Stadtspaziergang mit Architekten An der Hasenbergsteige gibt es noch viel Luft nach oben

Der Hasenbergturm ist um das Jahr 1900  herum erbaut worden. Ursprünglich war er 36 Meter hoch, doch die Nazis haben ihn 1943 gesprengt. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Der Hasenbergturm ist um das Jahr 1900 herum erbaut worden. Ursprünglich war er 36 Meter hoch, doch die Nazis haben ihn 1943 gesprengt. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Bei einem Stadtspaziergang und einer Gesprächsrunde im Merlin wurden Ideen und Pläne vorgestellt, wie die Reaktivierung des Hasenbergs als grüne Oase und attraktives Ausflugsziel gelingen könnte.

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S-West - An guten Vorschlägen und kreativen Plänen für den Hasenberg mangelt es nicht. Ganz im Gegenteil. Sie sprießen nur so. Eine Initiative aus Stuttgart-West um den Stuttgarter Architekten Eckhard Ernst und Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen unter der Leitung von Professorin Cornelia Bott tüfteln und arbeiten schon länger mit großer Intensität an Konzepten, Plänen und Visionen, wie die Hasenbergsteige vom Gänsepeterbrunnen bis zum Hasenbergturm ansprechender gestaltet werden kann. Bott hob die herausragende städtebauliche wie auch ökologische und stadtklimatische Rolle des Hasenbergs als „grüner Sporn“ im am dichtesten besiedelten Teil der Stadt bei dem Spaziergang mit rund 30 Teilnehmern hervor. Die Architektenkammer Baden-Württemberg mit der Hauptorganisatorin Judith Zängle-Koch von der Kammergruppe Stuttgart-West hatte zu dem abendlichen Stadtspaziergang mit dem Thema „Reaktivierung Hasenberg – Ausblick auf Ausblick“ eingeladen.

Begeisternde Pläne und triste Realität

Bezirksvorsteher Bernhard Mellert machte gleich bei der Begrüßung deutlich, ihn „begeistern die Pläne“. Und er ist nicht der einzige Fan. Denn auch in den Bezirksbeiräten Süd wie West sei die Zustimmung groß. Und das Garten-, Friedhofs- und Forstamt ist ebenfalls angetan, es habe „mehrere zehntausend Euro“ bewilligt, sagte Mellert.

Freilich zeigte der Spaziergang auch deutlich: Es liegt noch einiges im Argen dort oben. Von dem einstigen Postkarten-Image des Hasenbergs um das Jahr 1900 mit dem damals noch 36 Meter hohen Turm – im Jahr 1879 vom Verschönerungsverein erbaut – ist der jetzige Zustand des Naherholungsgebietes meilenweit entfernt: „Es gab auf dem Hasenberg drei Gartenwirtschaften mit Plätzen für ungefähr 1000 Menschen und Ausflügler, die im Sommer hochpilgerten und ihr Wochenendvergnügen hatten“, berichtet der freie Architekt Eckhard Ernst gleich zu Beginn des Rundgangs am Hasenbergturm von besseren Zeiten.

Die Pracht des Turms ist längst Geschichte. Die Nazis haben ihn 1943 gesprengt. Den fünf Meter hohen Stumpf will der Verschönerungsverein unbedingt als Mahnmal erhalten. Insgesamt wirkt der Platz rund um den Turm öde, verlassen und leer. Dabei könnten hier auf dem luftigen Plateau-Platz rund um den Miniatur-Turm im Sommer kleinere Theatervorführungen oder Platzkonzerte stattfinden.

