Stadtplanung in Portugal Bescheidenheit und Rücksicht

Nirgendwo ist geleugnet, dass diese Siedlung mit bescheidenen, immer neu erkämpften Mitteln gebaut wurde. Das nüchtern Maßvolle, die notgedrungene Bescheidenheit, die unbedingte Rücksicht auf die Grundbedürfnisse der hier hergezogenen, ehemaligen Landarbeiterfamilien werden nicht durch Fassadenschmuck kaschiert oder überhöht.

Zwischen den einzelnen Siedlungsabschnitten finden sich noch freie Flächen, am Wegrand sind winzige, locker ausgesteckte Küchengärten mit Wintergemüse und Kräutern angelegt. Das unbebaute Terrain wartet darauf, weiter bebaut zu werden. An Entwürfen dafür, vor allem solchen, die eine Erweiterung und Intensivierung des öffentlichen Raums betreffen, fehlt es nicht.

Denkmal der Aprilrevolution

Die Beharrlichkeit, mit der Siza und seine Mitstreiter dieses lebendige Denkmal der Aprilrevolution von 1974 vorangetrieben haben, ist bewundernswert – und es verrät auch etwas über die besondere Quali­tät und die Intentionen dieses Baumeisters: zu wissen und planerisch zu bedenken, dass ein Wohnhaus, ein Siedlungs­rayon sich erst und vor allem mit der Anerkennung, der Gewöhnung der dort Ein­wohnenden allmählich vollendet, dass bestimmte Bauvorhaben gewissermaßen unfertig­ (aber natürlich nicht unwirtlich) sein müssen, damit sich an ihnen, im Zusammen­spiel mit den Bewohnern, ein fast naturwüchsiger Prozess der Reifung entfaltet.

Malagueira ist kein Gegenentwurf zu Évora, sondern eine organische, typo­logisch neuartige Ergänzung der alten Stadt. Indem Álvaro Siza – hier Évora folgend – die Topografie respektiert, ja mehr noch: indem er sie zur unverzichtbaren Grundlage seines Entwurfs macht, gelingt ihm das Kunststück einer Domestikation der natürlichen Gegebenheit durch die Baukultur.




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