Spaziergang durch Köngen Feines Gespür für den Denkmalschutz
Der Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Hans Weil blickt beim Spaziergang auf viele Projekte zurück.
Der Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Hans Weil blickt beim Spaziergang auf viele Projekte zurück.
Köngen - Am Köngener Ortsrand geht Alt-Bürgermeister Hans Weil am liebsten spazieren. An der Klingenstraße fällt sein Blick auf das Kinderhaus Regenbogen, auf das Seniorenzentrum Haus Ehmann und auf das Schloss: „Wo hat man schon drei so besondere Projekte für Generationen gleichzeitig im Blick?“ Da gerät der beliebte Schultes, der 32 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde lenkte, ins Schwärmen. Alle drei Projekte hat er mit seinen Gemeinderäten möglich gemacht – und auf jedes von ihnen ist er gleich stolz.
Im landwirtschaftlich geprägten Köngen ist Weil gerne zu Fuß unterwegs. Doch es zieht ihn nicht nur in die Natur. Beim Rundgang durch die Ortsmitte fällt der Blick sofort auf die historischen Gebäude. Und auch da ist Weils hoher kommunalpolitischer Anspruch zu spüren. Als der heutige Ehrenbürger der Gemeinde 1982 vom baden-württembergischen Innenministerium nach Köngen kam, stoppte er den geplanten Abriss der historischen Zehntscheuer. Das Gebäude aus dem Jahr 1722 war marode, in dem zerstörten Gemäuer nisteten Vögel. Mit seiner Erfahrung aus der Landespolitik habe er es geschafft, die Restaurierung über Fördermittel möglich zu machen. „Das war ein Kraftakt“, sagt Weil, der Herausforderungen wie diese schon immer liebte. Dankbar blickt er auch heute noch auf seine „gute, manchmal auch kontroverse“ Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat zurück. Heftige Debatten habe es immer wieder gegeben. Aber da kam Weil seine klare Haltung ebenso zugute wie die Fähigkeit zu überzeugen.
Das wunderschön renovierte Gebäude erfüllen heute die Bücherei und die Begegnungsstätte mit Leben. In dem besonderen Ambiente finden auch immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt. Wenn der kulturaffine Köngener mit seiner Frau Karin nicht auf Reisen ist, nimmt das Ehepaar gerne daran teil. Durch seine Tätigkeit für die Ehmann-Stiftung im schweizerischen Savognin ist er viel unterwegs. Auch als Leiter des Fördervereins Freilichtmuseum Beuren ist er sehr eingespannt.
Wenn er im Hof der Zehntscheuer unterwegs ist, findet der viel beschäftigte 72-Jährige Ruhe. Der Blick auf das Fachwerkgemäuer, das er für die Gemeinde gerettet hat, macht ihn stolz. Moderne Kunst im öffentlichen Raum ist auch im Hof des denkmalgeschützten Gebäudes zu finden. Auch da ist die Handschrift des kunstsinnigen Bürgermeisters nicht zu übersehen.
Nur ein paar Schritte entfernt ist das Köngener Schloss des Adelsgeschlechts Thumb von Neuburg. Viel Überzeugungsarbeit hat Hans Weil auch dieses Projekt gekostet. Dass es nicht nur hervorragend geglückt ist, sondern sich auch finanzieren ließ, war wohl die größte Herausforderung in Weils kommunalpolitischer Karriere. Das völlig verfallene Gebäude zu erhalten, war nur möglich, weil der bestens vernetzte, langjährige Präsident des Rotary-Clubs Nürtingen/Kirchheim die Unternehmensberatung Staufen AG als dauerhaften Mieter für die repräsentativen Räume gewonnen hat.
Für Veranstaltungen nutzt die Gemeinde den Rittersaal mit seinen kunstvollen Malereien aus der Renaissance. Auch die Schlosskapelle darf die Gemeinde nutzen. Da veranstaltet unter anderem der Jazz-Club Schloss Köngen seine beliebten Konzerte. Auch dieses besondere Kulturangebot geht auf eine Anregung des Bürgermeisters zurück. Wenn er es einrichten kann, ist Hans Weil bis heute bei den Konzerten dabei.
Gegenüber im Schlossgarten ist das Seniorenzentrum Haus Ehmann, das heute vom diakonischen Träger „Dienste für Menschen“ geführt wird. 1995 ein eigenes Pflegeheim zu bauen, das unter kommunaler Trägerschaft stand, war ein weiterer mutiger Schritt des Visionärs. „Damals gab es auch in der Umgebung viel zu wenige Pflegeplätze“, erinnert sich Weil. Deshalb sah er da die Kommune in der Pflicht, im Zuge des demografischen Wandels Betreuungsplätze für die Seniorinnen und Senioren zu schaffen. „Heute könnten wir uns diesen Betrieb als Gemeinde nicht mehr leisten“, ist Weil bewusst. Zwar ist das Gebäude noch im Besitz der Gemeinde, aber es wird nicht mehr von der Kommune geführt. Um den Übergang an die „Dienste für Menschen“ möglichst reibungslos zu gestalten, blieb Weil auch nach seinem Ruhestand als Bürgermeister Geschäftsführer.
Am Pavillon neben dem kleinen Teich sitzen einige Seniorinnen. Die lassen sich die Sonne aufs Gesicht scheinen. Der Spagat zwischen Pflegestift und einem Haus zum Wohlfühlen war Hans Weil immer wichtig. Diese Kontinuität ist aus seiner Sicht weiter gegeben. Dass der Ausbau einer preisgekrönten Station für Menschen mit Demenz noch möglich war, freut den Verwaltungschef. Da werden die Männer und Frauen gefördert, damit sie in dem sicheren, betreuten Rahmen gut weiterleben können.
Wenn der ehemalige Bürgermeister am Rathaus der Gemeinde vorbei kommt, lächelt er. Mit seinem Nachfolger Otto Ruppaner pflegt er ein sehr gutes Verhältnis. Der kommunikative Alt-Bürgermeister ist glücklich, dass auch der neue Verwaltungschef so vieles für Köngen bewegt: „Natürlich unterstütze ich die Gemeinde da, wo ich kann.“ Über die Ehmann-Stiftung hat Weil für verschiedene Projekte namhafte Fördergelder eingetrieben – für den Neubau des Burgforums an der Burgschule ebenso wie für die Sanierung der gotischen Peter- und Paulskirche. „Rund acht Millionen Euro“ werden es insgesamt sein, überschlägt er grob im Kopf, die er für Köngen eintreiben konnte. Das verschafft der Kommune gerade in schwierigen Zeiten wie diesen einen erheblichen Spielraum.