Stadtteilsanierung in Stuttgart-Kaltental Unterwegs indie Zukunft

Von Christoph Kutzer 

Die Vorbereitungen für eine Sanierung des Stadtteils Kaltental starten. Viele Anwohner kommen zur Auftaktveranstaltung in die Thomaskirche.

Kristin Seifert (links) und Tilman Sperle von der Steg Stadtentwicklung GmbH sowie Altraud Schiller vom Stadtplanungsamt sammeln mit den Kaltentalern Ideen. Foto: Kutzer
Kristin Seifert (links) und Tilman Sperle von der Steg Stadtentwicklung GmbH sowie Altraud Schiller vom Stadtplanungsamt sammeln mit den Kaltentalern Ideen. Foto: Kutzer

Kaltental - Es war nicht einfach, am Donnerstagabend einen Sitzplatz im Gemeindesaal der Kaltentaler Thomaskirche zu ergattern. Grund für den Andrang war die Auftaktveranstaltung zu den vorbereitenden Untersuchungen für eine Sanierung des Stadtteils. Dass sich Kaltental im Wettbewerb um die Ausweisung als Sanierungsgebiet gegen Gaisburg und Untertürkheim durchgesetzt hat, war für viele Bürger überraschend gekommen. Das Interesse daran, sich in den Neugestaltungsprozess einzubringen, war erwartungsgemäß ebenso groß wie der Klärungsbedarf, was den konkreten Ablauf und die möglichen Folgen der Maßnahmen für Eigentümer und Anwohner betrifft. Entsprechend gestaltete sich der Abend als Mischung aus Aufklärung und Ideensammlung.

Bezirksvorsteher Raiko Grieb sprach dem Gros der Anwesenden aus dem Herzen, als er hervorhob, wie wichtig der Schritt zum offiziellen Beginn einer Erhebung der Sanierungsmöglichkeiten sei: „Wir müssen nicht mehr sagen, dass Kaltental schöner werden soll, wir können nun sagen, dass es schöner werden wird“, gab er sich hoffnungsvoll. Auch hob er hervor, dass die Verwaltung Vorschlägen aus der Bürgerschaft ausgesprochen offen begegne. Gleichzeitig warnte Grieb vor überhöhten Erwartungen: „Gehört werden heißt nicht in jedem Fall auch erhört werden.“ Für einen weiteren Dämpfer sorgte Altraud Schiller vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, die verkündete, der Prozess bis zum Abschluss der Maßnahmen könne sich über zehn bis 15 Jahre erstrecken. Eine Umsetzung sei frühestens ab dem Frühjahr 2018 denkbar.

Es geht um eine ganzheitliche Sanierung

Zunächst gilt es nun zu klären, wie weit Maßnahmen notwendig sind. Dann muss deren Machbarkeit nachgewiesen werden. Nicht unerheblich ist auch die Bereitschaft der Kaltentaler, sich in die Sanierung einzubringen. Zumindest in diesem Punkt scheint der Bezirk auf der sicheren Seite zu sein. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei grundlegende Probleme: Wie lassen sich der evangelische und der katholische Hügel, die durch die Böblinger Straße getrennt sind, von der Infrastruktur her besser zusammenführen? Wie können die Parkplatzprobleme behoben werden, die teils dazu führen, dass Müllabfuhr und Feuerwehr kaum durch die zugestellten Straßen kommen? Lässt sich rund um die SSB-Haltestelle Kaltental eine neue Ortsmitte etablieren?

Holger Schwabe möchte mit dem Weinhandel 444 vor Ort bleiben, klagt allerdings auch über die Parksituation. Das mag nach einem persönlichen Problem klingen, verweist aber auf ein Phänomen, das den Kaltentalern insgesamt Kopfzerbrechen bereitet: Einerseits wächst ihr Stadtteil und kann einen erfreulichen Zuwachs an Familien mit Kindern verzeichnen, andererseits bricht das Gewerbe weg. Die Nahversorgung ist nicht mehr gewährleistet.

Bei den Sanierungsmaßnahmen wird es nicht nur um die Grundstücks- und Wohnungseigentümer gehen. Hans-Dieter Meißner, Freie-Wähler-Bezirksbeirat und Vorsitzender der Bürgerinitiative Kaltental, betonte die Bedeutung der bestehenden Zukunftswerkstatt für das Quartier und hob die Bedeutung der Beteiligung aller Bürger hervor. Die ist auch seitens der Steg Stadtentwicklung GmbH erwünscht. „Wir werden im Januar eine freiwillige Befragung durchführen, die auch Mieter und Gewerbetreibende im Sanierungsgebiet betrifft“, kündigte Tilman Sperle an, der für die Entwicklungsplanung zuständig ist. Seiner Kollegin Kristin Seifert obliegt es, im Detail zu schildern, welche Maßnahmen förderungswürdig sind. Schönheitsreparaturen scheiden für eine finanzielle Unterstützung ebenso aus wie punktuelle Modernisierung. Wer seine Fenster auswechselt, darf nicht auf Bezuschussung hoffen, wenn er gleichzeitig das marode Dach unberührt lässt. „Die Maßnahmen sollen ganzheitlich sein“, sagte Seifert. Häuser, die nicht mindestens 30 Jahre alt sind, fallen ohnehin aus dem Förderprogramm heraus.

Ausgleichsbeiträge können fällig werden

Erhebliches Gemurmel löste bei den Besuchern die Information aus, dass nach der Sanierung Ausgleichsbeträge fällig werden können. Grundlage für diese mögliche Abgabe ist die Annahme, dass der Grundstückswert durch die Neuerungen im Stadtgebiet steigen wird. Bezirksvorsteher Grieb überzeugte die Anwesenden schließlich, dass es zunächst um die Feststellung der Sanierungswürdigkeit geht.

Die Veranstaltung endete mit einer Sammlung verschiedener Anmerkungen zur Situation in Kaltental und zur Zukunft. Die Tieferlegung der U-Bahn zwischen Marienplatz und Vaihinger Bahnhof wird wohl Vision bleiben. Mehr bezahlbarer Wohnraum, wie ihn Pfarrerin Mirja Küenzlen anmahnte, sollte hingegen bei entsprechender Planung machbar sein. So oder so: Kaltental hat sich auf den Weg gemacht.

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