Stadtpalais in Stuttgart Kinder wünschen sich Wasser in ihrer Traumstadt

Von Barbara Czimmer 

Das Stadtpalais fragt: Wie wollen Kinder leben? Eine vierte Klasse hat Antworten gegeben und eine Zukunft mit vielen freien Flächen und viel Wasser entworfen. Das Projekt soll Schule machen – auch bei Erwachsenen.

Athallah vermisst den Weg zur Schule. Foto: Stadtpalais
Athallah vermisst den Weg zur Schule. Foto: Stadtpalais

Stuttgart - Nehmen Kinder ihre Umgebung wahr? Ja, nur sehen sie ganz andere Dinge als Erwachsene. „Vor allem sind sie unvoreingenommen, sehen nicht alles als Problem. Jedenfalls wissen wir nun, was für eine Stadt sie wollen“, sagt Museumsdirektor Torben Giese.

Giese hat am Donnerstag die Stadtbau-Akademie im Stadtpalais Stuttgart eröffnet. Eine circa vier Meter große Collage stand dabei im Zentrum. Sie zeigt, wie die Kinder der Klasse 4b der Grundschule Burgholzhof gern leben würden: Hübsche Häuser sind in lockerer Bebauung entlang einer Straße gruppiert, dazwischen viele grüne Freiflächen nebst Seen, Abenteuerspielplätzen und sogar einer Kirche. Mit großem Ernst und ganz mutig erläutert Athallah sein selbst gebautes Häusermodell. „In so einem würde ich gern wohnen“, sagt er.

Fahrtkosten für Grundschüler hoch

Eine Woche lang haben sich die Mitarbeiterinnen des Stadtpalais, die Kinder und ihre Lehrerin Iris Striedel während des Kunstunterrichts mit dem Thema Baukultur befasst. Gemeinsam erkundeten sie den Burgholzhof. „Wir haben eine Mental Map angelegt“, sagt Max, „das heißt, wir mussten im Kopf den Schulweg gehen und aufzeichnen, was wir auf unserem Weg bemerkt haben“. Amy malte den Kinder- und Jugendtreff – und beschrieb, was ihr nicht gefällt: „Dass da so viel Abfall rumliegt.“ Damit ist sie ganz auf einer Linie mit Kindern, die im Rahmen des Programms Kinderfreundliches Stuttgartbefragt worden sind. Tobias findet das „Hochhaus Wolke 7 ziemlich stylish und cool“. Oben drauf habe er einen Spielplatz entdeckt, da will er mal hin. Amy will später mal Architektur studieren. Und alle zusammen bedauern, dass die Woche schon wieder rum ist: „Wir hätten gern weitergemacht.“ Einziger Wermutstropfen: 160 Euro aus der Klassenkasse kosteten die Bahnfahrten der vergangenen Tage zum Palais und zurück.

Silvia Gebel, die Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung im Stadtpalais, hat bereits „zehn bis 15 Bewerbungen anderer Schulen auf dem Tisch“. Kulturbürgermeister Fabian Mayer sieht ein Ziel des Stadtpalais erreicht: „Hier lernt man, dass diese Stadt von Bürgern erdacht, gestaltet und umgesetzt wird und dass wir uns interessieren für die Vorstellungen der Jugend.“

Stiftung ermöglicht Drei-Jahres-Laufzeit

Die Wüstenrot Stiftung, die 480 000 Euro zur Verfügung gestellt hat, ermöglichte die Gründung der Stadtbau-Akademie und sichert deren Fortbestand für drei Jahre. „Dann wollen wir sehen, ob das Format gut ist und ob auch andere Museen und Städte es übernehmen können“, sagte Stiftungsgeschäftsführer Philip Kurz.

Im Stadtpalais geht es in den Pfingstferien mit Konstruktionen unter Spannung weiter, in den Sommerferien mit dem Thema Stadt am Fluss und mit Brücken. Palais-Chef Torben Giese spielt mit dem Gedanken, „draußen eine Wasserrinne anzulegen“. Die Kinder hat er damit sicher auf seiner Seite.

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