Stadtwerke-Chef geht in Rente Alfred Kappenstein feierlich verabschiedet

Alfred Kappenstein (links) und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz Foto: Archiv/Bischof

Mit 65 Jahren geht Alfred Kappenstein als technischer Geschäftsführer der Stadtwerke in den Ruhestand. Seine sieben Jahre in Böblingen begannen in unruhiger See.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Nach sieben Jahren als technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Böblingen tritt Alfred Kappenstein zum Monatsende in den Ruhestand. Er wurde beim Sommerfest der Stadtwerke Böblingen und der Fernwärme-Transportgesellschaft feierlich verabschiedet, wie die Werke mitteilen. Der promovierte Maschinenbauer kam im Juni 2018 nach Böblingen und war seither für die technische Leitung des kommunalen Versorgungsunternehmens verantwortlich. Ein großer Streit um die Fernwärmepreise fiel ins Ende seiner Amtszeit.

 

In seiner Amtszeit prägte Kappenstein zentrale Infrastrukturprojekte und trug wesentlich zur strategischen Weiterentwicklung der Stadtwerke bei – nicht zuletzt in einem der größten Konflikte der jüngeren Stadtgeschichte: dem Streit um die Fernwärmepreise. Dieser Zwist belastete über Jahre das Verhältnis zwischen den Stadtwerken und rund 8500 Fernwärmekunden in Böblingen.

Stadtwerke-Chefs Kappenstein (rechts), Christine Tomschi (M.) und Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann (li.) nehmen ein Energienetz auf dem Rauhen Kapf in Betrieb. Foto: Stefanie Schlecht

Im Zentrum stand der Vorwurf überhöhter Preise. Das 2019 abgeschlossene Mediationsverfahren führte zu einem Kompromiss, der eine Preisreduktion von rund zehn Prozent sowie Rückzahlungen in Millionenhöhe an die Kundschaft vorsah. Die nicht einfache Rolle des Technik-Chefs zwischen den Fronten ging Kappenstein mit Besonnenheit und Sachverstand an – und trug damit maßgeblich zu einer Einigung bei.

Das betonte auch der Böblinger Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratchef Stefan Belz: „Besonders hervorheben möchte ich Ihre zentrale Rolle im Mediationsprozess zur Beilegung des Konflikts um den Fernwärmepreis 2019, bei dem Sie durch Ihre fachliche Kompetenz und persönliche Integrität maßgeblich zur Einigung beigetragen haben.“ Anerkennung dafür zollte ihm außerdem die Kundenseite der IG Fernwärme, sie nahm Kappenstein als Ehrenmitglied in ihre Reihen auf.

Kappenstein war außerdem maßgeblich daran beteiligt, künftige Netzstrategien technisch zu bewerten und auszuarbeiten. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Fernwärme-Kompromisses abzufedern, entwickelte er ein Konzept für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes – insbesondere in Quartieren mit hohem Potenzial wie der Hulb, dem Rauhen Kapf und dem Gebiet rund um das Stadion.

Zahlreiche Modernisierungen

Unter seiner technischen Leitung wurden außerdem viele Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt – darunter die Sanierung des Hallenbads, der Ausbau und die Digitalisierung der Netze sowie die Weiterentwicklung der Fernwärmeversorgung. Dabei war Kappenstein nicht nur für die Umsetzung verantwortlich, sondern auch für die technische Konzeption und die wirtschaftliche Bewertung der Projekte.

Kappenstein (links) an einem Blockheizkraftwerk. Foto: Archiv/Bischof

Gemeinsam mit der kaufmännischen Geschäftsführerin Christine Tomschi leitete er die Weichenstellungen ein, mit denen sich das Unternehmen mit der Übernahme des Gasnetzbetriebes (seit Januar 2024) und des Stromnetzbetriebs (ab Januar 2026) zum Vollstadtwerk weiterentwickelt – Meilensteine , die maßgeblich auf seine Initiative zurückgehen. Ebenso stammen viele Impulse für den Beitrag der Stadtwerke zur Energie- und Wärmewende in Böblingen aus seiner Feder.

Christine Tomschi, kaufmännische Geschäftsführerin der SWBB, würdigte dies in ihrer Ansprache: „Alfred Kappenstein und ich haben stets vertrauensvoll zusammengearbeitet. Sein Einsatz im Sinne der Kundinnen und Kunden unserer Stadtwerke und für die Energiewirtschaft auch über die Stadtgrenzen Böblingens hinaus verdient meine höchste Anerkennung und meinen großen Dank.“ Kappensteins Nachfolgerin ist Sabine Kaebert, die bereits zum 1. Juni 2025 in die Geschäftsführung der SWBB eingetreten ist.

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