Stadtteil zwischen Böblingen und Sindelfingen Flugfeld-Chef verabschiedet sich nach 19 Jahren

Der scheidende Zweckverbands-Geschäftsführer Alexander Grullini bei seinem Abschied im Sensapolis, das 2008 eröffnet wurde. Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Als Geschäftsführer des Zweckverbands Flugfeld sagt Alexander Grullini am Freitag leise Servus. Auf einer Abschiedsfeier im Sensapolis blickte er zurück auf 19 Jahre Flugfeld, davon drei als Chef. Was waren die Highlights?

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Im Sensapolis schließt sich für Alexander Grullini der Kreis. Der Indoor-Freizeitpark war tatsächlich das erste Unternehmen, das sich 2008 auf dem damals noch kaum bebauten Flugfeld ansiedelte. Grullini war schon für den Zweckverband Flugfeld tätig, allerdings noch nicht in der Position des Geschäftsführers. In dieser hatte er am 31. Januar seinen letzten Arbeitstag, an diesem Freitag lud er zur feierlichen Verabschiedung. „Ich habe mich an meinem letzten Arbeitstag an meinen ersten zurück erinnert“, sagte er am Rednerpult. „Und mein Bauchgefühl von damals hat mich nicht getäuscht.“ Der heute 52-Jährige hat das Flugfeld von Anfang an begleitet.

 

Vor 19 Jahren kam er als kaufmännischer Leiter an Bord. Damals, im Januar 2004, als das ehemalige Flughafengelände gerade in das eleganter klingende Flugfeld umbenannt wurde. Grullini: „Bei der Geburt war ich noch nicht dabei, aber bei der Taufe.“ Damals war diese gigantische Konversionsfläche zwischen den beiden Städten noch eine Brache. Im Untergrund schlummerten noch tausende Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Grund: Das Gelände des ehemaligen Landesflughafens war im Krieg ein Fliegerhorst und daher Ziel alliierter Angriffe.

Nachdem 800 000 Kubikmeter Erde bewegt und 11 000 Tonnen Abfälle beseitigt wurden, konnte es auf dem neu gegründeten Stadtteil losgehen mit der Ansiedlung von Wohnungen und Gewerbe. Grullini erhielt zwischen 2009 und 2015 auch Prokura für den Zweckverband, ehe er 2019 zum Geschäftsführer bestellt wurde in der Nachfolge von Peter Brenner. Damit rückte die langjährige Nummer zwei in die erste Reihe. „Die Meilensteine in dieser Zeit aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen“, sagt Grullini rückblickend. „Die 19 Jahre sind für mich wie eine Schatzkiste, die ich mitnehmen und immer wieder darauf zurückgreifen werde“, sagte der Familienvater.

Grullini will erst mal eine Pause einlegen

Wohin ihn sein weiterer Weg führen wird, ließ der gebürtige Tauberbischofsheimer nicht durchblicken. Nur so viel: „Nach einer kleinen Pause werde ich wieder durchstarten.“ Er dankte allen Wegbegleitern, insbesondere seinem Team vom Zweckverband und seiner Frau, die mit Sohnemann Leandro ebenfalls zum Publikum gehörte. Warme Worte kamen auch von den beiden Oberbürgermeistern, die sich beim Vorsitz im Zweckverband abwechseln. Der Böblinger OB Stefan Belz lobte Grullinis klare und präzise Art, seine transparente Kommunikation und die langjährige Begleitung des florierenden Stadtteils: „Wir werden Sie vermissen.“

Vom Sindelfinger OB Bernd Vöhringer kam die Anerkennung dafür, dass es Grullini gelungen sei, das Flugfeld als verbindendes Element zwischen den beiden Städten zu etablieren, „ohne dass es eine neue Mitte werden sollte.“ Ob Vöhringer es mit seiner Forderung ernst meinte, den 900 Meter langen See in der Mitte des Stadtteils einst zum Schwimmen freizugeben, musste am Freitag offen bleiben. Was die Laudatoren nicht ansprachen, war ein Projekt, dessen Vollendung Grullini nicht mehr begleiten wird: die Bebauung der Uferpromenade entlang des Sees durch die Böblinger Baugesellschaft mit Gastronomiemeile und Wohnungen.

Zähe Abstimmungen zur Uferbebauung

Das Großprojekt zog sich erst lange hin und liegt seit dem vergangenen Sommer auf Eis. Einerseits wegen rasant gestiegener Zinsen und Baukosten, andererseits gestaltete sich die Abstimmung zwischen den beiden Verbandsstädten und dem Zweckverband wohl sehr zäh, hieß es im Sommer. Diese beiden Baufelder am Seeufer harren noch ihrer Bespielung, ansonsten sind die Flugfeld-Grundstücke weitgehend vermarktet.

Das sei auch Grullinis Verdienst, betonte der Sindelfinger OB: „Sie waren immer als tragende Säule dabei.“ Tatsächlich ist das Flugfeld eines der größten Konversionsareale Süddeutschlands, das derzeit in die Höhe wachsende Klinikum das größte Krankenhausprojekt des Landes. Und die Verwandlung der ehemaligen Flughafengebäudes in die Motorworld von Investor Andreas Dünkel geschah auch nicht ohne Grullinis Zutun.

Sein Nachfolger Klaus Betz steht bereits seit dem Neujahrstag in den Startlöchern. Der 57-Jährige Immobilienfachmann aus Tamm wechselt von der W&W-Gruppe aus Stuttgart. Dort war er für die Kapitalanlage in Immobilien zuständig.

Meilensteine aufd em Flugfeld

Gegründet
 wurde der Zweckverband Ehemaliges Flughafengelände im Mai 2002 und zwei Jahre später umbenannt in Zweckverband Flugfeld, als der neue Stadtteil diesen Namen erhielt.

Ab 2006
begann die Vermarktung der Flächen für den Wohnungsbau und an gewerbliche Käufer. Die ersten Ansiedlungen waren Sensapolis und Plana Küchenland.

Die ersten Bewohner
 bezogen 2009 ihre Wohnungen – schon damals mit Internet per Glasfaser. Heute zählt der Stadtteil rund 5000 Einwohner, zuletzt wurde der Bau einer Grundschule bekannt gegeben.

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