Städtische Pflegeheime „Müssen sonst weiter rote Zahlen schreiben“ – Esslinger Heime werden teurer
Bewohner von städtischen Pflegeheimen in Esslingen müssen noch tiefer in die Tasche greifen. Ihr Eigenanteil steigt monatlich auf bis zu 4440 Euro.
Bewohner von städtischen Pflegeheimen in Esslingen müssen noch tiefer in die Tasche greifen. Ihr Eigenanteil steigt monatlich auf bis zu 4440 Euro.
Die Städtischen Pflegeheime in Esslingen haben zum 1. März ihre Heimentgelte erhöht. Dies sei aufgrund von deutlich gestiegener Personal- und Sachkosten nötig, wie die Stadt mitteilt. Davon betroffen ist die stationäre Pflege, die Kurzzeitpflege sowie die Tagespflege. Grundlage ist eine neue Vereinbarung mit den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger, die Mitte Januar 2026 abgeschlossen wurde. Im Durchschnitt erhöht sich damit das Budget der Einrichtungen um 8,19 Prozent.
Als maßgeblichen Grund für die Erhöhung wird der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst genannt, der zum 1. April 2025 abgeschlossen wurde und eine Laufzeit bis 31. März 2027 hat. „Gute Gehälter sind eine wichtige Voraussetzung, um Pflegefachkräfte zu gewinnen und zu halten“, betont Thilo Naujoks, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Städtischen Pflegeheime. „Allerdings wirken sich Gehaltssteigerungen unmittelbar auf die Heimkosten aus.“
Um diesen Abschluss sowie die erwarteten Sachkostensteigerungen zu finanzieren, habe man die Pflegesätze neu kalkulieren müssen. Gerechnet wird damit, dass die Ausgaben im Wirtschaftsbedarf um fünf Prozent und bei den Lebensmitteln um zehn Prozent steigen. „Daher blieb keine andere Wahl, als nochmals neu zu verhandeln. Ansonsten würden die Städtischen Pflegeheime weiterhin rote Zahlen schreiben“, sagt Thilo Naujoks.
Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen also tiefer in die Tasche greifen. Je nach Einrichtung und Aufenthaltsdauer steigt der Eigenanteil ab März 2026 um etwa 149 bis 423 Euro pro Monat, jeweils für ein Standardzimmer. Insgesamt beträgt der monatliche Eigenanteil nach Abzug aller Leistungen der Pflegeversicherung künftig für den Aufenthalt in einer städtischen Einrichtung zwischen 3443 Euro und 4436 Euro. Positiv sei aber, dass sich der Eigenanteil im Laufe der Jahre durch den Leistungszuschlag der Pflegekassen spürbar reduziert habe, so Geschäftsführer Naujoks. Seit 2022 beteiligt sich die Pflegekasse neben den monatlichen Leistungsbeiträgen mit einem weiteren Leistungszuschlag an den Kosten einer vollständigen Pflege. Je länger Pflegebedürftige in Pflegeheimen leben, desto höher ist der Zuschuss, den die Kassen direkt an die Heime zahlen. Dadurch verringert sich der Eigenanteil der Bewohner.
Die Zahlen werfen auch ein Licht auf die angespannte Finanzierungssituation in der stationären Pflege. Die Pflegeversicherung könne derzeit ihr zentrales Versprechen, vor einem Armutsrisiko bei Pflegebedürftigkeit am Lebensende zu schützen, nicht mehr einhalten, kritisiert Naujoks. Es sei auf Bundesebene eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung erforderlich, um Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dauerhaft zu entlasten. Immer mehr Pflegebedürftige seien inzwischen auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. Außerdem sei das Finanzierungssystem sehr komplex und für viele Betroffene kaum nachvollziehbar. „Wie sich das Heimentgelt berechnet und zusammensetzt, ist unseren Bewohnerinnen und Bewohnern kaum noch zu erklären,“ sagt Thilo Naujoks.
Der Eigenbetrieb Städtische Pflegeheime Esslingen ist Träger der Pflegeheime Obertor, Berkheim, Pliensauvorstadt, Hohenkreuz und Oberesslingen mit insgesamt 355 Pflegeplätzen. Die Städtischen Pflegeheime betreiben zudem die Tagespflegeeinrichtungen im Obertor, am Zollernplatz, in Hohenkreuz und Oberesslingen mit insgesamt 54 Plätzen. Zudem sind die Städtischen Pflegeheime Betreuungsträger für zwei Anlagen des Betreuten Wohnens in Berkheim mit 22 und in der Pliensauvorstadt mit 28 Appartements.