Stadtspaziergang Die Macht der Daten und Fakten

Thomas Schwarz (links) mit den Teilnehmern des Stadtspaziergangs.Foto:Lichtgut/Verena Ecker Foto:  
Thomas Schwarz (links) mit den Teilnehmern des Stadtspaziergangs. Foto:Lichtgut/Verena Ecker

Beim 88. Stadtspaziergang der Geißstraße und Stuttgarter Zeitung hat Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts der Stadt, Stuttgart im Licht der Zahlen analysiert.

Stuttgart - Manchmal passt die Zahl zum Anlass. Zum 88. Mal luden die Stiftung Geißstraße und die Stuttgarter Zeitung zum Stadtspaziergang. Motto: „Mein Stuttgart in Zahlen“. Doch ein Tauchgang in die Welt der Zahlen und Tabellen muss nicht trocken sein. Das verdeutlichte Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart, gleich zu Beginn des Spaziergangs den rund 40 Interessierten, die sich um den Hans-im-Glück-Brunnen vor der Stiftung Geißstraße eingefunden hatten.

88 sei zwar eine Schnapszahl, und die Landeshauptstadt habe einen Imagewandel zur Partystadt durchgemacht, was junge Menschen anzöge. Aber traditionell sei Stuttgart eine Weinstadt, noch heute. Wenn man nicht die absolute Größe der Anbaufläche betrachte, sogar die größte deutsche Stadt mit nennenswertem Weinanbau und eigenem Weingut. „Weinbau hat eine 1000-jährige Geschichte. Einst gab es unzählige Weinstuben, heute sind sie an zwei Händen abzuzählen.“ 1400 Gaststätten habe Stuttgart aktuell, mit Diskotheken und anderen Etablissements seien es sicher mehr, wohl mehr als 3000.

Aber es gebe viel mehr Themen für die 45 Mitarbeiter in seinem „Querschnittsamt“, etwa Wahlen auszurichten und Bürger zu informieren. „Wir sind für alle da“, so Schwarz. „Wenn jemand eine Praxis aufmachen will, kann er bei uns erfahren, wie es um die Konkurrenz bestellt ist.“ Wichtig sei Transparenz, jeder müsse in einer Demokratie Zugang zu statistischen Erhebungen haben, keinesfalls nur eine exklusive Gruppe von Menschen, die darauf basierend ihre geschäftlichen Entscheidungen fällten.

Mittlerweile lieferten Investoren dem Gemeinderat Fakten und eigene Interpretationen für ihre Projekte, ergänzte Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin Mitte. Die Stadt müsste diese selbst ab- und hinterfragen, um zu sehen, was für ein Gemeinwesen gut sei. Als Beispiel nannte sie das Designhotel, das statt Osiander in der Nadlerstraße entsteht. Der Ableger der ältesten Buchhandlung Baden-Württembergs zieht dafür im einstigen Haufler am Markt ein. Leider, so Schwarz. Mit Einkaufszentren und Internethandel stürben mehr inhabergeführte Einzelhändler. „Investoren holen Daten bei uns“, so Schwarz. „Aber wir gehen auch proaktiv vor und liefern selbst an den Gemeinderat Fakten und Themen, die wichtig für die Stadtplanung sind.“

Schwarz hat sich auch mit Stuttgart als traditioneller Verlagsstadt beschäftigt

Schwarz hat sich auch mit Stuttgart als traditioneller Verlagsstadt beschäftigt. In der Nadlerstraße mit Blick auf Osiander berichtete er, dass seit 2004 die Zahl der Buchhandlungen von 84 auf 62 gesunken sei, die der Verlage von 142 im Jahr 1990 auf derzeit 85. Weil auch andere Städte Verlage verloren hätten, sei Stuttgart dennoch von Platz vier auf Platz drei nach Berlin und München vorgerückt.

In Sachen Tourismus habe es sich enorm gesteigert, der Städtetourismus boome, zum Nachteil von Gebieten wie dem Schwarzwald. Gab es in den 80ern und 90ern konstant 1,3 Millionen Übernachtungen, sind es nun fast 3,7 Millionen und knapp zwei Millionen Gäste pro Jahr. 31 Prozent davon kämen aus dem Ausland, vor allem den USA – in Stuttgart sitzen zwei der US-Oberkommandos –, der Schweiz, Großbritannien und China. „Das hat auch mit der Verkehrsverbindung zu tun, seit 2015 gibt es mehr Direktflüge nach Großbritannien.“ Mehr Tourismus bedeute aber auch mehr Menschen und Verkehr – ein brisantes Thema für Stuttgart.

„In unseren zweijährigen Bürgerumfragen wird nach zu hohen Mieten an zweiter Stelle zu viel Straßenverkehr, an vierter zu wenig Parkmöglichkeiten genannt“, so Schwarz. Die Stadt versuche dies mit Parkraummanagement und Carsharing zu lösen. „All das zeigt, was Daten und Fakten bedeuten“, betonte Michael Kienzle vom Vorstand der Stiftung Geißstraße zum Schluss im Rathaus: „Macht.“




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