Stadtteilspaziergang mit Winfried Hermann Heumadener hoffen auf die Hilfe des Ministers

Von Caroline Holowiecki 

Viele Anwohner haben einen Stadtteilspaziergang des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann durch Stuttgart-Heumaden genutzt, um ihre Anliegen zu äußern. Besonders eine Sache ärgert die Heumadener sehr.

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte)  besucht den Stadtteil Heumaden. Foto: Caroline Holowiecki
Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) besucht den Stadtteil Heumaden. Foto: Caroline Holowiecki

Heumaden - Den Heumadenern stinkt es. „Für uns als Anwohner ist es katastrophal, ab 7.30, 8 Uhr ist alles voll“, wettert eine Frau. Sie traue sich als Hausfrau nicht, zum Einkaufen zu fahren, weil sie danach ohne Parkplatz dastehe. Was die Frau so auf die Palme bringt, ist die Situation auf den Straßen rund um den U-Bahn-Stopp „Heumaden“. Die wenigen Parkplätze sind ab den Morgenstunden von Pendlern belegt, wer keine Lücke mehr findet, weicht aufs Wohngebiet aus oder steht in der langen Autokette die Nellinger Straße hinab. Verschlimmert hat sich die Situation, seit im Scharnhauser Park fürs Abstellen des Wagens gezahlt werden muss. Seither stehen besonders viele Autos mit ES-Kennzeichen auf den kostenlosen P+R-Plätzen und im Wohngebiet, haben die Nachbarn beobachtet, immerhin sparen sich die Fahrer dann mit der Bahn eine Zone. „Da spielen Kinder, da ist dringend was zu tun“, empört sich ein Mann.

Die Verkehrsgeplagten wünschen sich eine Lösung

Mit dem Besuch von Winfried Hermann am Mittwoch verbinden viele Heumadener Hoffnungen. Der Landesverkehrsminister spaziert unter den Augen der Öffentlichkeit durch den Bezirk – besser gesagt: durch Heumaden. Um die 40 Leute begleiten ihn auf der dreistündigen Tour, auch, um zu hören, ob und wie der Minister etwas für sie tun kann.

Vor allem die Verkehrsgeplagten erhoffen sich eine Lösung. Die sei zwar Sache der Kommunal- und nicht der Landespolitik, betont Hermann; Anregungen hat er dennoch parat. „Die Stadt muss ihr Parkraummanagement konsequent ausweiten, damit die Wohnstraßen nicht zum kostenlosen Parkplatz für Pendler werden“, betont er und verweist auf den Luftreinhalteplan. Dort ist diese Maßnahme verankert. An die Betreuungstadträtin, die Partei-Freundin Beate Schiener, richtet er die Aufforderung, das Parkraummanagement konsequent und zügig weiterzuführen. Ginge es nach Hermann, würde die Ecke sowieso ganz anders aussehen. Die Zahl der Parkplätze in der Busschleife Heumaden hält er in Relation zur Größe des Areals für einen Witz, „da muss man sich überlegen, ob man nicht gescheiter wäre, wenn man ein Parkhaus baut“. Auch eine Garage in der Schwende-Schneise scheint für ihn nicht tabu, wenngleich er mahnt, dass ein Bau in den Hang hinein weitaus teurer würde.

Viele Wünsche können nicht auf Landesebene gelöst werden

Eines ist für ihn jedoch klar: wenn ein Parkhaus, dann nur ans Anwohner-Parken gekoppelt – die Leute hören es gern. Die Situation über drastisch vergünstige Bahn-Tickets zu entzerren, wie einige es anregen, hält der Minister indes nicht für ein Allheilmittel. „Öffentlicher Verkehr kostet eine Menge Geld, und wer ihn nutzt, soll dafür zahlen“, betont er.

Grundsätzlich kommen die markigen Worte Hermanns an. Auf dem Spaziergang wächst die Traube, die ihn begleitet. Viele nehmen ihn zur Seite, stecken ihm Konzepte und Anfragen zu. Auch Ariane Müller-Ressing, die Leiterin des Arbeitskreises Flüchtlinge Heumaden-Sillenbuch, hat Wünsche – wenngleich auch die nicht auf Landesebene gelöst werden können. Die Belegung der Unterkünfte zwischen Bernstein- und Kirchheimer Straße nehme seit Kurzem das Sozialamt vor, „wir halten das für sehr unangemessen und unglücklich“, sagt die Ehrenamtliche. Oft würden Leute zusammengesteckt, die nicht zusammenpassten, daher wäre es aus ihrer Sicht geschickter, wenn die Zuteilung durch die Sozialarbeiter vor Ort vorgenommen werden könnte. Die Gemeinderätin Schiener verspricht: „Ich nehme das mit.“

Einen Brief an die Lotto-Geschäftsführerin schreiben

Mehr beitragen kann der Gast am nächsten Stopp: bei der Mobilen Jugendarbeit. Die plagt sich seit Jahren mit Finanzproblemen. Die Miete für den Neubau, in dem die Sozialarbeiter seit 2013 arbeiten, sei hoch, beim Förderverein werde durch sinkende Mitgliederzahlen und schmelzende Einnahmen das Geld knapp, erklärt Andrea Wollmann. „Wir können das Gebäude langfristig nicht halten“, sagt sie. Hermann kündigt an, der Lotto-Geschäftsführerin einen Brief zu schreiben. Die Lotterie muss jährlich Millionenbeträge ans Land abführen, ein Großteil wandert über den Wettmittelfonds in Sport, Kunst, Kultur und Soziales, über die Verteilung der Fördergelder bestimmen die Fachministerien. Und immerhin falle die Mobile Jugendarbeit mit dem Thema Suchtprävention ins Schema, sagt er.

Voll des Lobes ist der Minister schließlich am letzten Stopp seines Rundgangs: Bei der Baugemeinschaft Bern+Stein, die im Gebiet über der Straße zwei Mehrfamilienhäuser für ein gemeinschaftliches Leben baut. Hermann weiß, wovon er spricht. Er selbst war 1994 bei einem Projekt an der Weißenburgstraße im Heusteigviertel Teil einer Baugemeinschaft. Auch wenn sich dort letztlich nicht alle Ideen hätten umsetzen lassen, sagt er: „Ich halte das für absolut zukunftsfähige Konzepte. Das ist eine wunderbare Antwort auf eine Gesellschaft, die zur Anonymisierung und Vereinsamung tendiert.“

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