Städtebaujuwele in Stuttgart Kauft die Stadt das ehemalige Offizierscasino?

Was wird aus dem herrlich gelegenen Offizierscasino (vorne, Bildmitte) auf dem Hallschlag? Das Gebäude in der Rommelstraße 4 (kleines Foto) steht unter Denkmalschutz und seit zwölf Jahren leer. Foto: LHS (Luftbild)/Nagel

In dem denkmalgeschützten Gebäude in der Rommelstraße will der Eigentümer seit 2016 Wohnungen bauen. Lärm von der nahe gelegenen Skateranlage hat dies bisher verhindert. Die Fraktionsgemeinschaft Die Linke und SÖS fordert die Stadt zum Handeln auf.

Auf dem Hallschlag hat sich in den vergangenen Jahren vieles zum Positiven verändert. Einen großen Anteil daran hat sicher die Umnutzung der denkmalgeschützten Reiterkaserne. Doch in diesem Zusammenhang hat man sich an einem Thema immer die Zähne ausgebissen: die Sanierung des angrenzenden Offizierscasinos an der Rommelstraße, das seit 2012 leer steht.

 

Erst 2016 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Offizierscasino zum Verkauf angeboten, darunter auch mehrmals der Stadt Stuttgart. Doch dem damaligen Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) waren die verlangten 1,5 Millionen Euro zu viel, zumal auch noch extrem hohe Sanierungskosten auf die Stadt zugekommen wären. Das hatten Untersuchungen seitens der Bima vor dem Verkauf ergeben.

Offizierscasino hat lange Mängelliste

Trotz der erheblichen Mängelliste fand das Casino einen Käufer. Halt nicht die Stadt Stuttgart, was massive Kritik bei einigen Fraktionen auslöste. Denn die hätten sich doch über einige Informationen über das Kaufangebot des Bundes gefreut, obwohl der damalige Stuttgarter Finanzchef nicht dazu verpflichtet gewesen war. SÖS, Linke und Puls verwiesen 2016 auf eine Bürgerinitiative, die unter dem Motto „Leuchtturmprojekt faires Wohnen im Offizierscasino“ gut 11 000 Unterschriften gesammelt und sich für das Kulturdenkmal eingesetzt hatte. Die Fraktionsgemeinschaft hätte sich in dem denkmalgeschützten Gebäude neben Wohnungen auch eine soziale und kulturelle Nutzung vorstellen können.

Stillstand seit acht Jahren

Doch seit dem Verkauf hat sich in den vergangenen acht Jahren nichts getan. Zwar gab es ein Sanierungs- und Nutzungskonzept, das allerdings vom neuen Eigentümer nicht umgesetzt werden konnte. Ursprünglich war vorgesehen, Wohnraum im ehemaligen Casino zu schaffen. Unterhalb des Grundstücks befinden sich im Bereich der Altenburger Steige jedoch eine rege genutzte Skateranlage. Laut Stadtverwaltung sind die Lärmwerte so hoch, dass sie einer Wohnnutzung entgegenstehen. Die Folgen: Das Grundstück samt Gebäude verfällt immer mehr.

1000 Quadratmeter Wohnraum

Jetzt startet die Fraktionsgemeinschaft Linke und SÖS einen erneuten Anlauf und fordert die Stadt auf, das Gebäude endlich zu erwerben. Zumal sie gehört haben will, dass der Besitzer, der gut 1000 Quadratmeter Wohnraum mit einem „unverbaubaren Blick über das Neckartal“ schaffen wollte, in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein soll. „Wenn stadtbildprägende Gebäude zum Verkauf stehen, muss die Stadt zugreifen – das war die Lehre aus dem Fall des ehemaligen Offizierscasinos im Jahr 2016“, begründet dies der Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch (SÖS). Was mit dem Gebäude seitdem passiert sei, sei beschämend und unwürdig. Fraktionssprecherin Johanna Tiarks (Die Linke) sagt: „Wir erwarten jetzt, dass die Stadt aus dieser Fehlentscheidung vom Dezember 2016 lernt, dem jetzigen Investor ein Kaufangebot unterbreitet, das Gebäude saniert und einer gemeinwohlorientierten Nutzung zuführt.“ Vor Kurzem war die Zukunft des Offizierscasinos auch Thema im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Ein Antrag der Fraktionsgemeinschaft Linke und SÖS, die ebenfalls den Kauf des Gebäudes durch die Stadt fordert, wurde mehrheitlich befürwortet. Allerdings hatte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler zuvor zu Verstehen gegeben, dass der Eigentümer zusammen mit der Verwaltung „intensiv“ an Lösungen arbeitet, die eine Nutzung der Rommelstraße 4 – ob als Büro oder Wohnung – ermöglichen. Das könne, so Löffler, allerdings weder eine riesige Lärmschutzwand noch das Einhausen der Skateranlage oder gar deren Aufgabe sein.

Stadt sucht Lösung für Offizierscasino

Die Rommelstraße 4

Geschichte
Das Gebäude wurde im Jahr 1910 als Offizierscasino der benachbarten Reiterkaserne gebaut. Die ehemalige sogenannte Speiseanstalt der angrenzenden Dragoner-Kaserne wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Verwaltungs- und Bürogebäude für Militär sowie verschiedene Bundes- und Landesstellen bis zum Jahr 2012 genutzt.

Gebäude
Es stehen etwa 20 Räume mit gut 1200 Quadratmeter Nutz- und knapp 3000 Quadratmeter Grundstücksfläche sowie 13 Parkplätze zur Verfügung.

Schäden
Das Gebäude weist laut Exposé zur Ausschreibung Schäden durch Risse auf. Sie konzentrieren sich vor allem auf das Untergeschoss und nehmen über das Erdgeschoss nach oben hin weitgehend ab. 2015 wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Sie ergaben, dass sich das Gebäude um mehrere Zentimeter gesenkt hat.

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