Stadtpalais Stuttgart Goldener Overall landet im Museum

Von Petra Mostbacher-Dix 

Vor 20 Jahren veranstaltete der Künstler Edgar Harwardt eine Aktion vor dem Kunstverein am Schlossplatz. Jetzt hat er seinen Overall von damals ans Stuttgarter Museum Stadtpalais übergeben.

Aktionskünstler und Antiquar Edgar Harwardt übergibt seinen Overall an Edith Neumann vom  Stadtpalais. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Aktionskünstler und Antiquar Edgar Harwardt übergibt seinen Overall an Edith Neumann vom Stadtpalais. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Langsam erhebt sich der goldene Overall in die Lüfte. Aktionskünstler und Antiquar Edgar Harwardt und Edith Neumann, stellvertretende Direktorin und Sammlungsleiterin des Stadtpalais, bringen das Objekt in Stellung. „Eine ‚Levitation’!“, betont Harwardt schmunzelnd, auf seine gleichnamige Aktion vor zwanzig Jahren im Kunstgebäude am Schlossplatz, Residenz des Württembergischen Kunstvereins, verweisend. Im April 1999 jagte er symbolisch den goldenen Hirschen, der die Kuppel des Theodor-Fischer-Baus krönt.

Dafür schuf der Stuttgarter Maßschneider Hannes Münch – viele Objekte aus dessen Atelier sind im Stadtpalais – für Harwardt eigens den goldenen Overall. Nun hat der Künstler das Glanzstück dem Stadtpalais geschenkt. „Gold ist überall, selbst hoch in der Luft in kleinsten Spuren, sozusagen homöopathisiert – im Meer in einer Verdünnung von D7, in der Erde von D9“, so Harwardt bei der Übergabe. Gold sei verwandt mit Licht, umfange die Welt wie ein Overall.

Hirschlocker und Steigbild

Im Stadtpalais sind bereits Harwardt-Stücke, etwa das Poster und die Dokumente zur „Levitation“-Aktion. Den Hirschlocker will er noch übergeben: Wie es Jäger tun, nutzte ihn damals Harwardt, um Hirschrufe nachzuahmen. Auch eines seiner „Steigbilder“ ist in der Sammlung. Der Künstler hat dafür Erden verschiedener EU-Länder gemischt und mit Stuttgarter Mineralwasser in Papier aufsteigen lassen. In Zuge davon sei man an einen der letzten alten goldenen Kleiderbügel des Mineralbads Berg gekommen, so Neumann. Ein Fundstück, das an die Readymades von Marcel Duchamps erinnert: Der Grenzgänger zwischen Wort, Bild und Aktion, dessen Motto „Kunst, wo man sie nicht vermutet“ lautet, beschwerte damit bei einer Kunstaktion Flurkarten.

In seinen Performances im öffentlichen Raum reflektiere Harwardt über bekannte Objekte, erklärte Neumann. „Er verleiht den Dingen eine neue spirituelle Aura im Einklang mit der jeweiligen Geschichte des Objekts“. Das Stadtpalais sei indes kein Kunstmuseum. „Uns geht es um die Geschichte und die Zusammenhänge in der Stadt. Wir freuen uns über solche Sammlungsstücke.“

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