Zwischen oströmischen Kuppeln, osmanischen Palästen und modernen Museen am Bosporus entfaltet sich eine Kunstszene, die Vergangenheit und Gegenwart mühelos zusammenführt.
İstanbul war die Hauptstadt großer Imperien und diese reiche Vergangenheit prägt die Stadt bis heute. Mosaike aus oströmischer Zeit, osmanische Miniaturen, fein gearbeitete İznik-Kacheln und kostbar illuminierte Handschriften erzählen von Epochen, in denen Kunst Ausdruck politischer und religiöser Macht war. Im 19. Jahrhundert setzte Osman Hamdi Bey mit seinen Gemälden neue Akzente und verband westliche Malerei mit osmanischen Themen – seine Werke markieren einen Moment des Aufbruchs zwischen Tradition und Moderne.
Sightseeing in Istanbul: Von der Hagia Sophia bis zum Topkapi-Palast
Ein guter Ausgangspunkt für einen Streifzug zu Istanbuls Kunstschätzen ist die historische Halbinsel, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Hier stehen die großen Ikonen dicht beieinander: Die monumentale Hagia Sophia mit ihrer schwebenden Kuppel und die Sultanahmet-Moschee (Blaue Moschee) prägen das Zentrum seit Generationen. Ein paar Schritte weiter öffnet der Topkapi-Palast seine Tore. Über Jahrhunderte residierten hier die osmanischen Sultane, umgeben von Kunsthandwerkern, Kalligrafen, Goldschmieden und Miniaturmalern. Die Schatzkammern, Audienzsäle und der Harem spiegeln nicht nur höfischen Luxus, sondern auch eine Kultur, in der Ästhetik und Repräsentation untrennbar verbunden waren.
Die renovierten Archäologischen Museen von Istanbul führen noch weiter zurück in die Geschichte und zeigen Skulpturen, Reliefs und Sarkophage aus Antike und Frühzeit. Ganz in der Nähe geht es hinab in eine andere Welt: die Basilika-Zisterne aus dem sechsten Jahrhundert. Zwischen Säulenreihen und spiegelndem Wasser entfaltet sich eine filmreife Atmosphäre und so diente der Ort bereits als Kulisse für Produktionen wie „James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau“ und „Inferno“. Heute ergänzen zeitgenössische Installationen die antike Architektur und schaffen einen spannenden Kontrast zwischen historischem Raum und aktueller Kunst.
Vom Taksim-Platz bis an das Ufer des Bosporus
Ein Ortswechsel, ein anderes Tempo: Am Taksim-Platz beginnt die geschäftige İstiklal-Straße. Die Unabhängigkeitsallee ist gesäumt von zahlreichen Geschäften in teils historischen Gebäuden, ein beliebtes Fotomotiv ist die rote Nostalgie-Straßenbahn. Kulturinteressierte zieht es hier zum Atatürk Kültür Merkezi, das nach der Neugestaltung mit seiner beeindruckenden Architektur neue Akzente setzt. Opernaufführungen, Symphoniekonzerte und Tanzproduktionen bestimmen den Spielplan und machen das Haus zu einer zentralen Bühne der Stadt.
Das Viertel wird zudem einmal im Jahr zum Schauplatz des İstanbul Culture Route Festivals, das mit hunderten Konzerten, Ausstellungen, Opern und Theateraufführungen zwischen Atatürk-Kulturzentrum und dem Kreuzfahrtterminal „Galataport“ am Bosporus begeistert.
Über 80 Stationen sind dabei, dazu zählen unter anderem das İstanbuler Kinomuseum und Atlas 1948, die Grand Pera Emek Stage, das Pera Museum, das Tophane-i Amire Kunst- und Kulturzentrum, die İstanbul Tulip Foundation, das Yapi Kredi-Kulturzentrum, das Tarik Zafer Tunaya-Kulturzentrum, der Galata-Turm, das 212 Studio, das französische Kulturzentrum sowie die Rami-Bibliothek. Auch der Galataport ist Teil dieser Route und verbindet Kreuzfahrtterminal, Modegeschäfte und Gastronomie mit neuen Räumen für Ausstellungen.
