Städtereisen in Deutschland 5 Gründe für Coburg
Bier, Burgen, Bratwurst: In Coburg und Umgebung ist nicht nur das Mittelalter sehr präsent, sondern auch gutes Essen. Das gibt es im Fränkischen an allen Ecken und Enden.
Bier, Burgen, Bratwurst: In Coburg und Umgebung ist nicht nur das Mittelalter sehr präsent, sondern auch gutes Essen. Das gibt es im Fränkischen an allen Ecken und Enden.
Sie ist eine der größten und besterhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Deutschlands: die Veste Coburg. Der gar nicht mal so steile Aufstieg über den wunderschönen Hofgarten wird mit fantastischen Ausblicken über die ganze Region mit ihren Wäldern und Wiesen belohnt.
Die sogenannte Fränkische Krone beherbergt international bedeutende Kunstsammlungen mit Gemälden von Dürer, Cranach d. Ä. und Grünewald sowie venezianische Gläser, barocke Schlitten und die ältesten Kutschen der Welt. 1530 lebte der Reformator Martin Luther sechs Monate auf der Veste, deren dicke Mauern dem Verfolgten Schutz und Sicherheit boten. Der „Coburger Psalter“ entstand.
Im Jahr 2002 kam dann Hollywood ins Coburger Land, denn hier wurde der Historienfilm „Luther“ gedreht. Was die Schauspieler Joseph Fiennes, Sir Peter Ustinov, Bruno Ganz und Uwe Ochsenknecht erlebten, kann man heute auf der Tour „Mit dem Rad auf den Spuren des Filmes ‚Luther‘“ erkunden.
Die Filme „Rubinrot“ und „Saphirblau" wurden unter anderem auf dem Coburger Schlossplatz gedreht. Der Kinderfilm „Der Räuber Hotzenplotz“ mit Armin Rohde in der Titelrolle entstand dagegen im nahe gelegenen mittelalterlichen Städtchen Seßlach mit seinem imposanten Stadttor. Selbst für den Thriller „Stereo“ gab es die passende Kulisse: den tiefen Wald des Callenberger Forstes.
Vor einigen Jahren saß sie auf der Anklagebank: die Coburger Bratwurst. Angeblich weil sie krebserregend sein soll. Die ausgesprochen leckere Bratwurst wird auf eine ganz spezielle Art und Weise gegrillt, nämlich auf einem Rost über dem offenen Feuer von Kiefernzapfen. Dadurch entsteht dieses ganz spezielle Aroma der Coburger Spezialität: leicht rauchig, sehr knusprig, ziemlich fettig, einfach gut.
Doch da bei dieser Zubereitungsart viel Fett in die Flammen tropft, entstehen angeblich viele gesundheitsschädliche Substanzen. So hat das zumindest die EU gesehen. Die Coburger haben das nicht auf sich und der Wurst sitzen lassen: Es wurde eine Bürgerinitiative zur Rettung des Kulturgutes gegründet. Ein findiger Chemiker hat ausgerechnet, dass man 70 000 Würste essen müsste, damit es gesundheitlich bedenklich wird. Bei aller Liebe: Das schafft man kaum. Die Coburger Bratwurst ist jedenfalls bis auf Weiteres gerettet.
Mitten auf dem Coburger Marktplatz steht unübersehbar ein Bronze-Denkmal des Prinzen Albert, des Gatten der englischen Königin Victoria. Der Sohn des Coburger Herzogs Ernst I. begründete durch seine Eheschließung mit Queen Victoria im Jahr 1840 das Haus Sachsen-Coburg in Großbritannien, das im Ersten Weltkrieg dann den Namen Windsor annahm.
Die Geschichte von Albert und Victoria erinnert ein wenig an die von Queen Elisabeth II. und dem kürzlich verstorbenen Prinz Philip. Beide Eheschließungen galten als Liebesheirat, und beide Männer waren zunächst in Großbritannien nicht besonders wohlgelitten. Was beide Male an den verwandtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland lag.
Doch beide Königinnen hielten fest zu ihren Männern und schätzten nicht nur deren Rat, sondern auch ihr gutes Aussehen. Prinz Albert, 1819 auf Schloss Rosenau bei Coburg geboren, war groß, schlank, sportlich und umfassend gebildet. Die erste große Auslandsreise führt das junge Paar 1845 nach Coburg, wo die beiden begeistert empfangen wurden. Schloss Rosenau hatte es der jungen Herrscherin besonders angetan und sie bezeichnete es als ihre zweite Heimat.
