Stadttourismus Stuttgart Rote Busse in Stuttgart rücken wegen roter Zahlen ein

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Nach drei Jahren ist Schluss mit dem Kreisverkehr: Die Stuttgart-Tour bringt Touristen zwar zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, schreibt aber rote Zahlen. Deshalb wird das Angebot Ende Dezember eingestellt.

Wer mit der Stuttgart-Tour unterwegs sein will, muss sich beeilen: Ende des Jahres ist Schluss. Foto: Horst Rudel
Wer mit der Stuttgart-Tour unterwegs sein will, muss sich beeilen: Ende des Jahres ist Schluss. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Manchmal kommt es vor, dass Frauen ihre Männer in den Bus setzen, ihnen eine gute Fahrt wünschen und sich nach der Verabschiedung ganz entspannt den Geschäften rund um die Königstraße widmen. Markus und Andrea, ein Paar aus Fredenbeck bei Hamburg, sind dagegen die konventionellen Mitfahrer: Die beiden machen auf ihrer Deutschlandreise ins Allgäu Station in Stuttgart und wollen auf diese Weise die Stadt kennenlernen.

So verschieden die Gründe für eine Fahrt mit den roten Bussen der Stuttgart-Tour auch sind: bald ist damit Schluss. Wie bereits im Juni vermeldet, wird das Angebot nach drei Jahren Ende Dezember eingestellt. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) haben seit Beginn rote Zahlen geschrieben: Mit durchschnittlich 1700 Teilnehmern im Monat ist jedes Jahr ein Defizit von etwa 200 000 Euro entstanden, wie Ramona Krauß, Leiterin der SSB-Touristikabteilung, sagt. Daher wird es die Tour in dieser Form nicht mehr geben. Was man Besuchern vom nächsten Jahr an bietet, soll in zwei Monaten verkündet werden: „Es laufen bereits Ausschreibungen, aber wir wollen noch nichts Konkretes sagen“, sagt Andrea Gerlach von Stuttgart Marketing. „Es wird aber etwas Spannendes und Ausgefallenes geben, ohne dabei das Klassische zu vernachlässigen.“ Es wird gemunkelt, dass man verstärkt auf Stadtspaziergänge setzen will.

Es gibt sogar Stammgastfahrer

Wer also das angenehm unkomplizierte „Hop on/Hop off“- System noch nutzen möchte, hat nur noch bis Jahresende Zeit. Auch als Stuttgarter kann man hier noch was dazulernen. „Ich fahre zum vierten Mal mit und jedes Mal bin ich begeistert“, sagt Dorothea Schmid aus Untertürkheim. Wer hat zum Beispiel gewusst, woher die Hauptstätter Straße ihren Namen hat? Die Straße führt zur einstigen Enthauptungsstätte auf dem Wilhelmsplatz.

Auch Klaus Rittmann ist kein Tourist. Er lebt in Böblingen und zeigt mit der Tour seinen alten Studienkollegen Stuttgart. „Wir treffen uns alle zwei Jahre“, sagt der Ingenieur, dessen Freunde über ganz Deutschland verteilt leben und nun für ein paar Tage nach Stuttgart gekommen sind. Am Mercedes-Museum steigen sie aus, später wollen sie weiterfahren und an anderen Haltestellen aussteigen.

Maultaschen auf Französisch

Außerdem im Bus sitzen zwei junge italienische Paare und vier Französinnen um die sechzig, die herzlich lachen, als sie in ihrer Sprache erklärt bekommen, was es mit Maultaschen auf sich hat: „Man nennt sie auch Herrgottsbscheißerle.“ Den vier Frauen aus Genf gefällt diese Art der Stadtrundfahrt: „Wir können selbst bestimmen, was wir anschauen wollen, und erfahren über die Kopfhörer trotzdem viel über die Sehenswürdigkeiten.“

Der Busfahrer Günther Birli schätzt, dass 60 Prozent der Mitfahrer Touristen sind, der Rest komme aus der Region. Er bedauert, dass die Tour eingestellt wird. „Wir bekommen so oft positive Rückmeldungen“, sagt Birli. Und ausgerechnet jetzt, so hat er den Eindruck, würden immer mehr und mehr Leute mitfahren.

Auch sein Kollege Bartolomeo Scardigno findet es schade, dass er wieder in den normalen SSB-Linienbusdienst wechselt. Bei der Stuttgart-Tour sind er und Birli oft mehr als reine Busfahrer: Häufig werden die beiden nach Restaurants und Geschäften gefragt – oder müssen erklären, warum der Fernsehturm zwar über den Kopfhörer angepriesen wird, aber geschlossen hat.

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