In der Nähe des Feuerbacher Bahnhofs wird Wärme für 170 Wohnungen aus dem Abwasser gewonnen. Wenn das nicht reicht, wird Biomethan eingesetzt.

Die Abkehr von Öl und Gas tut nicht erst seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine not, sie ist auch für die Klimawende von zentraler Bedeutung. Die Landeshauptstadt und ihr Tochterunternehmen Stadtwerke Stuttgart beziehungsweise deren Energiedienste Stuttgart (EDS) setzen im neuen Quartier am Wiener Platz in Feuerbach auf eine komplett klimaneutrale Wärmeversorgung. „Alle ziehen an einem Strang, um die große Herausforderung der Energiewende vor Ort auch im Gebäudebereich voranzubringen“, unterstreicht Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Drausnigg die Aufgabe. „Um die Wärmeerzeugung kümmern wir uns in einer Heizzentrale – und zwar komplett klimaneutral“, sagt EDS-Geschäftsführer Jean-Claude Schmiedle.

Das Energiekonzept sieht vor, dass die 170 neuen Wohnungen an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden. Es entnimmt über einen Wärmetauscher dem Abwasserkanal unter der Kremser Straße am Rande des Quartiers Wärme. „Dort herrschen auch im Winter konstante Temperaturen um die zehn Grad Celsius, dieses Potenzial nutzen wir“, sagt Projektingenieurin Laura Goll. Die Abwasserwärme gelangt über eine Trägerflüssigkeit in die Heizzentrale. Dort erhöhen eine Wärmepumpe und eine KWK-Anlage (Kraft-Wärme-Kopplung) das Temperaturniveau. Für besonders kalte Wintertage gibt es einen Brennwertkessel, der mit Biomethan betrieben werden wird.

Ins Areal werden zwei Millionen investiert

Für die Wärmepumpe gibt die Stadt einen Zuschuss von 92 289,20 Euro aus dem im November 2020 aufgelegten Förderprogramm. „Wir fördern die technischen Einrichtungen für die künftige Wärmebereitstellung mit einem Zuschuss“, so Hans-Wolf Zirkwitz, Leiter des Amts für Umweltschutz. Das Programm steht allen offen. Stadtwerke und EDS investieren zusammen insgesamt rund zwei Millionen Euro in dem Areal. Was die Wärme die neuen Bewohner am Ende kosten wird, lasse sich heute nicht seriös sagen, so die Stadtwerke. Es gebe eine „dynamischen Entwicklung am Energiemarkt“.

Die KWK-Anlage erzeugt auch Strom, auf den Dächern der Neubauten kann Fotovoltaik zur weiteren Stromgewinnung installiert werden. Hier sind die Bewohner in der Wahl des Dienstleisters für den Aufbau einer Anlage laut Stadtwerken frei, die Stadtwerke bieten diesen Service und Ladeinfrastruktur für E-Autos an. Die Aufgaben bei der Energieeinsparung im Gebäudebereich sind enorm, denn rund 40 Prozent der klimarelevanten Emissionen in Deutschland entstehen genau dort.