Das Stadtquartier „Leonberg Mitte“ nimmt Formen an. Der Baustart für das Postareal ist für das kommende Jahr geplant. Das erste Projekt liegt in den letzten Zügen: Am 24. Juni soll der Stadtpark eröffnet werden.
Elisa Wedekind
11.05.2025 - 19:48 Uhr
Wie verändert sich das Gesicht der Stadt unter dem Engelberg, was passiert zwischen Leo-Center und der Altstadt? Diese Fragen beschäftigen die Menschen hier schon seit fast 20 Jahren. Lange Zeit war viel nur Theorie, es gab teils emotionale und kontroverse Diskussionen. Nun nimmt das Großprojekt „Leonberg-Mitte“ Formen an.
Dass Stadtentwicklung die Menschen interessiert, damit hatte der Leonberger Baubürgermeister Klaus Brenner zwar gerechnet, als er zum Stadtrundgang eingeladen hatte. Die 60 Infobroschüren sind schnell vergriffen. Dass an die 100 Interessierte am Samstag vor dem neuen Gebäude der Kreissparkasse an der Sonnenkreuzung auf ihn warten, überrascht Brenner aber dann doch.
Über den imposanten Sparkassen-Neubau, der vor wenigen Tagen in kleiner Runde eingeweiht wurde, verliert er nur wenige Worte. Sein Fokus liegt auf der sogenannten Zwischenstadt, dem Stadtquartier „Leonberg Mitte“: Es geht ums Postareal, den Brückenschlag und den Stadtgarten.
Von der Grabenstraße aus hat man einen direkten Blick auf das Postareal. Hier soll der Brückenschlag starten. Foto: Simon Granville
Auf dem Weg in Richtung Innenstadt eröffnet sich von der Grabenstraße aus ein gigantischer Blick: freie Sicht auf die große Brache und das Layher-Areal, im Hintergrund das Amberhotel und die Hochhäuser in der Neuköllner Straße. Am Hirschbrunnenplatz, der bereits umgestaltet und mit Blumenrabatten und Bäumen aufgewertet worden ist, macht Klaus Brenner Halt. Es sei wichtig, dass man bei allen Planungen auch an den öffentlichen Raum denke. „Wir können nicht nur den Verkehr im Blick haben und schöne Gebäude bauen“, sagt er und spielt etwa auf das neue Rathaus oder den KSK-Komplex an. Grünflächen, etwa wie entlang der viel befahrenen Grabenstraße, seien ebenso wichtig. „Wir haben eben nur zwei Eingänge in die Stadt. Und die müssen wir gut behandeln.“
Dazu gehöre auch, die Gebäude, in denen einst eine Immobilienfirma und eine Spielothek untergebracht waren, abzureißen. Das Haus an der Bahnhofstraße, wo sich früher die ehemalige Stadtapotheke befand, ist bereits weg, ein neues Gebäude, möglicherweise mit einem Café oder einer Bäckerei unten drin, ist schon geplant.
Genau hier soll er beginnen, der Brückenschlag, der die Innenstadt mit der Altstadt verbinden soll. Entstehen soll eine sechs Meter breite Brücke für Radfahrer und Fußgänger, die die Stadt selbst bezahlen will, weshalb sie Herrin des Verfahrens ist. Die Gesamtkosten liegen bei rund drei Millionen Euro, dank eines Landeszuschusses blieben an der Stadt rund 600 000 Euro hängen. Brenner drückt aufs Tempo, im kommenden Jahr soll geplant, im Folgejahr gebaut werden. Die Planung hat das Unternehmen Schlaich, Bergermann und Partner (sbp) übernommen. „Der erste Entwurf sieht eine Mischung aus Stahlbeton und Holz vor.“
Wann denn der Bau des Postareals mit hundert Wohnungen, Geschäften, Gastronomie, Praxen und Büros beginnen soll, will jemand wissen. Der Projektentwickler Strabag Real Estate plane, im Laufe 2026 zu starten. Das Ganze habe sich verzögert, weil unter einer zweiten Bodenplatte Asbest gefunden wurde, antwortet Brenner.
