Städtebau in Denkendorf Parkplätze in der Ortsmitte bleiben
Die Obere Ortsmitte rund um Schafhaus und „Ochsen“ in Denkendorf soll mehr Aufenthaltsqualität bekommen, ohne dass öffentliche Stellplätze wegfallen. Dies scheint nun gelungen.
Die Obere Ortsmitte rund um Schafhaus und „Ochsen“ in Denkendorf soll mehr Aufenthaltsqualität bekommen, ohne dass öffentliche Stellplätze wegfallen. Dies scheint nun gelungen.
Dass die Obere Ortsmitte durch mehr Grün und weniger Asphalt attraktiv und auch barrierefrei umgestaltet werden soll, darüber herrscht im Denkendorfer Gemeinderat seit langem Einigkeit. Geschmerzt hat etliche Ratsmitglieder jedoch, dass dafür nach den ersten Plänen etliche Parkplätze wegfallen sollten. Man sorgte sich um die dort ansässigen Geschäfte. Nun hat das mit der Umgestaltung beauftragte Planungsbüro von K seine Entwürfe angepasst. Festgehalten wird jedoch an dem Ziel einer einheitlichen und offenen Platzgestaltung. „Einer ist keiner“, verwies der Bürgermeister Ralf Barth bei der Vorstellung der modifizierten Planung im Gemeinderat darauf, dass 21 der 22 bisherigen öffentlichen Parkplätze rund um die Ochsenkreuzung erhalten bleiben.
Bisher ist dieser Bereich geprägt von breiten Straßen und großen Asphaltflächen. Esslinger, Berkheimer, Schnellenstraße und Schäfersteige treffen hier zusammen. Der Autoverkehr dominiert, es gibt wenig Grün. Zum Teil ist der Bereich für Fußgänger unübersichtlich und das Überqueren der Straßen schwierig. Mit der Umgestaltung soll ein Areal entstehen, das nicht nur barrierefrei ist, sondern auch Aufenthaltsqualität bietet. Vorgesehen ist, Verkehrsflächen zugunsten von Aufenthaltsbereichen, Bepflanzungen und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu reduzieren. Sitzbänke, Brunnen oder Wasserspiele und Spielgeräte sind angedacht. Dazu soll ein Teil der Asphaltflächen entsiegelt werden und stellenweise ein Platzcharakter entstehen. Das Miteinander von Fußgängern, Rad- und Autofahrern soll im Mittelpunkt stehen. Ein barrierefreier, verkehrsberuhigter Bereich soll auch den dort angesiedelten Geschäften zu Gute kommen.
Die Fahrbahnbreite in der Berkheimer Straße soll laut der veränderten Planung von sechs auf lediglich 5,25 Metern verringert werden. Ursprünglich waren nur 4,75 Meter angedacht. Damit können die bisherigen Stellplätze entlang der Straße weiterhin bestehen bleiben. Vor dem Schafhaus soll ein begrünter Platz mit Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel angelegt werden, vor dem CAP-Markt ist eine großzügige Gehwegzone mit begrünten Aufenthaltsflächen und Fahrradabstellmöglichkeiten vorgesehen. Man wolle die in diesem Bereich stehenden Bäume wegen ihres großen ökologischen Werts unbedingt erhalten, sagte Anja Flickinger vom Büro von K.
Um einen Baum herum soll ein Holzdeck gebaut werden, auf dem Passanten im Schatten Platz nehmen können. Eine Grünfläche mit Fahrradbügeln und Sitzmöglichkeiten könne laut Flickinger auch auf dem Vorplatz des Kreissparkassen-Gebäudes entstehen. Im Bereich der Schnellenstraße sind Grüninseln vorgesehen. Die Gehwegbreite am südlichen Fahrbahnrand mit bis zu drei Metern würde das Aufstellen kleiner Sitzmöbel erlauben.
„Der Entwurf spiegelt wider, was wir erreichen wollten“, zeigte sich Barth zufrieden. Und auch die Gemeinderäte pflichteten ihm bei. „Es ist toll, dass es künftig nicht so unendlich viel Asphaltwüste geben wird“, sagte Barbara Fröhlich, die Sprecherin der SPD. Der Platz lade zum Verweilen ein, meinte auch ihr Kollege Matthias Schöllkopf von den Grünen. Man habe einen exzellenten Kompromiss gefunden, befand Frank Obergöker, der Vorsitzende der FWV-Fraktion. CDU-Fraktionschef Peter Nester hält den Entwurf ebenfalls für gelungen: „Der Ortskern braucht dringend eine deutliche Veränderung.“ Wie auch Fröhlich betonte er, wie wichtig es sei, dass die öffentlichen Stellplätze erhalten bleiben. Schöllkopf warf die Frage auf, ob eine Verkehrsberuhigung in diesem Bereich möglich sei. Ihm schwebe Tempo 20 vor, sagte der Bürgermeister. Nester regte einen Zebrastreifen an, der zusätzliche Sicherheit beim Überqueren der Straßen bieten könnte.
Diese und weitere Details wie etwa Straßenbeläge müssten in einem späteren Stadium der Planung geklärt werden, sagte Barth. Zunächst gehe es nun darum, zu klären, ob für das Vorhaben eine Förderung des Landes möglich ist. Denn immerhin werden die Kosten allein für den Straßenbau auf knapp 1,3 Millionen plus Nebenkosten geschätzt. Man habe die aktuelle Planung mit dem Regierungspräsidium Stuttgart im Hinblick auf eine grundsätzliche Förderfähigkeit abgestimmt, erklärte Barth und meinte, er sehe eine gute Chance, dass das Land sich an den Kosten beteiligt. Voraussetzung, dass es öffentliches Geld gibt, sei eine deutliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, besonders für den Rad- und Fußgängerverkehr, die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Schaffung von Aufenthaltsflächen durch den Umbau oder Rückbau von Verkehrs- und Parkierungsflächen, erläuterte der Bürgermeister. Auch würde für Gehwege eine Mindestbreite von 2,10 Metern verlangt. Dies sei in der Berkheimer Straße nicht überall machbar, weshalb diese Bereiche von einer Förderung ausgenommen wären.
Endhaltestelle
Bis Ende der 1970er Jahre befand sich an der sogenannten „Ochsenkreuzung“ – benannt nach dem dortigen Gasthaus – die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie von Esslingen nach Denkendorf. Außerdem gab es einen Kiosk und öffentliche Toiletten. Der Platz war belebt. Mit der Aufgabe der Straßenbahn wurde das Quartier vorwiegend nach den Bedürfnissen des Autoverkehrs umgestaltet, die Straßen wurden enorm verbreitert.
Planungsbüro
Das Büro für Landschaftsarchitektur von Tobias von Kortzfleisch mit Sitz in Ostfildern-Nellingen wurde 2017 gegründet. 2020 bezog von K in Nellingen die Räume der ehemaligen Postfiliale. In diesem Jahr wurde in den Räumen der Denkendorfer Bank im Schafhaus eine Dependance eröffnet. Von K hat in Denkendorf schon einige Projekte verwirklicht, darunter den Kugelpfad.