Stadtmuseum Gerlingen Die Chefin macht jetzt woanders Geschichte

Catharina Raible verlässt das Stadtmuseu- mit einem „sehr weinenden Auge“. Foto: factum/
Catharina Raible verlässt das Stadtmuseu- mit einem „sehr weinenden Auge“. Foto: factum/

Catharina Raible wechselt vom Stadtmuseum zum Hornmoldhaus in Bietigheim. In mehr als acht Jahren hat sie viel geschafft – damit ist nicht nur Masse gemeint: Die Historikerin schaffte es mit ungewöhnlichen Aktionen, das Museum zu entstauben.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)
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Gerlingen - Achtundzwanzig Ausstellungen gestaltet, die Dauerausstellung in großen Teilen der Zeit angepasst, das Nebengebäude mit dem alten Kaufmannsladen und dem historischen Friseursalon aus dem Dornröschenschlaf erweckt, den Fundus gesichtet, das Nebenlager geräumt und das Magazin in der Scheuer neu eingerichtet – die Bilanz von Catharina Raible kann sich sehen lassen. Das Gerlinger Stadtmuseum ist in ihrer Amtszeit seit dem 1. Oktober 2010 anders geworden, moderner, zugkräftiger, kindgerechter. Nicht nur die ältere, auch die junge Generation wurde und wird weiter ins Haus gelockt – mit Workshops, Vorträgen, Diskussionen, Kindergeburtstagen und anderen Aktionen.

Besucherzahlen gesteigert

Raible schaffte es, mit moderner Museumsdidaktik frischen Wind durch das Alte Schulhaus von 1818 wehen zu lassen – und das mit dem vorhandenen Material und ohne eine grundlegende Neukonzeption. Ihre Besucherzahlen waren von 2011 an relativ schnell auf 6000 bis 7000 hochgeschnellt, und damit das Doppelte und Dreifache der früheren Werte. Dazu trug ihr Ansatz bei, den sie von vorneherein verfolgte. Fachleute nennen das Konzept „Personalisierung“ oder „partizipativer Ansatz“. Will heißen: Es werden Ausstellungen zu Themen konzipiert, die möglichst starke Bezüge zum Ort haben – und zu seinen Menschen. Sie werden dafür rechtzeitig vor dem Beginn einer neuen Schau angesprochen und steuern dann persönliche Schilderungen oder Gegenstände bei. In einer Schau zum Jubiläum des Mauerfalls wurden Menschen aus Gerlingen vorgestellt, die einst DDR-Bürger waren. In einer Ausstellung zum 200-jährigen Bestehen des Alten Schulhauses kamen Menschen zu Wort, die als Kinder dort ein- und ausgingen.

Raible holte die Firma Bosch zu einer Sonderausstellung ins Haus (zu deren 125-Jahr-Jubiläum 2011), die Solitude war das Thema einer Schau, örtliche Vereine konnten sich präsentieren. So interessierte die Museumsleiterin mit unterschiedlichsten Themen und jährlich zwei oder drei neuen Wechselausstellungen viele Menschen für das Stadtmuseum.

Von Erfahrung profitiert

„Ich profitiere von der Erfahrung dieser gut acht Jahre“, resümiert die 43-Jährige – nicht nur in der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Bauhof, ehrenamtlichen Mitarbeitern und mittlerweile sieben Freiwilligen, den so genannten Bufdis, sowie Dutzenden von Leihgebern. „Ich bin dankbar für diese Zeit“, meint die Historikerin, „und gehe mit einem sehr weinenden Auge“. Sie freue sich auf die neue Aufgabe im Hornmoldhaus in Bietigheim. Schon seit Anfang April ist sie dort für einen Tag in der Woche, um den Übergang zu gestalten. Themen von Gerlingen, etwa die Heimatvertriebenen, könne sie an der neuen Wirkungsstätte aufgreifen, sich aber auch neuen Themen widmen. Und sie wird auf ein Problem treffen, das sie von Gerlingen kennt: mangelnde Barrierefreiheit.

Ergänzungsbau wird geplant

Das ist einer der Hauptpunkte einer dringend nötigen Sanierung des Hauses. Diese wurde schon 2014 zum ersten Mal vom Gemeinderat angesprochen. Raible hatte rasch nach ihrem Amtsantritt darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur die jahrzehntealte Stromheizung dringend erneuert werden müsste. Mittlerweile wird ein kleiner Ergänzungsbau für das Museum an der Christophstraße geplant. Erst wenn dieser steht, kann die Generalsanierung des Alten Schulhauses angepackt werden. Alle möglichen Untersuchungen wurden in dem 200 Jahre alten Gebäude schon vorgenommen, Pläne für eine Gesamtsanierung aber gibt es noch nicht. Die fällt wohl in die Amtszeit von Raibles Nachfolgerin Christina Vollmer, die aus Benningen kommt. Mittlerweile macht das Haus noch „Bella figura“ – so lautet der Titel der am vergangenen Sonntag eröffneten Schau über Werbefiguren. Es ist eine Fortsetzung der Ausstellung zum Wandel im Handel, die starke örtliche Bezüge hatte. Mehr als 200 Menschen waren am Vernissagen-Tag da. Solche Veranstaltungen kennt auch die neue Chefin.




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