ExklusivStuttgart Rund um die Bahndirektion entsteht ein urbanes Quartier

Von Jörg Nauke 

Auf dem Areal zwischen der Heilbronner und der Keplerstraße schafft die Stadt Voraussetzungen für Büros, Apartmentgebäude, Handel und Gastronomie.

Dieser Teil der ehemaligen EnBW-Zentrale bleibt bestehen. Foto: Lichtgut/Kovalenko
Dieser Teil der ehemaligen EnBW-Zentrale bleibt bestehen. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgart - Das Stuttgarter Architekturbüro Lederer, Ragnarsdóttir und Oei soll nach Informationen der Stuttgarter Zeitung den Teilabriss und die Neuordnung der ehemaligen EnBW-Zentrale an der Kriegsbergstraße planen. Der Münchner Investor Reiß & Co teilte auf StZ-Anfrage lediglich mit, er stimme momentan das weitere Vorgehen mit allen Beteiligten ab; die Planer ließen ausrichten, sie dürften nichts sagen. Schlüssig wäre die Entscheidung, da die Stuttgarter den jüngeren Teil der leer stehenden Konzernzentrale, einen stilprägenden schwarzen Klinkerbau, erstellt und mit dem 1978 eingeweihten, jetzt entbehrlichen Teil an der Kriegsbergstraße verbunden hatten.

Marc Oei kennt als ehemaliger Projektleiter dort jede Schraube. Reiß war mit dem Plan angetreten, auch den erst 1997 fertiggestellten Bau plattzumachen. Davon ist nun keine Rede mehr. Die Stadt hatte deutlich gemacht, der Investor könne nicht darauf hoffen, das Grundstück zwischen der Jäger- und Kriegsbergstraße sowie der Goethe- und Ossietzkystraße ähnlich großzügig nutzen zu können wie einst die EnBW. Ein Sturm der Entrüstung veranlasste Reiß, die Pläne anzupassen. Nun sieht er ein Hotel im Neubau vor. Auf dem Areal sollen außerdem Büros und eine Vielzahl kleiner Apartments unterkommen.

Angemessene Nachverdichtung geplant

Die Stadt schafft dafür die planerische Grundlage, die das Areal zwischen der Heilbronner und der Keplerstraße beim Klinikum zu einem „nachhaltigen, urbanen Stadtquartier mit Wohnen und Arbeiten“ machen soll. So steht es im Entwurf für einen Bebauungsplan, der an diesem Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats auf den Weg gebracht wird. Ziel ist „eine angemessene Nachverdichtung“. Wohnen und „spezielle Formen des Wohnens“ sollen zur Jägerstraße hin möglich sein, gewerbliche Nutzung ist verstärkt an der Kriegsbergstraße vorgesehen. Diese wird nicht nur Verkehrsader, sondern auch „urbaner Stadtraum mit Aufenthaltsqualität für Fußgänger“.

Bahndirektion steht auf Pfählen

Nötig ist die Neuordnung nicht nur wegen der Pläne von Reiß; auch die W2 Development GmbH hat als Eigentümer des 1,3 Hektar großen Grundstücks, auf dem sich die aktuell auf Stützen stehende ehemalige Bahndirektion befindet, Großes vor. Jürgen Sauer, beim Projektentwickler für Marketing und Kommunikation zuständig (und bei der CDU Stuttgart als Stadtrat aktiv), sagt, es seien neben Büros belebende Elemente wie Handel, Gastronomie und ein Hotel auf bis zu 50 000 Quadratmeter Geschossfläche vorgesehen. Neben dem Planverfahren werde derzeit ein städtebaulicher Ideenwettbewerb mit der Stadt vorbereitet. Der Entwurf von W2 sei im Rathaus abgegeben worden.

Das Bebauungsplangebiet umfasst fast acht Hektar und soll als „Urbanes Quartier“ eingestuft werden. Das hilft der Stadt, auch in Gebieten mit hoher Lärmbelastung Wohnungsbau durchzusetzen. Als erhaltenswerte Bauten sind neben der 1912 fertig gestellten Bahndirektion und dem Lederer-Gebäude auch die „Schankstelle“ an der Jägerstraße und der Weinberg genannt.

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