Zwischen 25 und 30 Mädchen im Alter zwischen sieben und elf Jahren besuchen jeden Dienstag das Jungschartreffen des CVJM im Gemeindezentrum im Hainbachtal.

Großer Auftrieb am Dienstagabend. Mädchen springen behände den steilen Anstieg zum Gemeindezentrum in der Alten Talstraße in Esslingen-Wäldenbronn hoch, fröhlicher Begrüßungslärm vor dem Gebäude: Die Jungschar der evangelischen Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz ist eine reine Mädchenschar – und die bringt ganz schön Schwung ins Gemeindezentrum.

 

Ein schriller Pfiff ertönt, die Mädchen kommen zusammen und scharen sich um ihre ehrenamtlichen Betreuerinnen. Franziska Diehl, Claudia Kiefer und Melanie Kleiber verteilen die Namensschildchen, die sich die Kids ans T-Shirt pinnen. An diesem Nachmittag ist das Bauen von Booten angesagt. Claudia Kiefer hat einen ganzen Korb mit Materialien, die zum Bootsbau benötigt werden, vorbereitet. Holz, Baumscheiben, Korken Papier, Moosgummi, Schmirgelpapier, Segeltuch…

Finger schnellen in die Höhe, Fragen werden gestellt: Kann man auch ein Boot zu zweit bauen? Kann ich den Handbohrer haben? Darf ich das Segel bemalen? Langsam verteilen sich die Mädchen an die verschiedenen Werkbänke. Eine befindet sich im Gebäude, weitere draußen im Hof. Nun wird geschmirgelt, geklebt, gesägt, Löcher gebohrt. Einige der Mädchen sind fix und geschickt, andere wiederum benötigen etwas mehr Zeit und Hilfestellung. Claudia Kiefer muss mehr als einmal mit dem Handbohrer nachhelfen, damit ein Segel stabil gesetzt werden kann.

Werbung über Mundpropaganda

Die Wäldenbronner Jungschar, die komplett aus Mädchen besteht, fällt aus dem üblichen Rahmen. Oft sind auch Jungen in den Jungschargruppen, aber laut den Ehrenamtlichen nicht in dieser Teilnehmerzahl. Die Wäldenbronner Mädchen kommen etwa drei bis vier Jahre lang zu den Treffs, bis sie rauswachsen. In jedem Jahr kommen neue dazu. „Das geht ohne dass wir viel Werbung dafür machen“, erklärt Claudia Kiefer. „Da geht das meiste über Mundpropaganda, schließlich gehen die meisten in die gleiche Grundschule.“ Oft werde das Thema Jungschar auch in den Familien sozusagen „vererbt“. Ein Mädchen berichtet stolz, der Papa sei schon zur Jungschar gegangen und die Tante auch.

Muslimische Mädchen sind keine dabei. Das sei ein Zufall, erklärt Franziska Diehl, denn die CVJM-Treffen sind konfessionsunabhängig. Das Programm wird von Ferien zu Ferien von den vier Ehrenamtlichen festgelegt. „Wir achten darauf, dass wir in den Angeboten zwischen ruhigeren und bewegungsintensiveren Angeboten abwechseln“, sagt Franziska Diehl. Dabei scheuen sie keine Mühen: Im vergangenen Sommer haben sie den Innenhof an einem Dienstag mit mehreren Tonnen Sand in einen Beachclub verwandelt.

Mittlerweile wachsen die ersten Bootsentwürfe heran. Da sind einige Herausforderungen zu bewältigen: Die Korken, die die Baumscheiben schwimmen lassen, sind nicht immer gleich groß. Und sie müssen angeklebt werden: „Puh, wie der Holzleim stinkt“, beschweren sich Marie und Alma.Da muss auch Claudia Kiefer gucken, ob das nochnormal ist. Wer es einfacher haben will, flitzt zu Franziska Diehl, die den Heißkleber bedient.

Stolz werden die ersten Entwürfe präsentiert. Dabei zeigen die Bootsbauerinnen individuelle Vorlieben und Kreativität. Die Boote sind rund oder eckig, groß oder kompakt. Viel Sorgfalt verwenden die Mädels auf das Segel. Emily hat sich für ein grünes Segel entschieden, Julia und Chloé haben weiße und türkisfarbene Segel gesetzt. Auf Chloés Boot prangt ein C für ihren Namen, außerdem hat sie das „Deck“ mit zwei Relax-Sesseln ausgestattet. Auf Lenes rotem Segel prangt das Piratensymbol mit dem Totenkopf. Langsam neigt sich die Bastelzeit dem Ende entgegen: „Wer schon fertig ist, der hilft beim Aufräumen“, gibt Franziska Diehl vor. Die Boote werden in der „Werft“ abgestellt, am folgenden Dienstag sollen sie im Hainbach ihre Wassertauglichkeit beweisen.

Ehrenamtliche sind gefragt

Ausklang beim gemeinsamen Singen

Der Ausklang findet im Saal des Gemeindezentrums statt – zum Runterkommen, wie Franziska Diehl erklärt. Sie verteilt Liederbücher und singt zur Gitarre christliche Songs, die meisten Mädchen kennen die Lieder und singen mit. Moritz Kreutz, ein hauptamtlicher Mitarbeiter beim CVJM, stellt noch ein neues Projekt vor: In Zukunft können die Mädchen eine Dreiviertelstunde früher kommen zum Bibel-Entdeckerclub.