Städtebau in Stuttgart Der Beginn eines Streits

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Der Schutz der Grünflächen und der Kampf gegen steigende Mieten und schwindende Bauflächen müssen miteinander vereinbart werden, meint StZ-Redakteur Sven Hahn.

Im Europaviertel wird derzeit heftig gebaut. Foto: StZ
Im Europaviertel wird derzeit heftig gebaut. Foto: StZ

Stuttgart - Es gibt Ideen, die passen auf den ersten Blick nicht ­zusammen. Bezogen auf die Stuttgarter Wohnbaupolitik sind das einerseits der Grundsatz, nicht mehr auf der grünen Wiese bauen zu wollen, andererseits der Kampf gegen Wohnungsmangel, steigende Mieten und schwindende Baufläche. Sämtliche Akteure am Markt und in der Politik haben in den vergangenen Jahren stets beteuert, niemand wolle am Grundsatz rütteln, dass die Stadt von innen heraus entwickelt wird. Somit sind große, neue Baugebiete in Stuttgart Mangelware. Der Ansturm auf den Wohnungsmarkt soll allein mit Nachverdichtung, dem Schließen von Baulücken und kleineren Wohnungsgrundrissen bewältigt werden. Das Ergebnis: die Nachfrage übertrifft das Angebot und die Preise steigen.

Der Platz wird auch mit Außenflächen nicht reichen

Als logische Folge von alledem wird die ­Diskussion um den Vorrang der Innenentwicklung nun doch neu eröffnet. Regionalpräsident ­Thomas Bopp (CDU) hat diesen Grundsatz in Stuttgart jüngst in Frage gestellt. Weiteres Feuer wird die Debatte durch die neue Zeitstufenliste bekommen. Sie ist die Basis für sämtliche Entscheidungen in der ­Wohnungspolitik. Die Kernaussage der aktuellen Liste lautet: Der Vorrat an neuen Wohnbauflächen geht rasch zur Neige.

Wer nun allerdings so schnell wie möglich Baugebiete am Stadtrand ausweisen möchte, um den Wohnungsmarkt damit zu entspannen, liegt falsch. Denn der Platz reicht ohnehin nicht für alle, die nach Stuttgart wollen. Egal, wie viele neue ­Wohnungen in der Stadt entstehen, in den kommenden Jahren werden stets mehr Menschen herziehen wollen, als der Wohnungsmarkt aufnehmen kann. Der Ansturm auf die Stadt ist groß, der ­Vorrat an Bauflächen gering. Auch wenn der Grundsatz der Innenentwicklung aufgeweicht oder gar gekippt würde, das Angebot wird trotzdem kleiner bleiben als die Nachfrage. Das bedeutet: der Markt bleibt angespannt und die Preise steigen weiter.

Wer Grünflächen für Neubaugebiete opfert, wird an der Marktlage wenig bis nichts ändern können. Das ist schlicht der enormen Wirtschaftskraft und der hohen Attraktivität der Stadt und ihrer Region geschuldet. Daher muss neuer Wohnraum geschaffen werden, ohne weite Naherholungsflächen, Äcker und Wälder zu opfern. Wie das geht? Nur indem Stuttgart und die weiteren 178 Kommunen in der Region gemeinsam nach geeigneten Flächen suchen.

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