Während die MHP Arena mit Konzerten wir hier von Nena noch gut ausgelastet ist, macht das Forum Sorgen. Foto: Simon Granville
Der Pferdemarkt 2026 wurde bereits abgesagt, doch Tourismus & Events muss wegen des Sparkurses der Stadt weiter kürzen. Unter anderem steigen die Standkosten für den Weihnachtsmarkt.
Dass der Sparkurs Ludwigsburgs direkte Auswirkungen auf das Stadtleben hat, zeigt sich besonders deutlich bei Tourismus & Events (Telb). In den vergangenen Jahren musste sich die städtische Tourismusbehörde unter anderem dazu durchringen, die Venezianische Messe und den Pferdemarkt nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. „Wir erhalten Briefe und Anrufe von Bürgern, die berichten, wie schlimm sie diese Entwicklung finden“, sagt Telb-Geschäftsführer Mario Kreh. Nun folgen weitere Maßnahmen – und die klare Botschaft: Die Tourismusbehörde ist mit ihrem Latein am Ende.
Für das kommende Jahr dreht Geschäftsführer Mario Kreh vor allem an den Schrauben der Einnahmeseite, um das Ergebnis zu verbessern. Zum einen werden die Preise für die Musikhalle und die MHP Arena für Veranstalter erhöht. Kreh erhofft sich davon langfristig Mehreinnahmen von einigen Zehntausend Euro – bei Aufwendungen von rund 15 Millionen Euro ist das nicht besonders viel. „Wir wollen die Preise für die Hallen aber auch nicht zu stark erhöhen“, erklärt Kreh. Diese stehen nämlich in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungsorten der Region. Werden die Preise zu teuer, gehen Veranstalter laut Kreh einfach woanders hin.
Zweitens werden die Kosten für Werbebanner und Tafeln im Stadtgebiet teurer. Unternehmen, die an Ludwigsburgs Einfallstraßen werben wollen, zahlen 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Nicht betroffen von den Steigerungen sind Vereine – sie zahlen weiterhin den vergleichsweise niedrigen Betrag für Banner und Tafeln.
Drittens erhöht Telb die Mieten und Gebühren für Standbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt um 10 Prozent. „Wir haben die Kosten die vergangenen Jahre nicht erhöht, gleichzeitig sind unsere Ausgaben, beispielsweise für die Sicherheit, deutlich gestiegen“, erklärt Kreh.
Ob die Standbetreiber diese Kosten an die Besucher weitergeben, ist noch unklar. Auch die Mieten für die Antikmeile werden zwischen 7 und 10 Prozent erhöht. Die Kosten für das Kinderfest und den Wochenmarkt bleiben derweil gleich.
Die vierte Maßnahme ist bereits seit Längerem bekannt, nun aber offiziell: Telb schließt Ende 2026 die Tourismusinformationsstelle im Ludwigsburg Museum (MIK). Rund 200.000 Euro lassen sich damit pro Jahr einsparen. Da die Mitarbeiterinnen ohnehin in Rente verabschiedet würden, gelinge dieser Schritt sozial verträglich, sagt Kreh.
Werden die Preise auf dem Weihnachtsmarkt durch die Mieterhöhung für Standbetreiber teurer? Foto: Simon Granville
Telb weiß nicht mehr weiter
Für Tourismus & Events wird es bereits seit Jahren schwieriger, den Aufgaben als Hallenbetreiber sowie als Veranstalter gerecht zu werden. Telb erhält einen jährlichen Zuschuss der Stadt, der seit Jahren unverändert bei acht Millionen Euro liegt. Hinzu kommen Einnahmen von rund sieben Millionen Euro durch den Weihnachtsmarkt sowie Vermietungen des Forums, der MHP Arena und der Musikhalle. Aktuell geht Mario Kreh von einem ausgeglichenen Ergebnis für das Jahr 2025 aus.
Gleichzeitig wirkt Kreh zunehmend besorgt mit Blick in die Zukunft. Die Sparmaßnahmen seien ausgeschöpft, gleichzeitig könnte sich die Einnahmeseite verschlechtern. Beispielsweise leide das lukrative Geschäft mit Kongressen im Forum – Hintergrund sei die wirtschaftliche Lage, so Kreh. „Ich weiß nicht, wo wir noch ansetzen können.“ Zudem steht für die kommenden Jahre eine umfangreiche Sanierung des Forums an, was die Mieteinnahmen zusätzlich drücken wird.
Der Sparkurs der Stadt könnte Tourismus & Events in den kommenden Jahren weiter in die Enge treiben und die Verantwortlichen zu weiteren, unangenehmen Entscheidungen zwingen. Es scheint auf die Frage hinauszulaufen: Bekommt Telb einen höheren Zuschuss von der Stadt – oder wird es richtig schmerzhaft? Veranstaltungen könnten komplett verschwinden, im schlimmsten Fall könnte eine der Veranstaltungshallen verkauft werden.