Direkt neben dem Galataport präsentiert sich das neu gestaltete İstanbul Modern, entworfen vom italienischen Architekten Renzo Piano. Großzügige Fensterfronten eröffnen einen Weitblick über den Bosporus, drinnen wird zeitgenössische Kunst aus der Türkei und aus aller Welt gezeigt. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das İstanbuler Museum für Malerei und Skulptur der Mimar Sinan Universität der Schönen Künste, das wichtige Werke vom späten Osmanischen Reich bis zur Moderne vereint. Mehr als 200 Gemälde aus den 1870er Jahren sind im Nationalen Palastmalereimuseum ausgestellt, das in der ehemaligen Kronprinzenresidenz des Dolmabahçe-Palasts untergebracht ist. Weiter nördlich im Emirgan-Park liegt das Sakip Sabanci Museum. Die Sammlung reicht von osmanischer Kalligrafie bis zu moderner Kunst, während der Garten mit Blick auf den Bosporus zu einer kurzen Auszeit im Grünen einlädt.
Im Stadtteil Dolapdere hat sich mit Arter ein Haus für Gegenwartskunst etabliert. Installationen, Performances, Diskussionsformate – das Programm ist interdisziplinär. Ganz in der Nähe steht die ehemalige Rami-Kaserne aus dem 18. Jahrhundert. Heute ist sie die Rami-Bibliothek, die größte rund um die Uhr geöffnete Bibliothek der Stadt und die erste nachhaltige Einrichtung dieser Art im Land. Millionen Bücher stehen hier zur Verfügung, vom Kinderbuch bis zur Fachliteratur.
Istanbul-Städtetrip: Neue Quartiere, große Formate und eine Szene in Bewegung
Am Goldenen Horn befindet sich derzeit ein ganzes Viertel im Wandel. Tersane İstanbul, einst eine osmanische Hofwerft, entwickelt sich zu einem Zentrum für Kunst und Kultur. In den historischen Hallen findet auch die Messe Contemporary İstanbul statt: Rund 60 internationale Galerien kommen hier zusammen, ergänzt durch Gesprächsrunden, Installationen und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Ein weiteres Ereignis mit internationaler Strahlkraft ist die İstanbul Biennale, die alle zwei Jahre Ausstellungen und Veranstaltungen in der ganzen Stadt organisiert. Museen, Industriehallen, historische Gebäude und versteckte Innenhöfe werden temporär zu Ausstellungsorten und lenken den Blick auf bislang weniger bekannte Schauplätze.
Ein Sprung über den Bosporus auf die asiatische Seite lohnt sich für Kunstinteressierte, denn in Kadiköy zeigt sich eine ganz andere Facette der Szene: Das Viertel Yeldeğirmeni ist bekannt für seine großformatigen Wandbilder. Entstanden sind sie im Rahmen des Mural İstanbul Festivals. Fassaden werden hier zu Leinwänden, Straßenzüge zu offenen Galerien. Nicht weit entfernt wurde ein historisches Gaswerk in das Müze Gazhane verwandelt. Der Kulturcampus mit Industriekultur-Flair bietet regelmäßig kostenlose Konzerte, Ausstellungen und Workshops.
Was in Kadiköy sichtbar wird, spiegelt eine Entwicklung, die sich durch ganz İstanbul zieht: Alte Gebäude bekommen neue Funktionen, Sprung über den Industrieareale werden zu Kulturorten, Hausfassaden zu Ausstellungsflächen. So wächst das kulturelle Angebot kontinuierlich und reicht von kleinen Galerien in Seitenstraßen hin zu internationalen Kunstmessen. İstanbul schafft dabei neue Räume, ohne die alten zu verdrängen, und verbindet imperiale Geschichte mit zeitgenössischem Ausdruck. Zwischen Europa und Asien, zwischen Moscheekuppeln und Museumsarchitektur bleibt die Stadt in Bewegung – und mit ihr eine Kunstszene, die sich ständig weiterentwickelt.
Städtereise nach Istanbul
Die Metropole am Bosporus verbindet Europa und Asien und begeistert mit historischen Sehenswürdigkeiten, lebhaften Basaren und moderner Kultur. Beste Reisezeit sind Frühling und Herbst mit angenehmen Temperaturen, doch auch im Sommer und Winter hat die Stadt ihren Reiz. Von vielen deutschen Flughäfen gibt es zahlreiche Direktflüge nach Istanbul, die Flugzeit beträgt meist drei bis 3,5 Stunden.
Weitere Informationen zum Urlaub in Istanbul finden Interessierte auf der Webseite von GoTürkiye.