Prinz Albert starb bereits 1861 und es war Queen Victoria besonders wichtig, dass eines der ersten Denkmale in Coburg errichtet wurde. Zur feierlichen Enthüllung der Statue erschien sie persönlich mit ihren neun Kindern.
Den Spuren des englischen Traumpaares begegnet man in Coburg auf Schritt und Tritt. Schloss Rosenau liegt etwas außerhalb in einem englischen Landschaftspark. Das Gebäude kann besichtigt werden. Nachkommen leben bis heute in Coburg.
Noch vor wenigen Monaten hätte man die zahllosen vielgestaltigen Waffen wie Pfeil, Armbrust oder auch die Sturmleiter mit ausschließlich historischem Interesse betrachtet. Doch seitdem Krieg in der Ukraine herrscht, beschleicht den Besucher des Deutschen Burgenmuseums auf der Veste Heldburg doch ein komisches Gefühl: Auf einmal ist der Krieg wieder ganz nah und wer durch die ständige Ausstellung auf der Veste, der sogenannten Fränkischen Leuchte, läuft, der bekommt nicht nur ein Bild von den Grausamkeiten mancher Waffen, sondern auch davon, wie sehr Kriege in früheren Jahrhunderten zum Leben der Menschen dazugehört haben, und dass Frieden eher die Ausnahme als die Regel war.
Doch das Burgenmuseum der Veste, die übrigens nicht in Bayern, sondern im benachbarten Thüringen liegt, befasst sich nicht nur mit Belagerung und Verteidigung, sondern auch mit dem Leben und dem Alltag in einer Burg. Über 100 verschiedene Burgenmodelle sind zu sehen. Die Direktorin des Museums, Adina Christine Rösch, ist nicht nur eine exzellente Kennerin der Geschichte der Burg, sondern kann auch wunderbar lebendig und lustig erzählen, zum Beispiel vom Aufwachsen der Kinder auf einer Burg.
Kinder sind eine Besuchergruppe, die im Deutschen Burgenmuseum besonders ernst genommen werden. „Wir bieten Mitmachführungen für Schulen und Jugendgruppen an, auch Kindergeburtstag kann man auf der Burg feiern, erklärt Rösch. Und Erwachsene dürfen sich auf ein neues Restaurant freuen, das derzeit gebaut wird.
„Ich preise laut die Stadt, die nicht zwar mich geboren, und doch zum Bürger hat in Ehren mich erkoren.“ Dieser Lobgesang auf Coburg stammt von dem Dichter, Sprachgenie und Mitbegründer der deutschen Orientalistik Friedrich Rückert.
Der 1799 in Schweinfurt geborene und 1820 nach Coburg übergesiedelte Rückert ist ein Beweis dafür, dass man nicht in großen Städten leben muss, um weltläufig, umfassend gebildet und tolerant zu sein. Rückert, der Grundkenntnisse in rund 40 Sprachen besaß, erhielt zwar 1841 vom König von Preußen einen Ruf nach Berlin, doch er fühlte sich nicht besonders wohl dort und richtete sich auf dem Gut Neuses bei Coburg ein idyllisches Gartenhäuschen als Rückzugsort ein, wo er 1866 auch starb. Die Anlage ist noch gut erhalten und das Wohnhaus kann auf Wunsch auch besichtigt werden.
Anreise
Mit der Bahn von Stuttgart über Nürnberg (www.bahn.de) Unterkunft
Mitten in der Altstadt und trotzdem ruhig: Das Hotel Villa Victoria und das Gästehaus Victorias Residenz sind liebevoll eingerichtet und bieten ein fantastisches Frühstück im Salon. DZ/F ab 98 Euro. www.hotel-villa-victoria.de.Der Braugasthof Grosch in Rödental, etwas außerhalb von Coburg, hat nicht nur schöne Zimmer, sondern man kann hier auch ausgezeichnet essen und trinken. DZ/F 120 Euro: www.der-grosch.de Der Pörtnerhof liegt in der schönen Altstadt von Seßlach. DZ/F ab 120 Euro. www.poertnerhof-sesslach.de
Essen und Trinken
Aktivitäten
Auf der Veste Heldburg befindet sich das Deutsche Burgenmuseum: www.deutschesburgenmuseum.dewww.coburgmarketing.de/event/wochenmarkt Auf der Veste Coburg gibt es eine bedeutende Kunstsammlung: https://veste.kunstsammlungen-coburg.de Allgemeine Informationen
www.sesslach.de; www.bad-rodach.de; www.coburg-rennsteig.de