Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen Gleich drei Ausstellungen auf einmal

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Martin Luther, ein Kunstakademie-Professor sowie Werke des Künstlerbundes Baden-Württemberg: die Stadtische Galerie in Bietigheim-Bissingen präsentiert drei neue Ausstellungen.

Blüten in Gelatine: ein Werk Daniel Brägs vom Künstlerbund Baden-Württemberg Foto: factum/Weise 12 Bilder
Blüten in Gelatine: ein Werk Daniel Brägs vom Künstlerbund Baden-Württemberg Foto: factum/Weise

Bietigheim-Bissingen - Was haben Martin Luther, ein Professor der Stuttgarter Kunstakademie und zeitgenössische Kunst aus Baden-Württemberg gemein? Nichts, könnte man meinen. In Bietigheim-Bissingen habe sie zueinander gefunden. Denn die Städtische Galerie zeigt gleich drei neue Ausstellungen auf einmal.

Die größte und aufwändigste ist „Stand der Dinge“. Hierbei ist der Künstlerbund-Baden-Württemberg zu Gast in Bietigheim. Jedes Jahr richtet die 400 Mitglieder zählende Vereinigung eine Ausstellung in Kooperation mit einer renommierten Kunstinstitution aus, vor zwei Jahren war es beispielsweise die Kunsthalle Mannheim. In diesem Jahr ist es sogar eine Doppelausstellung: 28 Künstler stellen in Bietigheim aus, 35 im Kunstmuseum in Singen. Dabei haben die Kuratoren die Standorte gewechselt. Sprich: die Leiterin der Städtischen Galerie in Bietigheim, Isabell Schenk-Weininger, hat in Singen kuratiert, Christoph Bauer in Bietigheim. „Organisatorisch war das natürlich komplizierter, aber so ergibt sich ein anderer Blick“ sagt Schenk-Weininger.

Die Ausstellung als „Appetizer“

Die in Bietigheim ausgestellten Werke präsentieren sich farbenfroh: gleich im Eingangsbereich begrüßen den Besucher ein Pop-Art-Wuselbild von Robert Matthes sowie eine spinnennetzartige Collage aus Textilien von Josephine Bonnet. Eine inhaltliche oder formale Klammer gibt es in der Ausstellung nicht. Radierungen stehen neben Portraits in Öl, Videoinstallationen neben bedrucktem Papier. Der Name der Ausstellung ist Programm: Es geht um eine Bestandsaufnahme der zeitgenössischen Kunst in Baden-Württemberg, in all ihren Ausdrucksformen und Gattungen. So unterschiedlich sind die Werke der Künstler, die alle irgendwie mit Baden-Württemberg verbandelt sind – sei es ihr Herkunftsort, ihr Studienort oder ihr derzeitiger Wohnort. So ist es aber auch gedacht: „Man kann hier viele Entdeckungen machen“, sagt Schenk-Weininger. Die ausgestellten Werke sollen so etwas wie „Appetizer“ für weiteres Inter­esse sein.

Gleichzeitig mit der Künstlerbund-Ausstellung zeigt die Städtische Galerie Werke des verstorbenen Malers, Grafikers und Kunstakademie-Professors Johannes Hewel. Aus Anlass seines 70. Geburtstags, den Hewel in diesem Jahr gefeiert hätte, zeigt die Galerie Auszüge aus seinem umfangreichen Werk an Linolschnitten. „Wir hätten das ganze Haus mit seinen Arbeiten füllen können“ kommentiert Schenk-Weininger. So ist es eben ein Stockwerk im historischen Gebäudeteil geworden. Zu sehen sind Teile seines aus sieben Serien bestehenden Opus Magnum „Brahman endless“, handcolorierte Blätter von Mappenwerken sowie bunte Linoldrucke mit Elvis-Bezügen. Auffällig am Werk Hewels ist die außereuropäische Bildsprache, die er sich auf seinen vielen Reisen angeeignet hat, sowie die vielen religiösen und sexuellen Anspielungen.

Luther-Playmobil-Figuren in Harz gegossen

Die letzte der drei Ausstellungen befindet sich im zweiten Stock des historischen Gebäudeteils. Hier arbeitet sich die Bietigheimer Fotografin Sabine Braun an Martin Luther ab. Selbst für Besucher, die angesichts der Allgegenwart des Reformators im Luther-Jahr eine gewisse Luther-Sättigung verspüren sollten, ist die Ausstellung sehenswert. Das beginnt schon beim Betreten der Ausstellung: der komplette Boden ist mit Wundpflastern beklebt. Drei Wochen lang haben die Mitarbieter der Städtischen Galerie kilometerweise Pflaster geklebt, um den Besuchern nun diesen besonderen Raum zeigen zu können. Die Wände sind mit Mullbinden behangen, auf denen auf der einen Seite religiöse Postkartenmotive mit Opferzahlen religiös motivierter Kriege kontrastiert werden und auf der anderen Seite Luthers 95 Thesen auf Verbandsmaterial gedruckt sind. Die Religionskritik geht nahtlos über in eine Konsumkritik, wenn Braun ein aus Harz gegossenes Kreuz präsentiert, in dem zahlreiche Luther-Playmobil-Figuren eingeschlossen sind. Abgerundet wird der Eindruck von Luther-Gummibärchen am Eingang.




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