist, wie es ist“.

Kulturnacht schon festgelegt

Mit dem Bund der Selbstständigen wolle der Marketingverein „eine gemeinsame Basis herstellen“, sagt Bischoff. Es gebe Überschneidungen – wie die Kultur- und Laternennacht. Die nächste ist für den 28. Oktober geplant. Auch größere Veranstaltungen seien ein Thema – und dabei auch die Koordination mit den Nachbarstädten.

Ein Beispiel dafür gab es Anfang dieses Monats: der verkaufsoffene Sonntag in Gerlingen nach dem Solitudelauf und parallel dazu eine Mobilitäts- und Automesse in Ditzingen mit offenen Läden. „Gemeinsamkeit gibt ein gutes Bild nach außen“, meint die Vorsitzende. Ihr Ziel: wenigstens mal mit den Nachbarn telefonieren. Guido Braun vom Verein Aktive Wirtschaft in Ditzingen ist dafür aufgeschlossen: „Wir sehen viele Ansätze, Dinge gemeinschaftlich zu tun. Warum auch nicht?“ Es gäbe viele Möglichkeiten, auf Besucher zuzugehen – auch gemeinsam.

Auch das Vorhaben, für „Mein Gerlingen“ einen Hauptamtlichen einzustellen, steht laut Heike Bischoff an. Einen Zeitpunkt für dessen Amtsantritt sei aber noch nicht ins Auge gefasst. „Praktische Schritte müssen wir noch tun“, so die Vorsitzende. „Unser Verein steht erst am Anfang. Wir wollen vieles nicht überstürzen.“ Die praktischen Schritte auf dem Weg zum Geschäftsführer seien noch zu gehen.

Marketing und Handel

Prozess
– Die Entwicklung hin zu einem organisierten Stadtmarketing begann in Gerlingen 2011. Ein von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung Ludwigsburg moderierter Prozess mündete 2014 in ein „Stadtmarketing-Handbuch“. Dieses ist verbindliche Richtlinie.

Aktivitäten
– Die im Handbuch definierten Handlungsfelder sind Wirtschaft und Arbeit; Wohnen mit Wohnumfeld; Innenstadt mit Einzelhandel; Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz; Freizeit, Kultur und Bürgerengagement.

Kaufkraft –
Eine Studie der Industrie- und Handelskammer wies den Gerlingern 2015 die höchste Kaufkraft in der Region zu. 77 Prozent davon bleiben im örtlichen Einzelhandel.