Stadtplanung Zurück zum Streit um den Kreisverkehr

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Nach 15 Jahren Planung stehen die Entwürfe für einen runderneuerten Schützenplatz auf der Kippe. Die Planer beginnen von vorn: bei der Bürgerbeteiligung.

Derzeit wird der Schützenplatz nicht als historischer Ort wahrgenommen, was er einmal war, sondern als Parkplatz – was er  ist. Foto: red
Derzeit wird der Schützenplatz nicht als historischer Ort wahrgenommen, was er einmal war, sondern als Parkplatz – was er ist. Foto: red

S-Mitte - Klaus Volkmer wähnte sich nach Jahren des Wartens kurz vor dem Ziel. Zu der Zeit, in der der Stadtplaner begann, sich um den Schützenplatz zu bemühen, galten Kreisverkehre in Stuttgart noch als wundersamer Import aus Frankreich. Jeder einzelne war damals umstritten. Das galt – kurz nach der Jahrtausendwende – auch für den geplanten Umbau des Schützenplatzes zum Kreisverkehr. Aber im Jahr 2001 „fand eine Bürgerbeteiligung vor Ort statt, zu der 20, 30 Leute gekommen sind“, sagt Volkmer – auch wenn seinerzeit niemand auf den Gedanken gekommen wäre, das Treffen Bürgerbeteiligung zu benennen.

Die Anwohner befanden das Ansinnen jedenfalls für gut. Ihre einzige Sorge war, dass der Kreisel ihre Parkplätze wegknabbern könnte. Die gaben sie vernehmbar zu Protokoll. Ein Unternehmensberater drohte gar mit Klage, falls seine Mitarbeiter keinen Parkplatz vor der Tür mehr finden würden. Die Pläne reiften bis nahe an ihre Verwirklichung. 2002 wurden sie nochmals bei einem abendlichen Anwohnertreffen diskutiert, aber „dann ist das Projekt nach hinten geraten“, sagt Volkmer – des Geldes wegen. Der Gemeinderat wollte die Ausgabe Jahr um Jahr nicht billigen.

Auf 300 000 Euro sind die Kosten für den Umbau inzwischen kalkuliert. Im aktuellen Haushalt ist das Geld da, weshalb Volkmer das Projekt wieder nach vorn beförderte. Im Bezirksbeirat wollte er sich das endgültige Ja abholen und alsbald auf Baustelle gehen. Aber daraus wird nichts. Volkmer wird wieder beginnen, wo er vor 15 Jahren begann: beim Treffen mit Anwohnern vor Ort. So hat es der Bezirksbeirat verfügt. Und der Stadtplaner versichert, „dass wir niemals ein Projekt gegen den Willen der Bürger durchziehen würden“.

Anwohner haben inzwischen eigene Pläne entworfen

Anlass des Neustarts war, dass inzwischen zwei der Anwohner ihre eigenen Pläne entworfen haben. Mit ihnen beginnt gleichsam auch der Grundsatzstreit zur Jahrtausendwende von vorn: der um den Kreisverkehr. Der ist in den Konkurrenzplänen zu denen aus dem Rathaus gestrichen. Die Autos sollen den Platz in einem Bogen umfahren, nicht umrunden. Damit gewinnt der Mensch gegenüber dem Auto an Platz. Zusätzlich könnte eine Baumreihe gepflanzt werden. Ihr Gegenvorschlag sei vor Ort die Mehrheitsmeinung, gaben die beiden Alternativplaner zu Protokoll.

Dass der Schützenplatz einer Runderneuerung bedarf, ist unstrittig. Der historische Platz ist von Kulturdenkmalen umringt, wird aber als Parkplatz genutzt. So sieht er auch aus. Auch mit den städtischen Plänen würden die Fußgänger Raum gewinnen. Zusätzliche 328 von insgesamt 1656 Quadratmeter Fläche hat Volkmer errechnet. Am Rand des Kreisverkehrs soll weiterhin geparkt werden, „weil man Parkplätze an dieser Stelle auch braucht“, sagt der Stadtplaner. Wem welche Fläche zugedacht ist, sollen unterschiedliche Bodenbeläge signalisieren. Damit nur an erlaubter Stelle Autos abgestellt werden, sollen Betonquader den Weg auf die Gehsteige verstellen.

Zum städtischen Vorschlag gehört die Beleuchtung

Vier Bäume inmitten des Rondells sind als Schmuck des Platzes vorgesehen. Der soll bei Nacht leuchten. Bodenstrahler gehören genauso zu Volkmers Vorschlägen wie ein Austausch der Lampen in der Straßenbeleuchtung. Energiesparende LED-Laternen sollen den Platz in warmes Licht tauchen. An seinem Rand sind zwei weitere Bäume vorge­sehen.

Ob die städtischen Pläne doch noch gutzuheißen sind, soll bei einem neuerlichen Informationsabend geklärt werden, den die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle moderieren will. Dazu „machen wir eine Hauswurfsendung“, sagt sie, „dann kommen hoffentlich mehr als 20 Bürger“. Dass das Geld für den Umbau anderweitig verplant wird, scheint unwahrscheinlich, denn über diesen Etat verfügt der Bezirksbeirat allein. Allerdings könnten bis zur Verwirklichung alternativer Pläne trotzdem weitere Jahre ins Land gehen, denn die müssten in den Ämterumlauf, und der dauert.

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