Städtereise in Trier Auf den Spuren der alten Römer
Trier inszeniert Römer-Dramen in antiken Ruinen, betört mit Heimatliebe im Tante-Emma-Laden und ist stolz auf einen Goldschatz.
Trier inszeniert Römer-Dramen in antiken Ruinen, betört mit Heimatliebe im Tante-Emma-Laden und ist stolz auf einen Goldschatz.
Trier - Ex-Sklave Nubius ist in Todesgefahr, er lässt die Zuschauer mitzittern beim Gang durch klamme Katakomben und verwitterte Torbögen der Kaiserthermen-Ruine. Die Zuschauer sind Teilzeit-Statisten der „Tödlichen Intrigen“, dem lose an historische Begebenheiten angelehnten Stadtführungsdrama über den Bau dieses stadiongroßen Badehaus-Komplexes.
Bis heute ist er ein Eckpfeiler in Triers Altstadtgrundriss – neben der Stadttor-Ikone Porta Nigra und dem Amphitheater. Zu Trier passen Historien-Dramen, denn keine Stadt nördlich der Alpen hat so viele steinerne Reste aus der Römerzeit. Triers Blüte lag im 4. Jahrhundert nach Christus – als kaiserliche Ersatzresidenz für Rom und Bollwerk gegen zudringliche Germanen-Stämme.
Spektakuläre, moderne Wow-Architektur hat Trier nicht, im Bahnhof halten fast nur Regionalzüge, und die Fußballer kicken fünftklassig. Doch Trier lockt mit vielen Damals-Superlativen, der Basilika zum Beispiel. Im weltweit größten erhaltenen Einzelraum der Antike mit Flugzeughangar-Maßen echot jedes „Hallo!“ erst nach sieben Sekunden zurück. Gewärmt von Fußbodenheizung thronte Kaiser Konstantin hoch über seinen Gästen, damit sie sich winzig fühlten.
Abseits vom Touristen-Trier liegt das triste Trier. Im engen, geduckten Maarviertel blättert an vielen Fassaden der Putz ab, Bäcker Olbertz hat vermutlich in den 1970er Jahren zuletzt umdekoriert, und manch ein Laden steht leer. Aber „Uns Rita“ brummt: Die Tante Emma des Quartiers bietet sofort Kaffee an, zeigt ihre gemalten Bilder, preist ihr frisches Gemüse in den Auslagen und freut sich, wenn ihre Kunden die 1950er-Jahre-Maggi-Flaschen und Persil-Blechschilder bewundern.
Dann schaut der Müllmann auf ein Bier rein und klagt, sein Chef wolle die Arbeit immer schneller erledigt haben. Wer wissen will, wie Trier tickt – einfach von Rita noch einen Kaffee nachschenken lassen, weiter zuhören und auf den nächsten Besuch eines Maarviertlers in ihrem Laden warten.
Von Maar zu Marx ist es in Trier nie weit, denn Marx ist hier fast so ein Name wie anderenorts Müller. Triers berühmtester Marx hieß Karl mit Vornamen, wurde vor gut 200 Jahren geboren und steht seit 2018 unübersehbar neben der Porta Nigra – als Fünf-Meter-Denkmal, einem höchst umstrittenen Geschenk aus China. Das die Stadtoberen dann aber doch dankbar aufstellten, auch darauf hoffend, dass Zigtausende chinesische Besucher nicht mehr nur aus dem Reisebus springen, ein Foto vorm Karl-Marx-Haus machen und dann weiterfahren, sondern nun den einen oder anderen Euro in Trierer Ladenkassen klimpern lassen.
Im Wortsinne naheliegend ist, dass chinesische Besucher gegenüber vom Marx-Denkmal in den 1-Euro-Shop strömen und hier – vermutlich nichts ahnend – in dem Haus stehen, in dem Karl Marx seine Schulzeit verlebte und dabei oft an einem Schatz vorbeilief, der erst 1993 entdeckt wurde.
Ein Bagger schachtet damals die Baugrube für eine Tiefgarage am Klinikum „Mutterhaus der Borromäerinnen“ aus und reißt dabei ein etwa 30 Zentimeter hohes Bronzegefäß auf. Was aus ihm herausfällt, bleibt zum einen Teil in den ausgebuddelten Erdhaufen am Klinikum liegen, zum anderen Teil landet es – von Lastern abtransportiert – auf der anderen Moselseite.
Beide Orte sind über Nacht bevölkert von Menschen, die sich mit Metalldetektoren und Händen durch den Lehm wühlen. Denn schnell spricht sich herum, dass da Goldmünzen zu finden seien, obwohl Archäologen – wie immer bei Baugruben in Trier – schon alles abgesucht haben.
Allein gut 1000 Münzen pult Erich Eixner am Klinikum aus der Erde. Noch in der Nacht erholt er sich – wie wenig später offenbar fast alle Trierer – vom Goldrausch. Schätzungsweise 96 Prozent des Fundes werden beim Rheinischen Landesmuseum Trier abgeliefert, wo er bis heute unter Panzerglas zu bestaunen ist: 2516 Münzen, gut 18 Kilo schwer – mit den Köpfen von zahlreichen römischen Kaisern drauf, denn die Geldstücke stammen aus der Zeit von 54 bis 196 nach Christus und entsprechen etwa dem Jahressold von 200 Legionären.
Gleich daneben steht ein Plastikeimer. Der von Erich Eixner.
Schiefer-Bäder, selbst gebaute Möbel: Im Hotel Nadabei ist alles individuell gestaltet. DZ/F ab 98 Euro. Das Hotel Deutscher Hof bietet selbst gekochte Marmelade und Parken hinterm Haus – selten in Triers City! DZ/F ab 98 Euro.
Wie die Römer speist man im Gewölberestaurant Domstein . „Moseltapas“ gibt’s zu regionalen Tropfen in der Weinwirtschaft Friedrich Wilhelm.
Antike Inszenierungen in römischen Ruinen: Öffnungszeiten und Angebot bei „Uns Rita“ . Alles über Karl Marx. Infos zum Trierer Goldschatz.