Städtepartnerschaften im Kreis Esslingen Deutsch-französische Freundschaft im Drachenboot

Die franzöisch-deutsche Schülrgruppe hat bei Lyon Kayak viel Spaß. Foto:  

Jugendliche aus Ostfildern lernen durch die Teilnahme am Wettpaddeln Lyon Kayak Frankreich kennen. Die Städtepartnerschaften im Kreis Esslingen mit Kommunen im Nachbarland sprechen junge Menschen an.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Die Faszination junger Menschen für Frankreich ist ungebrochen. Das zeigt das Interesse an Städtepartnerschaften im Kreis Esslingen. „Frankreich ist Deutschlands engster und wichtigster Partner in Europa“, heißt es auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Zugleich erstarken rechtsextreme Tendenzen. Der Europa-Gedanke ist in Gefahr. „Um den Austausch lebendig zu halten, müssen wir junge Menschen auf lokaler Ebene ansprechen“, sagt Anja Aupperle. Da hat die Vorsitzende des Vereins Deutsch-Französische Freundschaft (DFF) Montluel – Ostfildern viele Ideen. Auch in Esslingen und Denkendorf ist die Jugend ein Motor internationaler Kontakte.

 

Aufs Wasser gehen Anja Aupperle und rund 20 Jugendliche jedes Jahr im September beim Event Lyon Kayak auf der Saône. 14 Kilometer paddelt die Gruppe aus Ostfildern da inmitten der historischen Kulisse der Großstadt. Pascal Grand, der das Partnerschaftskomitee auf französischer Seite leitet, organisiert die Tour zu dem Wasserspektakel, bei dem 2000 Menschen um die Wette paddeln. In deutsch-französischen Tandems oder auf dem Drachenboot geht es für den Pädagogen darum, „eine gemeinsame Sprache zu finden“.

Für Schülerinnen und Schüler aus Ostfildern ist der Wochenendtrip zu Lyon Kayak ein Erlebnis. Das Partnerschaftskomitee in Montluel und den neun anderen Kommunen im Département Auvergne – Rhône – Alpes, die die Partnerschaft mitgestalten, hat auch die jungen Bewohner eines Kinderheims zum Mitmachen gewonnen. Zum Empfang haben die Jungen und Mädchen dieses Jahr Crêpes für die deutschen Gäste gebacken. Danach wurde an Tischen geredet und gezockt. So stellt sich Pascal Grand lebendigen Austausch vor. „Leider lernen immer weniger Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache“, sagt der pensionierte Pädagoge, der als Schulrat für die Deutschlehrerinnen und -lehrer in der Region zuständig war. Dem will er mit Anja Aupperle mit „kreativen und jugendgerechten Angeboten“ entgegenwirken.

Engagement lässt überregional aufhorchen

Dieses Engagement lässt überregional aufhorchen. Grand und Aupperle nahmen am 15. Juni in Berlin den Joseph-Rovan-Preis des französischen Botschafters entgegen. Ausgezeichnet wurden drei Projekte, die den Schwerpunkt auf binationale sportliche Erlebnisse legen. Mit dem Centre Français de Berlin und dem Partnerschaftskomitee La Baconnière-Langerringen teilten sich Montluel und Ostfildern den Preis. „Wichtig ist, dass wir einander verstehen und unsere Sprachen und Eigenheiten kennenlernen“, ist Grand überzeugt. Mit seiner Frau Isabel hat er einen Sprachkurs für eine deutsche Gruppe angeboten. Die Kunst, die Fremdsprache auf unterschiedlichen Niveaus zu vermitteln, beherrschen die zwei. Als langjährige Schulleiterin weiß Isabel Grand, „wie wichtig Fremdsprachen und interkulturelle Kompetenz für das Berufsleben sind“.

Der Franzose Pascal rand und Anja Aupperle aus Ostfildern bei der Preisverleihung in Berlin. Foto: privat/privat

Alle Generationen mitzunehmen, ist Anja Aupperle ein Herzensanliegen. Zwar sieht die zweifache Mutter einen Schwerpunkt darin, die junge Generation für Frankreich zu begeistern. Aber das ist nicht alles. „Gerade unsere älteren Mitglieder wissen noch um die Geschichte“, sagt ihr Mann Ralph. Denn im Zweiten Weltkrieg waren die benachbarten Ländern verfeindet. Diese Geschichte jungen Menschen mit Zeitzeugen zu vermitteln, sei wichtiger denn je.

Brücken zwischen den Kulturen baut auch Armin Seidel mit dem Denkendorfer Partnerschaftskomitee. Im jährlichen Wechsel findet seit 1998 in der Fildergemeinde sowie in der Partnerstadt Meximieux ein Jugendcamp statt. „Das Interesse ist ungebrochen“, sagt Seidel. Spürt auch er, dass das Interesse an der Sprache nachlässt? Über Begegnungen lasse sich das ausgleichen. „Es kommt darauf an, wie man die jungen Leute motiviert.“ Jeweils 13 Jugendliche aus beiden Ländern lernen einander kennen und realisieren Projekte. Dabei ist eine Mauer der Freundschaft in Meximieux entstanden. Gymnasiasten aus Denkendorf, Ostfildern und Neuhausen haben an den Gymnasien in Nellingen die Möglichkeit, über den Schüleraustausch das Leben in Familien kennenzulernen. Das Otto-Hahn-Gymnasium pflegt einen Austausch mit dem Collège Camille Claudel in Xertigny in Lothringen. Am Heinrich-Heine-Gymnasium boomt der Austausch mit dem Nachbarland – und das seit 40 Jahren. „Es nehmen jedes Jahr 100 bis 120 Schülerinnen und Schüler daran teil“, sagt die Direktorin Judit Vamosi. Partnerschulen sind in Montluel, Dagneux, Meximieux und La Boisse bei Lyon.

In Esslingen klappt die Begegnung mit der französischen Partnerschaft Vienne und anderen französischen Städten gut. Die Gymnasien pflegen einen regen Austausch, an dem jeweils 20 bis 40 junge Menschen teilnehmen. Den Jugendaustausch in Esslingen fördert die EU. Dazu zählen ein von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördertes Projekt „Youth Shaping Europe“, bei dem sich Jugendgemeinderäte begegnen.

Deutsch-französische Freundschaft mit Tradition

Der Patron
 Der Joseph-Rovan-Preis wird jedes Jahr vom französischen Botschafter in Berlin verliehen. Der Namensgeber wurde 1918 als Joseph Rosenthal in München geboren. Er wuchs in einer jüdischen Familie auf, konvertierte 1944 zum katholischen Glauben. Rovan überlebte zehn Monate im Konzentrationslager Dachau. Er war Mitglied der Résistance in Frankreich und lehrte an der Universität Sorbonne in Paris.

Die Vereine
 Ehrenamtlich engagierte Partnerschaftsvereine erfüllen die deutsch-französische Freundschaft mit Leben. 2025 wird der Joseph-Rovan-Preis, der in Zusammenarbeit mit dem Bürgerfonds verliehen wird, den Themen von Erinnerungskultur und Demokratiebildung gewidmet sein. Vereine können sich bis zum 28. März 2025 bewerben. 

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