Städtebau Hedelfingen Wohnturm auf Nill-Areal

Investor Dibag schlägt einen Wohnturm und ein Pflegestift auf dem Areal der einstigen Autoverwertung Nill in Hedelfingen vor. Foto: Mathias Kuhn

Stadtplaner und der Investor wollen die brachliegende Fläche der Autoverwertung Nill in Hedelfingen entwickeln: Wohnungen – eventuell ein Hochturm – und ein Pflegeheim sind geplant.

Fast ein wenig aufreizend stand zu Beginn der Bezirksbeiratssitzung ein Modell am Eingang, das zeigt, wie sich die Investoren die künftige Nutzung auf dem Nill-Areal vorstellen: mit einem Pflegestift und einem 14-geschossigen Wohnturm.

 

Option für Turnhalle „gestorben“

Die Münchner Immobilienbaugesellschaft Dibag hatte vor einigen Jahren das lang gestreckte Grundstück des traditionsreichen Autoverwertungsunternehmens Nill an der Hedelfinger Straße erworben. Bis vor wenigen Monaten hatte sich die Stadt die Option noch offen gehalten, dort die neue Sport- und Versammlungshalle zu errichten. „Nachdem die Stadt nun entschieden hat, die bestehende Turnhalle abzureißen und auf dem Gelände ein neues Mehrzweckgebäude zu bauen, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das Nill-Areal entwickeln können“, sagt Jörg Fricke, Leiter der Dibag-Planungsabteilung. Die Planer der deutschlandweit tätigen Immobiliengesellschaft und Stuttgarts Stadtplaner kamen zum gleichen Resultat: Im Stadtbezirk mangelt es an Wohnungen sowie an Pflegeplätzen. „Bis 2030 fehlen 40 Pflegeplätze in Hedelfingen, in den Oberen Neckarvororten erhöht sich der Fehlbedarf sogar auf 360 Plätze für stationäre Pflege. Das Nill-Grundstück liegt ideal und ist gut an den Nahverkehr angebunden“, sagt Stadtplanerin Julia Cavcic.

Es fehlen Pflegeplätze

Die Vorstellungen der Stadt und von Dibag, wie die Gebäude aussehen sollen, unterscheiden sich allerdings erheblich. Die Stadtplaner sehen ein Pflegeheim auf dem südlichen Teil und einen vierstöckigen Komplex mit betreutem Wohnen auf der Richtung Wangen zugewandten Seite vor.

Fricke präsentierte den Bezirksbeiräten zwei Varianten. Bei der ersten setzen die Dibag-Architekten auf einen 14-geschossigen schlanken Wohnturm und einen flacheren Quertrakt auf dem nördlichen Teil des Grundstückes. Auf der Hedelfinger Seite stünde dann das fünfgeschossige Pflegestift in zum Hang offener Hufeisenform. „Ein ähnliches Pflegeheim-Konzept verwirklichen wir gerade in Backnang“, sagt Fricke. Mit einem Betreiber stehen Dibag bereits in Kontakt.

Furcht vor Wohn-Koloss

Die Hedelfinger Bezirksbeiräte kritisierten in ersten Reaktionen die Anzahl der Geschosse des Wohnblocks. „Der Wohnturm wird ein Koloss, der weit höher ist als die Häuser in der Umgebung“, meinte CDU-Bezirksbeirat Mario Graunke. Als Alternative schlug Fricke eine zweite Variante vor. Statt des punktuellen Wohnturms würde ein drei- bis sechsgeschossiges Quartier mit Pflegeheim, betreutem Wohnen und Wohnungen erstellt. Die Gebäude stünden u-förmig mit dem Block zur Straße hin und schotten den Lärm der Hedelfinger Straße ab. „Die vorgeschriebene Geschossflächenzahl werde aber erheblich überschritten“, gab Fricke mit Blick auf Stadtplanerin Cavcic zu.

Fricke punktete dafür mit der Aussicht auf eine schnelle Realisierung. Wenn im Frühjahr 2023 mit dem Bau begonnen werden könnte, rechne er mit einer Bauzeit von 18 Monaten. Die Bezirksbeiräte zeigten sich von der Qualität und der Baugeschwindigkeit des Dibag-Projektes beeindruckt, wünschen sich aber eine sozial ausgewogenere Mischung sowie eine bessere Öffnung zum Stadtbezirk hin. Zudem mahnen sie von der Stadt ein Gesamtkonzept für den Bereich zwischen Hedelfinger Platz und der Straße Heiligenwiesen an.

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