Städtebau Stuttgart 21 Was passiert auf den Gleisen? Das sind die Ideen fürs Bahnhofsumfeld

Was geschieht städtebaulich auf dem Areal der Kopfbahnsteiggleise? Die Stadt hat nun ein Werkstattverfahren beendet. Foto: Christian Milankovic

Ein sogenanntes Werkstattverfahren für das Nachbargrundstück des neuen Bahnhofs ist beendet – doch der Zeitplan bleibt vage, solange unklar ist, wann oben keine Züge mehr fahren.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof soll Gucklöcher bekommen. Damit sind aber nicht jene kreisrunden Öffnungen in der Decke der neuen Bahnsteighalle gemeint. Auch von der Seite soll dereinst ein Blick auf Züge, Gleise und Bahnsteige möglich sein. Das sehen zumindest jene Entwürfe vor, die siegreich aus einem sogenannten Werkstattverfahren hervorgegangen sind und am Dienstagabend von der Stadt präsentiert wurden.

 

Damit ist zwar längst noch nicht klar, wie die Gebäude auf dem so genannten A-3-Areal aussehen werden, jenem Grundstück, wo heute noch Züge im Kopfbahnhof abfahren und ankommen. Die gut 7000 Quadratmeter große Fläche wird eingerahmt von der Stuttgart-21-Baustelle, vom Karoline-Kaulla-Weg längs der LBBW, dem Gleisvorfeld sowie der ehemaligen Straße Am Schlossgarten. Um die Aufgabe für die Planer komplexer zu machen, liegen sechs Meter Höhenunterschied zwischen Grundstücksgrenze zur LBBW hin und zur ehemaligen Straße Am Schlossgarten.

Der Entwurf für das A-3-Areal neben dem Hauptbahnhof der Arbeitsgemeinschaft Atelier Le Balto mit Studio VlayStreeruwitz Foto: LHS Stuttgart/Fabrice Weichelt

Zugegebenermaßen wirkt es befremdlich, dass die Stadt ausgerechnet jetzt mit dem nächsten Verfahrensschritt zur Planung auf dem heutigen Gleisareal an die Öffentlichkeit geht. Schließlich steht derzeit mehr denn je in den Sternen, wann die Stadt wirklich mit dem Rückbau der oberirdischen Bahnanlagen beginnen kann, weil die Deutsche Bahn derzeit noch nach einem neuen Inbetriebnahmekonzept von Stuttgart 21 sucht. Erst wenn wirklich keine Züge mehr oben fahren, kann mit der Realisierung des Rosensteinviertels begonnen werden, dessen erster Baustein die Gestaltung des A-3-Grundstücks sein wird.

Der Entwurf von HaasCookZemmrich Studio 2050 mit HenningLarsen und Transsolar Foto: Landeshauptstadt Stuttgart/Fabrice Weichelt

Und wegen dieser zeitlichen Ungewissheit kann wohl auch darüber hinweggesehen werden, dass auch das nun präsentierte Ergebnis eines sogenannten Werkstattverfahrens keinen Aufschluss über die äußere Gestaltung des künftigen Bauwerks gibt. Das war auch nicht die Aufgabe jener vier interdisziplinären Teams, die Stadt- und Landschaftsplaner sowie Architekten zusammen brachten. Vielmehr sollte die Arbeitsgemeinschaft Entwürfe liefern, wie die fünf Nutzungsvorschläge, die aus einem offenen Ideenwettbewerb im Jahr 2024 hervorgegangen sind, auf dem Areal unterzubringen seien.

Die beiden siegreichen Entwürfe der Teams Atelier Le Balto mit Studio VlayStreeruwitz sowie HaasCookZemmrich Studio 2050 mit HenningLarsen und Transsolar lösen diese Aufgabe mit ähnlichen Ansätzen. Beiden ist gemein, dass sie mit mehreren Baukörpern statt einem Solitär arbeiten. Und beide rücken von der bisherigen Vorstellung ab, die Menschen würden vom künftigen Bahnhofdach, auf dem der Manfred-Rommel-Platz entstehen soll, ebenerdig ins neue Areal gelangen.

Stattdessen verlegen die Entwürfe die Haupterschließungsebene nach unten auf das Niveau der heutigen Baustraße. Dieser Kniff ermöglicht die eingangs erwähnten seitlichen Einblicke in den Tiefbahnhof. Der dort realisierte Entwurf des Architekten Christoph Ingenhoven hat an der Nahtstelle zwischen Bahnsteighalle und A-3-Fläche große geschwungene Öffnungen entstehen lassen, welche die Formensprache des Tiefbahnhofs aufnehmen. Derzeit mauert die Bahn die Öffnungen zu, weil feststeht, dass nach vollständiger Inbetriebnahme zunächst in diesem Bereich der Rückbau der bestehenden Bahnanlagen über längere Zeit die Szenerie prägen wird.

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