Ein blitzblanker Tesla vor einer Villa auf der Halbhöhe. Ein E-SUV in der Garage des Einfamilienhauses mit großzügigem Garten am Stadtrand: Wer an E-Autos in Stuttgart denkt, hat schnell bestimmte Bilder im Kopf. Sind Stromer nur etwas für Reiche? Dieser Beitrag zeigt es.
Tatsächlich sind in der Landeshauptstadt Elektroautos vor allem in Wohngegenden am Kesselrand relativ stark vertreten. Allerdings beträgt ihr Anteil am gesamten Autobestand nirgendwo mehr als fünf Prozent. Knapp darunter liegt der Stromeranteil an der Lenzhalde zwischen Kräherwald und Killesberg – das bedeutet Platz eins im Ranking der rund 150 Stuttgarter Stadtteile.
E-Autos in der Halbhöhenlage und außerhalb des Kessels
Die Daten zu den privat zugelassenen Autos in Stuttgart hat das Daten- und Marktforschungsunternehmen infas360 unserer Redaktion für alle Stuttgarter Stadtteile zur Verfügung gestellt. Nicht alle Ergebnisse sind erwartbar: Zwar tauchen auch klassische Halbhöhen-Stadtteile im Ranking auf – nach der Lenzhalde folgen die nahe gelegenen Stadtteile Am Bismarckturm und Killesberg auf den Plätzen drei und vier, die Mönchhalde auf Platz acht. Haigst (Platz fünf), Bopser (neun) und Dobel (zehn) liegen am Südrand des Kessels.
Doch auch weiter außerhalb gelegene Viertel landen auf den vorderen Plätzen, wie das zweitplatzierte Wallgraben-West (Vaihingen), Botnang-West auf Platz sechs und Sonnenberg auf Platz sieben. Sie alle verzeichnen mehr als drei Prozent E-Auto-Anteil an den privat im Stadtteil zugelassenen Pkw. Fast alle sind klassische Wohnviertel, zum nächsten Wald ist es meist nicht weit, die Menschen wohnen häufig in frei stehenden Häusern.
Insgesamt fuhren in ganz Stuttgart zu Jahresbeginn rund 1,8 Prozent aller privaten Autos rein elektrisch – in absoluten Zahlen etwas mehr als 4000 von über 200 000 Fahrzeugen, wie das Kraftfahrtbundesamt berechnet hat. Auch wenn die Zahl der E-Autos also noch nicht besonders hoch ist, liegt Stuttgart im Großstadtvergleich bundesweit an der Spitze.
Doch innerhalb der Stadt verteilen sich die Elektroautos alles andere als gleichmäßig. „E-Autos sind tendenziell in den Stadtteilen stärker vertreten, in denen sich auch viele Haushalte mit hohem Einkommen befinden“, hält Markus Friedrich, Professor für Verkehrsplanung an der Universität Stuttgart, fest. Das muss zwar nicht heißen, dass nur Wohlhabende ein E-Auto besitzen, aber statistisch fällt beides in vielen Stuttgarter Stadtteilen zusammen. Allein im Stadtteil Lenzhalde verfügt laut einer Schätzung mehr als jeder zweite Haushalt über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 5000 Euro. Das zeigen weitere Daten von infas360, die für jeden Stadtteil schätzen, wie viele Haushalte mit niedrigem, mittlerem oder hohem Einkommen es dort gibt.
Wer kauft sich ein E-Auto?
Auf der folgenden Karte finden Sie alle ausgewerteten Stuttgarter Stadtteile – mit ihrem jeweiligen Anteil an privaten E-Autos. Ein Klick auf einen Stadtteil liefert weitere Informationen.
Für das E-Auto als Fahrzeug für Wohlhabendere sprechen auch die hohen Preise vieler Modelle. Stefan Reindl, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen, erklärt: „Wir wissen aus vielen Befragungen, dass E-Auto-Besitzer eher wohlhabend sind und dazu technikaffin, ökoaffin, oder beides.“ Für viele andere seien E-Autos bislang oft unerschwinglich gewesen. Selbst für die wenigen Kompakt- und Kleinwagenmodelle mit reinem E-Antrieb zahle man oft noch deutlich mehr als für ein vergleichbares Auto mit Verbrennermotor.
Man könnte annehmen, dass E-Autos vor allem dort verbreiteter sind, wo man sie in der Garage eines Ein- oder Zweifamilienhauses einfacher zu Hause laden kann. Laut Reindl sei das für viele E-Auto-Käufer wichtig, erst recht mit eigener Solaranlage auf dem Dach. Auf Stuttgart scheint das teilweise zuzutreffen, wenn man städtische Zahlen zum Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser hinzuzieht.
In den Stuttgarter Stadtteilen mit dem höchsten E-Auto-Anteil rund um den Killesberg oder in Botnang-West gibt es kaum große Mehrfamilienhäuser. Die Großstadt kennt allerdings auch Ausreißer: Direkt neben der City in den Stadtteilen Dobel oder Pragfriedhof ist die Stromerquote mit mehr als 3,5 Prozent ebenfalls sehr hoch, obwohl dort nur wenige Ein- und Zweifamilienhäuser stehen. Hier sind die Einkommen gemischter, doch auch Dobel gilt mit zahlreichen denkmalgeschützten Altbauten als besser betuchtes Wohnviertel.
Daten
Quelle
Die Pkw-Daten für alle Stadtteile stammen vom Datenunternehmen infas360, das dafür die Statistik des Kraftfahrtbundesamts ausgewertet hat. In unserem Ranking haben wir einige Stadtteile wie Solitude, Sternhäule oder Wasen ausgeklammert, in denen nur wenige Menschen leben.