Stadtmuseum Stuttgart Das Haus im Haus wächst

Der Umbau des Wilhelmspalais macht Fortschritte. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Umbau des Wilhelmspalais macht Fortschritte. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Im Herbst wird am Wilhelmspalais Richtfest gefeiert. Für 38,3 Millionen Euro wird das Gebäude ins Stadtmuseum verwandelt. Vor der Eröffnung der Schau muss aber noch ein Auto ins Obergeschoss gebracht werden.

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Stuttgart - Der Innenausbau des Stadtmuseums im Wilhelmspalais nimmt Form an. Vier der fünf öffentlich zugänglichen Stockwerke sind bereits begehbar. Nur das zweite Obergeschoss und das Dach fehlen noch, bis das Richtfest im Herbst gefeiert werden kann.

Um die Baustelle an der Konrad-Adenauer-Straße besichtigen zu können, sind bislang noch Sicherheitsschuhe, Warnweste und Helm nötig. Obwohl einem im ersten Stock bislang nur der Himmel auf den Kopf fallen kann, ist die Baustelle ansonsten wie jede andere – dreckig, dunkel und voller Stolperfallen. Noch vor dem Baustellenzugang auf Seiten der Urbanstraße gibt die Leiterin des Planungsstabs, Anja Dauschek, einen Crashkurs zur Geschichte des Hauses. Dabei sind 15 Mitglieder des Freundeskreises Stadtmuseum Stuttgart, darunter dessen Vorsitzende Bettina Klett. Das im Jahre 1840 vom damaligen Hofbaumeister Giovanni Salucci für die württembergischen Prinzessinnen Marie und Sophie erbaute Gebäude wurde, nachdem es zwischenzeitlich als Wohnsitz für König Wilhelm II. diente, im Luftkrieg 1944 bis auf die Außenmauern zerstört. Der Innenausbau zur Stadtbücherei erfolgte erst 17 Jahre später im Jahr 1961.

38 Millionen Euro fließen in den Umbau

Auch wenn der Entwurf der Stuttgarter Architekten Lederer, Ragnarsdóttir und Oei mit dem komplett neuen Innenausbau radikal ist, ist der Planungsstab nach wie vor von seinen Vorteilen überzeugt. „Die Anforderungen an ein Gebäude sind bei einer Bibliothek und einem Museum grundverschieden“, sagt Anja Dauschek. Daher sei der 38,3 Millionen teure Umbau notwendig, um den größten Nutzen aus dem Grundgemäuer herausholen zu können. Grundgedanke der neuen Planung ist ein symmetrischer Aufbau mit möglichst wenigen nicht-öffentlichen Flächen.

Das Erdgeschoss wartet neben dem großzügigen Foyer mit zwei Veranstaltungsflächen auf, dem Vortragssaal und dem Salon. Baurechtlich ist das gesamte Parterre eine Veranstaltungsstätte – auch das sei, so Dauschek, eine häufige Anforderung an städtische Neubauten. Derzeit arbeite man außerdem an einem Konzept für eine saisonale Außengastronomie ähnlich jener, wie sie während der Zwischennutzung auf der Eingangstreppe betrieben wurde. Inmitten des Foyers sollen die Besucher von einem historischen Stadtmodell empfangen werden.

Ein Mercedes 180 muss noch Lastenaufzug fahren

Ein Stockwerk tiefer befindet sich das Gartengeschoss mit einer Anlieferungsfläche und dem Stadtlabor, wo Kinder und Jugendliche in Ausstellungen und Workshops die Baukultur erkunden können. Ebenfalls von hieraus erreichbar ist der Lastenaufzug, der später etwa einen Mercedes 180 in die Ausstellung befördern soll. Die Technik ist im gesamten Gebäude in den Wänden untergebracht. Das hat zwar den Nachteil tieferer Fensterschächte, dafür bleibt das Tageslicht erhalten und die Geschosshöhen können besser genutzt werden. „Der Bezug zur Stadt soll nicht verloren gehen“, erläutert Dauschek, daher setzte man im gesamten Gebäude auf Tageslicht.

Im ersten Obergeschoss werden die ständige Ausstellung „Stuttgarter Stadtgeschichte(n)“ und ein Museumscafé mit Zugang zur Terrasse untergebracht. Das interaktive Stadtmodell, das das zentrale Element der Ausstellung bilden soll, lässt sich bisher nur erahnen. Am 28. Oktober wird das Richtfest gefeiert. Die Eröffnung ist für den Herbst 2017 geplant.




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