Filder - Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zutage, auch in Deutschland. Um die negativen Folgen der Erderwärmung abzumildern, wird seit einigen Jahren in der Bundesrepublik daran gearbeitet, fossile Energiequellen durch erneuerbare Energie zu ersetzen. Es geht um die Energiewende, die aus den Sektoren Strom, Verkehr und Wärme besteht.
Eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen die Stadtwerke. Allerdings ist ihr Handlungsspielraum beim Strom beschränkt. Denn: „Wir können nur Solar machen“, sagt Jan Meier. Er ist der Geschäftsführer der Stadtwerke Filderstadt. Eine Stromerzeugung aus Wasser- oder Windkraft ist auf den Fildern nicht möglich. Die Solarenergie soll, ja muss deshalb ausgebaut werden. Bereits heute werden auf städtischen Dächern Fotovoltaikanlagen aufgebaut. Doch mit der daraus gewonnenen Energie kann nur ein sehr kleiner Teil des Bedarfs an Strom in der Stadt gedeckt werden. Der Rest muss aus anderen Regionen „importiert“ werden.
Bei Verkehr und Wärme können Stadtwerke handeln
Neben der Stromerzeugung sieht Meier die Stadtwerke bei Themen wie Verkehr und Heizung in der Pflicht. „Das sind die Bereiche, wo wir vor Ort etwas tun können“, sagt er. So soll beispielsweise die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos ausgebaut werden. Zum Jahresende wollen die Stadtwerke mehr als 60 Ladepunkte anbieten.
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Beim Thema Wärme sieht Meier die Versorgung mit dezentralen Blockheizkraftwerken als einen Weg in die Zukunft. Zurzeit würden die Blockheizkraftwerke, die Wärme und Strom erzeugen, zwar noch mit Gas betrieben. „Wir brauchen das Gas noch ein paar Jahre“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Doch in Zukunft könnten die Blockheizkraftwerke vielleicht mit nachwachsendem Holz oder Wasserstoff betrieben werden. Oder sie werden durch Energiewärmepumpen ersetzt.
Sonst droht die Energiewende an Akzeptanz zu verlieren
Für die Umstellung der Energiequellen sind hohe Investitionssummen nötig. Gleichzeitig muss der Strom für die Verbraucher bezahlbar bleiben. Andernfalls droht die Energiewende an Akzeptanz zu verlieren. Ohne eine staatliche Subventionierung wird die Energiewende nicht gelingen. Davon ist Peter Friedrich überzeugt. Er ist der Geschäftsführer der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen. „Die Energiewende muss flankiert und befeuert werden, sonst ist sie für den Kunden nicht interessant“, sagt er. Selbst die Ladesäulen für Elektroautos würden derzeit noch defizitär betrieben.
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Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos soll der Umstieg zwischen den Verkehrsarten erleichtert werden. Mit dem Aufbau eines Netzes an Mobilitätspunkten in Leinfelden-Echterdingen möchten die Stadtwerke einen Beitrag zur Verringerung des Autoverkehrs leisten. Eine wichtige Rolle spielen dabei aus Sicht der Verantwortlichen die abschließbaren Fahrradboxen und Lademöglichkeiten für Pedelecs.
75 Prozent des Stroms brauchen Industrie und Gewerbe
Eigenen Strom produzieren die Stadtwerke bereits mit Fotovoltaik, über Bio-Masse und in Blockheizkraftwerken mit Gas. Allerdings decken die vor Ort produzierten Strommengen gerade einmal einen niedrigen einstelligen Prozentbereich des tatsächlichen Bedarfs in Leinfelden-Echterdingen. Rund 75 Prozent des Stroms benötigt die Industrie und das Gewerbe. Die Privathaushalte verursachen weniger als 25 Prozent des Gesamtverbrauchs.
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Die Wende bei der Stromversorgung ist allerdings aus Sicht des Geschäftsführers Friedrich bereits weit fortgeschritten. Ein Knackpunkt bei der Energiewende ist aus seiner Sicht eher die Wärmeversorgung. „Dieser Wandel ist viel zu langsam“ sagt er. Hintergrund ist, dass es noch viele Privathaushalte gibt, die funktionierende Heizungen haben, die jedoch mit fossiler Energie betrieben werden. Für die Stadtwerke sei es deshalb wichtig, Netze für die Wärmeversorgung aufzubauen und diese zu betreiben. „Die Netze sind der Kern der Geschichte. Damit können wir den Kunden die Energiewende abnehmen“, erklärt Matthias Dreja, der Technische Leiter der Stadtwerke.
Bereits vom Klimawandel betroffen
Dass die Energiewende die Stadtwerke vor große Herausforderungen stellt, das betont auch er. „Es ist keine Kleinigkeit“, sagt Dreja. Nichtsdestotrotz machen sich die Stadtwerke auf den Weg. Denn einerseits gibt es einen Teil der Kunden, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Und andererseits werden den Stadtwerken über die jeweiligen Kommunalverwaltungen Schritte zur Energiewende auferlegt.
An der Notwendigkeit des Handelns führt aus Sicht des Geschäftsführers Friedrich allerdings kein Weg vorbei. „Wir sind bereits selbst betroffen vom Klimawandel“, sagt er. Die zunehmend heißen Sommer mit langen Trockenphasen beschädigten die Wasserleitungen. Hinzu komme, dass sich die Stadtwerke auf einen steigenden Wasserverbrauch im Sommer einstellten. Gleichzeitig stellten Starkregen, wie es ihn früher nur selten gegeben hat, das Abwassersystem vor neue Herausforderungen.
Info
Kunden
Die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen versorgen rund 10 000 Abnehmer mit Strom, Gas oder Wasser. Die Stadtwerke Filderstadt wollten die Anzahl ihrer Kunden nicht öffentlich nennen.
Mitarbeiter
Hundert Menschen arbeiten für die Stadtwerke in Leinfelden-Echterdingen. Für die Stadtwerke Filderstadt arbeiten rund 40 Menschen.
Wasser
Die Stadtwerke Filderstadt unterhalten für die Versorgung des Stadtgebiets mit Trinkwasser ein Leitungsnetz von rund 220 Kilometern mit 8800 Hausanschlüssen. Jährlich liefern sie rund 2,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. In Leinfelden-Echterdingen unterhalten die Stadtwerke ein Leitungsnetz von 168 Kilometern mit 7500 Haushaltsanschlüssen. Sie liefern jährlich rund 2,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.