Es geht weiter in den Stadtgarten, die grüne Lunge zwischen dem Layher-Areal und der Bahnhofstraße, Brenners Herzensprojekt. Am 24. Juni, nach einem guten Jahr Bauzeit, soll er eröffnet werden.
Es gibt schon einiges zu sehen. Für rund 2,5 Millionen Euro ist hier in Hanglage ein Treffpunkt „für alle Altersgruppen“ entstanden mit Kinderspielplatz und Boulderwand, im unteren Bereich gibt es Outdoor-Fitnessgeräte, eine Boulebahn und viele Sitzmöglichkeiten.
Aufgrund der Topografie sei nicht der gesamte Stadtgarten barrierefrei, aber im unteren Bereich von der Lindenstraße/Ecke Bahnhofstraße her sei ein entsprechender Zugang möglich, erklärt Andreas Schenk von der zuständigen Planungsgesellschaft BHMP. Der Landschaftsarchitekt ist durchaus stolz auf den neuen Stadtgarten: „Das ist mehr als nur eine Parkanlage, es ist eine grüne Insel im Stadtkern.“ Ein wichtiger Punkt auch für Klaus Brenner: „Ich bin durchaus für Nachverdichtung in der Innenstadt“, sagt der Baubürgermeister. „Aber wir müssen das Grün in der Stadt erhalten.“ Daher sei auch die alte Buche an der Bahnhofstraße erhalten geblieben. Später werde man im Postareal im Café sitzen und auf den Park schauen können.
Bei den Planungen des Stadtgartens wurden auch Starkregen und Hitze berücksichtigt. Es gibt eine Zisterne, die das Regenwasser aus dem künftigen Postareal sammelt. Für eine intelligente Bewässerung inklusive einer automatischen Wetterdatenkoppelung können 300 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Bei starkem Regen oder Unwettern könne man das Wasser ableiten, erklärt Landschaftsarchitekt Schenk. Eine Senke diene zudem als Überflutungsfläche. Geplant ist auch ein Trinkwasserbrunnen, der in den nächsten Wochen noch angeschlossen werden soll. Klaus Brenner wagt einen Blick in die Zukunft, wenn alles grün ist: „Das wird ein toller Start in den Sommer 2026.“
Es gibt keine öffentliche Toilette
Es ist mittags um 12 Uhr, die Sonne steht hoch über dem Stadtgarten. Wie heiß es hier im Sommer werden kann, lässt sich an diesem Maitag schon erahnen. Das ruft auch kritische Nachfragen auf den Plan. „Kommt über die Spielgeräte noch Sonnenschutz? Die Kinder können ja nicht in der prallen Sonne spielen“, fragt eine Dame. Da müsse er sich erkundigen, sagt Brenner. „Da hat wohl jemand geplant, der keine Kinder hat“, raunt ein Besucher. Auch Handläufe oder Mülltonnen sind nirgends zu sehen. „Wir sind ja noch nicht fertig“, lautet die Antwort.
Und noch etwas stößt dem einen oder anderen Besucher sauer auf: im Stadtgarten wird es keine öffentliche Toilette geben. „Da können Sie ja hoch in die Altstadt gehen“, entgegnet Klaus Brenner. „Und wie sollen die alten Menschen da hoch kommen?“, flüstert eine Dame. Eine Mutter bittet den Leonberger Baubürgermeister, mit Blick auf die Kinder und die Unfallgefahr unbedingt den Verkehr in der Bahnhofstraße sowie eine Drosselung auf Tempo 30 im Blick zu haben.
Es gibt noch viel zu tun, bis das Quartier „Leonberg-Mitte“ fertig ist, von optimistischen fünf bis sechs Jahren ist in der Stadt die Rede. Mit dem Stadtgarten ist nun ein erster Schritt getan.