Stadtwerke Böblingen wollen Windräder bauen Der Win-Win-Windpark

Computergenerierte Montage der möglichen Windräder, vom Maurener Tal aus gesehen Foto: Gemeinden/Endura Kommunal

Die Böblinger Stadtwerke wollen den Windpark bauen. Klappt das, profitieren Stadt und Einwohner doppelt.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Die Nachricht kam etwas unscheinbar ans Licht der Welt. Über die Tagesordnung des Ehninger Gemeinderats in der kommenden Woche wurde bekannt, dass der interkommunale Windpark zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen nun potenzielle Träger gefunden hat, die vor Ort bestens bekannt sind: Die Stadtwerke Böblingen und Stuttgart haben sich unter den sieben Bietern für die Anlage durchgesetzt – zunächst. Denn weder ist das schon entschieden, noch ist hier ein Vertrag unterzeichnet. Die Räte in den drei Gemeinden haben jetzt lediglich zu entscheiden, ob ihre Bürgermeister mit dem Konsortium in Vertragsverhandlungen treten sollen. Nicht mehr – und nicht weniger.

 

Damit ist ein weiterer Trittstein gesetzt hin zu einem Windpark, der nicht nur ein Stückchen dazu beiträgt, das globale Klima zu entlasten. Sondern dessen erzeugter Strom auch gleich vor Ort Verwendung findet. Zumindest was die bilanzielle Verrechnung anbelangt. Sollten sich die Räder dereinst zwischen Mauren, Holzgerlingen und der Diezenhalde drehen, brächte jeder Rotorschlag Energie und damit Ertrag in die Böblinger und Stuttgarter Werke. Ist dies nicht eine annehmbare Vorstellung?

Die Abhängigkeit von überregionalen Stromversorgern sänke, dazu die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Und mit den Stadtwerken wäre ein Akteur an der Tete, der nicht nur bestens bekannt, sondern durch die Konstruktion der kommunalen Trägerschaft größtenteils in öffentlicher Hand ist. Das bedeutet: Bilanz und Geschäftsbericht gehen durch den Gemeinderat, der auch Teile des Aufsichtsrats bildet. Jeder könnte transparent sehen, wie viel Strom die Räder erzeugen, wie viel Geld damit erwirtschaftet und für was es verwendet wird. Eine Win-Win-Situation, besser: Ein Win-Win-Windpark.

Erinnerung an Fernwärme-Streit

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Böblinger – insbesondere die auf der Diezenhalde – bei ihren Stadtwerken nicht automatisch Jubelrufe ausstoßen. Zu präsent dürfte vielen noch der jahrelange Streit um unbotmäßig gestiegene Fernwärmepreise im Gedächtnis sein. Hier beharkten sich Kundenvertreter von der IG Fernwärme und die Werke nach Kräften, das Verhältnis war zwischendurch von tiefem Misstrauen geprägt. Am Ende stand ein Kompromiss mit eingefrorenen Preisen zwischen 2018 und 2023. Der führte zwar nicht zu inniger Freundschaft. Doch das Vertrauen war weitgehend wiederhergestellt.

Mögliche Ansicht der Windräder vom Böblinger Wasserturm aus Foto: Gemeinden//Endura Kommunal

Sollten die Stadtwerke letztlich zum Zug kommen, täten sie gut daran, sich den damaligen Zwist noch einmal vor Augen zu führen. Als lokaler Akteur sind sie ihren Kunden vor Ort in besonderem Maße verpflichtet. Und die erwarten zu Recht Transparenz, Vertrauen und Professionalität. Ob bei der Fernwärme oder bei der Windkraft. Bis sich die Rotoren mit Stadtwerke-Logo drehen, ist es dennoch ein weiter Weg.

Denn selbst wenn das Konsortium den Zuschlag erhält, geht die eigentliche Arbeit des Genehmigungsverfahrens ja erst los. Dann werden sämtliche Stolpersteine umgedreht und genau geprüft: Artenschutz, Flugsicherheit und dergleichen mehr. Formate der Bürgerbeteiligung soll es außerdem mehrere geben. Wer jetzt also glaubt, der Bau sei schon entschieden, irrt. Sämtliche Prüfverfahren stehen erst noch aus, Einwände können beizeiten geäußert und eingebracht werden.

Finanzielle Bürgerbeteiligung möglich

Und noch eine Chance steht schon am Horizont: Der Projektentwickler Sowitec aus Sonnenbühl plant, seine Anteile am Projekt später zu veräußern. Die Gemeinden formulieren schon jetzt die Möglichkeit einer finanziellen Bürgerbeteiligung an dem Windpark. Der Wind könnte sich also noch weiter in Richtung lokaler Akteure drehen.

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