Stadtquartier in Stuttgart Ein Containerdorf für den Neckarpark?

Die Bebauung des Neckarparks zieht sich hin – solche Hochseecontainer für Studenten wären eine mögliche Zwischennutzung. Foto: Argon
Die Bebauung des Neckarparks zieht sich hin – solche Hochseecontainer für Studenten wären eine mögliche Zwischennutzung. Foto: Argon

Ein kreatives Konzept soll Schwung in die Debatte um das Stuttgarter Stadtviertel bringen. Dort könnten Studenten und Existenzgründer einziehen.

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Stuttgart - Was wird aus dem Neckarpark? In den nächsten Wochen und Monaten wollen Stadtverwaltung und Gemeinderat einen neuen Anlauf nehmen, um eine mehrheitsfähige Antwort über die Gestaltung des neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs in Bad Cannstatt zu finden. Dabei sollen möglicherweise auch neue, unkonventionelle Ideen wie ein mobiles Containerdorf für Studenten und kreative Existenzgründer zum Tragen kommen - vorausgesetzt, man wird sich über die Kosten einig, was bis jetzt nicht der Fall ist.

Die Firma Argon, eine Stuttgarter Projektentwicklungsgesellschaft, und die Architektin Sigrid Hintersteininger haben in der Planungsgruppe im Rathaus jüngst mit ihrem gemeinsamen Projekt "Suite4you" beeindruckt. Aufgepeppte und zum kompakten Wohnmodul umgestaltete Hochseecontainer, die kurzzeitig platziert und je nach Bedarf bis zu sechs übereinandergestapelt werden, könnten dem Neckarpark bereits erstes Leben einhauchen, während drum herum nach und nach das neue Stadtviertel entsteht, so die Idee.

Ikea droht am Nein von SPD und Grünen zu scheitern

Fürs Erste könnte das kreative Konzept neuen Schwung in die festgefahrene Debatte über die Gestaltung des Quartiers beim Wasen bringen. Zur Erinnerung: die bisher gesetzten Bausteine Wohnen, Gewerbe, Hotels und Bildungszentrum sind politisch ins Wanken geraten, weil Großveranstaltungen wie Konzerte und das Volksfest auf dem benachbarten Cannstatter Wasen sich vielleicht mit Wohnen, zumal gehobenem, doch nicht so recht vertragen.

Auch wird von Fachleuten inzwischen ein Fragezeichen hinter der Größenordnung der geplanten Gewerbeansiedlung mit rund 60.000 Quadratmetern gesetzt. "An dem Standort muss man froh sein, wenn man jährlich 5000 Quadratmeter vermieten kann", sagt ein Projektentwickler. Und die von OB Wolfgang Schuster zunächst favorisierte Ansiedlung von Ikea droht am Nein von SPD und Grünen, an Verkehrsproblemen und an der vom Regionalplan auferlegten Beschränkung des Randsortiments zu scheitern.

"Young City im Neckarpark"

Was also dann? Der Oberbürgermeister hat die Idee einer "Young City im Neckarpark" ausgegeben, eines jungen Stadtteils also. Auf den 22 von der Stadt gekauften Hektar Brachfläche soll ein besonderer Ort für Wohnen, Arbeiten und Leben entstehen - mit besonderen Wohn-und Arbeitsformen vor allem für junge Leute, mit besonders hohen ökologischen Baustandards, mit einem neuen Bildungshaus und besonderen Sport- und Freizeitangeboten.

Einige diese Kriterien ließen sich fürs Erste mit Containersuiten verwirklichen, davon sind Dirk Wehinger von Argon und Sigrid Hintersteininger überzeugt. "Wir könnten so etwas relativ rasch mit etwa einem halben Jahr für Planung und Aufbau verwirklichen und je nach Bedarf wachsen lassen", sagen beide. Statt von Containern sprechen sie lieber von variablen Modulen, mit denen sich bezahlbarer Raum für Existenzgründer ebenso schaffen ließe wie für Hotelgäste, Platz für Sport-und Messeevents oder auch kulturelle Angebote.

Nachfolgelösungen werden gebraucht

Als Betreiber ist bereits die Raum auf Zeit GmbH im Gespräch, die mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung unter anderem das H7 in der alten Bahndirektion und das Interimsprojekt in der alten Mercedes-Niederlassung an der Türlenstraße managt. Beide Projekte sind befristet, so dass auf kurz oder lang Nachfolgelösungen gebraucht werden. Deshalb hat die Wirtschaftsförderung Argon und die Raum auf Zeit Gesellschaft für den Neckarpark ins Gespräch gebracht.

Diskutiert werden zwei Varianten. Zum einen könnte im weiteren Umfeld des bereits auf den Güterbahnhofareal angesiedelten Stadtarchivs ein Containerdorf für junge Kreative entstehen, zum anderen könnten die Suiten zur Mercedesstraße als unkonventionelle Lärmschutzwand eingesetzt werden. "Da wären dann Showrooms denkbar oder auch Proberäume für Bands, oder man nutzt das Ganze als Medienwand", sagt Sigrid Hintersteininger. Für die im Wiener Ortsteil Aspern geplante Seestadt hat sie mit 200 Modulen ein kleines Stadtquartier mit Studentenwohnungen, Büros, mobilem Theater, Hotel und einer Art Marktplatz konzipiert. Sollte im Herbst der erhoffte Zuschlag für das Wiener Dorf folgen, wäre es das erste realisierte Suite4you-Projekt.

Es ist von Missverständnissen die Rede

In Stuttgart zeigt sich der Baubürgermeister Matthias Hahn wie auch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster für Container grundsätzlich aufgeschlossen. Hahn: "Wenn es gelänge, so einen ersten Schritt zu machen, um zu sagen, guck mal, was es hier gibt, dann könnte das ein Appetitanreger werden für ein neues Wohngebiet und die Nutzungsvielfalt im Neckarpark." Die Frage ist freilich, was das Experiment kosten, wer es bezahlen und wer das wirtschaftliche Risiko tragen würde.

Eigentlich sollte sich die Neckarpark-Planungsrunde am 9.Juni mit der Wirtschaftlichkeit des Projekts befassen. Doch ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Denn die Ansichten der Argon GmbH und der Wirtschaftsförderung gehen dabei inzwischen weit auseinander, von Missverständnissen ist die Rede. So will die Stadt nur das Grundstück günstig zur Verfügung stellen, die Projektanbieter haben offenbar einen Kauf der Container durch die Stadt und eine Weitervermarktung durch die Raum auf Zeit GmbH im Blick. "Die Stadt kann und will kein finanzielles Risiko übernehmen", sagt Dieter Rentschler, der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsförderung. Auch die finanzielle Beteiligung an einer Machbarkeitsstudie lehne die Stadt ab. Argon hat nun das Projekt für "eingestellt" erklärt. Er bedaure die Entwicklung, weil das Konzept eigentlich allen gefalle, sagt Rentschler. Unter anderen Vorzeichen könne man darüber nochmals reden. "Wir sind auch offen für Alternativen."




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