Stadtwerke Ludwigsburg Mit Bodo Skaletz endet eine Ära bei dem Energieunternehmen

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Bodo Skaletz hat aus dem kleinen Ludwigsburger Gas- und Wasserbetrieb den Energiekonzern SWLB gemacht. Nach zwei Jahrzehnten an der Spitze geht der rastlose Stadtwerker in den Ruhestand.

Noch etwas ungewohnt: Der scheidende Stadtwerkechef Bodo Skaletz als Ruheständler auf dem heimischen Sofa. Foto: factum/Simon Granville
Noch etwas ungewohnt: Der scheidende Stadtwerkechef Bodo Skaletz als Ruheständler auf dem heimischen Sofa. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Die Ludwigsburger Stadtwerke ohne Bodo Skaletz, das ist eigentlich unvorstellbar. Der 65-Jährige gelernte Maschinenbauer war nicht nur 20 Jahre deren Geschäftsführer – der Ideengeber, Antreiber und Motivator war das Gesicht der Stadtwerke. In seiner Zeit ist aus einem kleinen, ausschließlich für die Gas- und Wasserversorgung zuständigen Betrieb ein ausgewachsener Energiekonzern geworden. Jetzt müssen die Ludwigsburger umlernen, denn der langjährige SWLB-Chef hört endgültig auf.

Bodo Skaletz empfängt seine Besucher zu Hause. Schon das ist ungewöhnlich, aber leicht zu erklären: Bevor der Manager Ende März ganz offiziell in Rente geht, baut er Resturlaub ab. In den meisten Jahren war er täglich zwölf bis 15 Stunden im Dienst und hat meist auch noch samstags „etwas weggearbeitet“, wie er sagt: „Für Hobbys blieb da keine Zeit.“ Und oft auch nicht für einen längeren Urlaub.

Neuerungen parallel umgesetzt

Das Thema Fernwärme hat den Energietechniker sein ganzes Berufsleben lang begleitet. „Und es war das einzige, von dem ich Herrn Spec erst überzeugen musste“, sagt Skaletz. Ansonsten hätten er und der Ex-Oberbürgermeister fast immer an einem Strang gezogen: „Er hat ja auch immer auf erneuerbare Energien gesetzt.“ Auch Spec’ Vorgänger Christof Eichert habe ihm stets freie Hand gelassen. So wurden das Fernwärmenetz ausgebaut, dazu kamen mehrere kleine Biokraftwerke sowie das große Holzheizkraftwerk. Nach langen Verhandlungen mit der EnBW haben die Stadtwerke zum Jahr 2014 auch das Stromnetz übernommen.

Eigentlich ging es immer Schlag auf Schlag, viele Neuerungen mussten parallel entwickelt werden. Als den Stadtwerken zum Beispiel die Zuständigkeit für die Straßenbeleuchtung in Ludwigsburg übertragen wurde. „Das haben wir quasi nebenher machen müssen“, scherzt Skaletz. Zur gleichen Zeit lief auch der Ausbau des 265 Kilometer langen Glasfasernetzes. In dieser Phase wurde außerdem noch die Solarthermieanlage am Römerhügel vorbereitet, die als größte in Deutschland gilt. Hatten die alten Stadtwerke Ludwigsburg (SWL) 1999 gerade mal 176 Mitarbeiter, so zählt die mit Kornwestheim fusionierte SWLB aktuell 430.

Rastloser Geschäftsführer

Da die Arbeitsbelastung stetig stieg, wollte der frühere OB Werner Spec dem SWLB-Chef schon früh einen zweiten Mann an die Seite stellen. Doch Skaletz wollte davon nichts wissen. „Wenn sich zwei die Geschäftsführung teilen, müssen die gut miteinander auskommen“, sagt er heute. Andernfalls seien sie die meiste Zeit mit Intrigen und Machtkämpfen beschäftigt. Eine Klarstellung schickt er gleich hinterher: Beim Nachfolge-Duo Christian Schneider und Johannes Rager sei das nicht zu befürchten: „Die beiden verstehen sich gut“, sagt Skaletz.

Sie habe ihren Chef eigentlich nie langsam laufen sehen, erzählt Astrid Schulte, die seit elf Jahren bei den SWLB arbeitet: „Ein Markenzeichen von Herrn Skaletz war, dass er immer gerannt ist und stets zwei Stufen auf einmal genommen hat.“ Allerdings blieb das nicht ohne Folgen: Vor drei Jahren machte das Herz Probleme, Skaletz musste sich einer Operation unterziehen. Als er von dieser Auszeit zurückkam, hatte Spec Fakten geschaffen und ihm 2018 Christian Schneider als Ko-Geschäftsführer an die Seite gestellt.

Zwar sagt Skaletz: „Ich hätte das Pensum auch nicht mehr so leisten können.“ Aber wirklich glücklich war er darüber nicht. Dazu hatte er die Stadtwerke zu lange allein gemanagt. Und er sah sich auch weiterhin gern in der Rolle des Chefs, der seine Mannschaft zu Höchstleistungen anspornt. „Ich hatte immer ein tolles Team“, sagt Skaletz, „wenn unsere Mitarbeiter nicht so hoch motiviert gewesen wären, hätten wir gar nicht schaffen können, was wir geschafft haben.“

Als Junge hatte der 1954 in Dettingen bei Heidenheim geborene Skaletz hochfliegende Pläne. „Ich wollte Pilot werden“, sagt er. Das er dann doch am Boden blieb, hatte einen einfachen Grund: „Ich habe eine Brille bekommen, damit war das dann vorbei.“ Auf die Idee, irgendetwas mit Maschinenbau und Energietechnik zu machen, kam er während eines Schulausflugs: „Wir waren mit der Klasse an die Uni nach Stuttgart gefahren.“

Skaletz wusste, dass es mit dem Studium schwierig werden könnte – seine Eltern konnten ihn nicht unterstützen. So ging er zur Bundeswehr. Als Zeitsoldat verdiente er erstmals Geld: „Das habe ich alles für das Studium gespart.“ Dieser Vorrat hat auch gerade so gereicht.

Abschiedsfeier für den Ex-Geschäftsführer

Nach dem Studium ging er zu den Stuttgarter Neckarwerken. Und, wie sollte es anders sein: Eine der ersten Aufgaben, die ihm übertragen wurden, bestand darin, ein Konzept für den Bau einer Fernwärmeleitung von Esslingen zu den Daimlerwerken in Untertürkheim zu entwickeln. Und zu bauen. Später wechselte Skaletz zu den Stadtwerken in Esslingen, wo er als Technischer Leiter unter anderem ein Blockheizkraftwerk aufbaute.

Eines seiner Lieblingsprojekte der letzten Jahre war das Solar-Heat-Grid am Römerhügel. Diese große Anlage zur Wärmegewinnung aus Sonnenenergie hätte er gerne noch als Stadtwerke-Chef in Betrieb genommen, doch dafür ist sie nicht schnell genug fertig geworden. Das Feld mit 1088 Kollektoren geht erst im Mai ans Netz. Stattdessen aber wird es Ende des Monats einen anderen offiziellen Auftritt für Bodo Skaletz geben: Am 28. Januar bereiten ihm die Stadt und die Stadtwerke ein Abschiedsfest in der Musikhalle.




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