Waldhaus im Kasernen-Stil

Auch das wenige Schritte entfernte Waldhaus führt seit Jahren ein Schattendasein. Das Gelände ist mit hohem Stacheldraht umzäunt. Das einst so beliebte Traditionslokal steht vergittert, ja fast kasernenartig, da. Die Fenster sind mit Metallläden geschützt. Der Besitzer habe ihm am Telefon den Grund dafür erklärt, sagt der Bezirksvorsteher von Stuttgart-West. Mehrfach seien Unbefugte auf das Gelände gekommen, es habe immer wieder Vandalismus und Sachbeschädigungen gegeben. Ob das Waldhaus wieder öffnet, steht derzeit wohl in den Sternen. Gastfreundschaft sieht jedenfalls anders aus: „Seit etwa zehn Jahren“, sagt Ernst, werde das Haus nun schon „hin- und hergerichtet“. Der Architekt schwärmt von alten Waldhaus-Zeiten. Er berichtet, der frühere Wirt, Dichter und Maler Günter Lemme habe das Ausflugslokal zuvor geführt. Willy Brandt, Alfred Biolek und Schauspieler Dietz-Werner Steck waren Gäste. Der in der Nähe wohnende Künstler Otto Herbert Hajek kam regelmäßig und brachte so manchen Promi ins Waldhaus mit. Und oft habe auch der Fernsehturm-Erbauer Fritz Leonhardt im Café vorbeigeschaut – als stiller Genießer des Ausblicks aufs eigene Werk: „Nirgendwo“, behauptete Leonhardt, „sieht mein Turm schöner aus als hier vom Hasenberg aus“.

Ideen zur Rettung des Hajek-Erbes

Weiter geht es zu dem Plateau, wo früher das Jägerhaus stand. Der Ort könnte mehr Licht und Ausblick vertragen, vieles wuchert langsam zu. „Hier gehört mal ausgelichtet, damit man den Panoramablick genießen kann“, sagt ein Teilnehmer bei der Führung. Egal ob Aussichtsturm, Waldhaus oder Hajek-Villa – es verelendet einiges am Hasenberg. Immerhin: Urban Hajek, der Sohn des 2005 verstorbenen Bildhauers Otto Herbert Hajek, hat die tonnenschweren Kunstwerke im Park kürzlich streichen und restaurieren lassen: „Einzelne Skulpturen präsentieren sich jetzt besser als zuvor“, findet Ernst.

Nichtsdestotrotz sieht er das Hajek-Erbe in Gefahr. Denn die Villa verfällt zusehends: „Unser Vorschlag ist, dass das Haus in städtischen Besitz gebracht wird“, sagt Ernst. Unter der Regie der Stadt könnte das Hajek-Haus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Denkbar wäre ein kleines Hajek-Museum in der Villa einzurichten. Ein Aussichtscafé mit Blick über die Stadt hätte im Gebäude Platz und auch die Einrichtung einer Kunstförderung für vier oder fünf Stipendiaten wäre vorstellbar: „Wir denken da an das Modell der Villa Massimo in Rom.“

Pläne aus prämierter Abschlussarbeit

Die groben Pläne dafür hat Jonathan Hering in einer bereits prämierten Abschlussarbeit an der Universität Stuttgart entwickelt. Teile seiner Masterarbeit stellt er anschließend im Kulturzentrum Merlin vor. Dort wurden dann auch die Pläne der Studentinnen und Studenten der Uni Nürtingen ausführlich diskutiert. „Die Mobilität müssen wir gleich mitdenken“, sagt Bott. Eine Stadtseilbahn vom Kesselrand zum Hasenberg schlagen die Studierenden vor. Und der Bau eines kleinen Skywalks auf Stelzen, um die Natur besser zu erleben. „Das sind sensationell gute Ideen, auch weil sie so groß gedacht sind“, sagt Grünen-Stadträtin Gabriele Munk.

Der planerische Blick von Cornelia Bott reicht weit über den Hasenberg hinaus – bis zum Birkenkopf, dem Botnanger Sattel und Killesberg. Aus dem für Stuttgart typischen „Grünen U“ hat sie mit ihren Landschaftsarchitektur-Studenten ein „Grünes O“ entwickelt. So könnte aus der von Hans Luz konzipierten hufeisenförmigen Parklandschaft von der Stadtmitte über Schlossgarten, Rosensteinpark, Wartberggelände bis hinauf zum Höhenpark ein grünes Oval werden.




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