Rathausgarage in Stuttgart Schmuddelecke soll Kleinod werden

Von Martin Haar 

Die Fläche rund um den Ersatzbau der Rathausgarage in Stuttgart soll ein Platz für Menschen werden. Erste Ideen für die Umgestaltung gibt es schon.

Rathausgarage ist   weg  – wo früher das Auto im Mittelpunkt stand, soll jetzt    ein Platz für Menschen entstehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Rathausgarage ist weg – wo früher das Auto im Mittelpunkt stand, soll jetzt ein Platz für Menschen entstehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Nicht nur Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll (CDU) nannte die Rathausgarage und ihr Umfeld eine „Schmuddelecke, die einer Landeshauptstadt nicht würdig ist“.

Das ist Vergangenheit. Das Parkhaus mitten in der City ist abgerissen. Von nun an wird neu gebaut – vor allem neu gedacht. Ganz im Sinne von Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne), der sich die Belebung des öffentlichen Raumes auf die Fahnen geschrieben hat. Soll heißen: zwischen Marktplatz und dem Hans-im-Glück-Brunnen soll alles besser werden.

Im Zuge dieser Revitalisierung geht es nun auch um die Umgebung des ehemaligen Schandflecks. Es geht um die Gestaltung der Fläche rund um den Ersatzbau der Garage, dem Haus Eichstraße 9. Dazu präsentierte Landschaftsarchitekt Michael Glück im Bezirksbeirat Mitte einen Vorentwurf für das Areal Eichstraße.

Um es vorwegzunehmen: Glück, der Wettbewerbssieger von 2009, will dort einen Platz für Menschen schaffen. Autos sollen nur noch eine untergeordnete Rolle „an dieser wichtigen Stelle der City“ (Glück) spielen: „Ich versuche, dort rauszuholen, was rauszuholen ist.“

Das Auto soll hier draußen bleiben

Es ist keine einfache Aufgabe. Denn der Raum rund um den Neubau, der 42 Millionen Euro kosten wird, ist knapp. Der Kreativität des Landschaftsarchitekten sind also enge Grenzen gesetzt. Doch davon lässt sich Glück nicht entmutigen. Er will rund um die neue Tiefgarage und das neue Gebäude, in dem Gastronomie, Büros, eine EDV-Zentrale der Stadtverwaltung und eine Kindertagesstätte Platz finden sollen, Platz-Atmosphäre schaffen. „Es ist keine große, aber eine intensive Fläche“, sagt Glück.

Wie gesagt: das Auto soll dort nur noch eine Nebenrolle spielen. Verbannen will und kann es keiner. Alleine wegen der Zufahrt zum Rathaus. „Das Rathaus ist auch ein riesiges Veranstaltungszentrum“, sagt Bezirksvorsteherin Mitte, Veronika Kienzle. Dort müsse für Partyservice oder Gäste und nicht zuletzt für die Bürgermeister eine Zufahrt gewährleistet sein. Freilich müssen auch Rettungsfahrzeuge oder TV-Übertragungswagen bei Wahlen dort Platz finden. Nicht zu vergessen die Tiefgarage (Kosten 42 Millionen Euro), in der künftig nur noch 154 statt wie bisher 290 Autos parken können. „Prinzipiell soll es keinen Grund mehr geben, mit dem Auto in diese Straße zu fahren.“

Bäume sollen für Atmosphäre sorgen

Wie dies verkehrstechnisch umgesetzt wird, ist noch offen. Egal, ob dieser Raum als Fußgängerzone oder als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich deklariert wird, Glück will nur eines: „Jeder, der da reinfährt soll ein Signal bekommen: Ich bin auf keiner Straße.“

Dazu bedarf es einer „Transformation“, wie die Experten die Neugestaltung nennen. Der Titel lautet: aus Straße mach’ Platz! Erreichen wollen sie das in erster Linie durch eine einheitliche Belagfläche. „Sie können den notwendigen Platz-Charakter schaffen“, sagt Michael Glück. Für Atmosphäre sollen hingegen Bäume, Holzbänke, Fahrradständer und Hochbeete sorgen. Auch ein Brunnen oder ein Trinkbrunnen, den Veronika Kienzle favorisiert, sei möglich. Glück: „Ein Brunnen, wäre ein Kleinod. Denn Wasser zieht die Menschen immer an.“ Wenig Chancen hat dagegen eine Boule-Bahn, die SPD-Bezirksbeirat Heinrich-Hermann Huth gerne im Areal sähe.

Ganz gleich welche Umsetzung nach diesem Vorentwurf folgt, Veronika Kienzle ist sich jetzt schon sicher: „Unsere Innenstadt kann schöner werden.“

Sonderthemen