ExklusivStädtische Tochterunternehmen Hohe Gehälter und niedrige Frauenquoten

Von Jörg Nauke 

Im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen wird am Freitag der Beteiligungsbericht 2015 präsentiert. Darin wird der Ex-Klinikums-Chef wieder als Spitzenverdiener ausgewiesen. Erstmals wird der Anteil von Frauen in Führungspositionen genannt.

Der SSB-Vorstand ist  die Ausnahme von der Regel: Wolfgang Arnold (links) mit einer seiner Kolleginnen, Stefanie Haaks. Foto: Ines Rudel
Der SSB-Vorstand ist die Ausnahme von der Regel: Wolfgang Arnold (links) mit einer seiner Kolleginnen, Stefanie Haaks. Foto: Ines Rudel

Stuttgart - Der Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen beschäftigt sich am Freitag mit dem Beteiligungsbericht für das Jahr 2015. Dieses Mal listet die Expertise 54 Unternehmen mit 11 300 Mitarbeitern – von der 18,9-Prozent-Teilhabe an der Landesbank über das überschuldete Klinikum bis zum Windpark Dinkelsbühl – auf, mit denen die Stadt unternehmerisch tätig ist. Es geht um ein Bilanzvolumen von 5,47 Milliarden Euro und Erlösen von 1,48 Milliarden Euro.

Interessant ist das 451 Seiten starke Werk auch für die Gleichstellungsbeauftragte Ursula Matschke, wird doch erstmals der „Anteil von Frauen in Führungspositionen“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist vielfach ernüchternd: Bei der Messegesellschaft sind 26 von 28 Leitungsstellen von Männern besetzt, die Alibifrauen finden sich auf Abteilungsleiterinnen-Ebene. Beim Flughafen sieht es nicht viel besser aus: Drei von 28 Führungskräften sind Frauen, ebenfalls auf der untersten Leitungsebene.

Die LBBW kommt ohne Frauen im Vorstand aus

Die LBBW hat sieben Vorstände – alles Männer. Es gibt fünf Bereichsleiterinnen (von 51) und 24 Abteilungsleiterinnen (von 199). Bei der städtischen Veranstaltungsgesellschaft In Stuttgart kommt man in den Führungszirkeln ganz ohne Frauen aus. Die relativ jungen Stadtwerke haben sich nach alter Tradition aufgestellt: 12 von 14 Leitungsposten sind frauenfrei. Deutlich besser sieht es bei der Straßenbahnen AG aus: Drei von elf Stabstellen sind in weiblicher Hand. Im Geschäftsführungstrio ist Wolfgang Arnold sogar in der Minderheit. Er verdient aber als Technischer Vorstand mit 267 000 Euro nicht nur deutlich mehr als Stefanie Haaks (163 000) und Sabine Groner-Weber (96 000 seit Oktober 2015), er hat auch eine Pensionszusage. Zum Vergleich: OB Fritz Kuhn (Grüne) kassiert rund 150 000 Euro.

Auch Geschäftsführer freuen sich über Tariferhöhungen

Rekordverdiener war auch im vergangenen Jahr wieder Ralf-Michael Schmitz. Der Chef des städtischen Klinikums verdiente 417 000 Euro, 18 000 Euro mehr als im Vorjahr – auch Chefs profitieren von erfolgreichen Tarifverhandlungen. 127 000 Euro vom Gesamtbetrag stellen eine Erfolgsbeteiligung dar. Die Ziele konnten laut Vertrag nur mit dem Einverständnis des Geschäftsführers vereinbart werden. Ein Ärgernis für viele Stadträte, die nicht verstehen, dass es für rote Zahlen auch noch eine Belohnung gibt. Es könnten nur Dinge bewertet werden, auf die ein Geschäftsführer Einfluss habe, hob damals der damalige Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle hervor.

Schmitz erhöhte das Defizit gegenüber 2014 von 24,5 auf 27,6 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank um 1,5 auf 0,0 Prozent. Ohne städtische Hilfe wäre das Unternehmen längst pleite. Für Schmitz war es die vorletzte Erwähnung in einem Beteiligungsbericht: Er wurde im März mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedet, auch weil die internationale Abteilung unkalkulierbare Risiken durch Verträge mit libyschen und kuwaitischen Einrichtungen eingegangen ist, für die nun in erheblichem Maß Vorsorge getroffen werden muss. 900 000 Euro Abfindung wurden gewährt, der Vertrag wäre noch bis 2021 gelaufen. „Für Herrn Dr. Schmitz besteht eine Pensionszusage“ wird im Bericht erwähnt.

Hohe Pensionsverpflichtungen gegenüber LBBW-Vorstand

Vor Schmitz rangiert traditionell nur noch der Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter. Sein Gehalt ist geheim, soll sich aber auf deutlich mehr als eine Million Euro belaufen. Im Beteiligungsbericht ist nur der Betrag für alle sieben (seit 2016 nur noch sechs) Vorstände aufgeführt: eine Fixvergütung von 5,6 Millionen und ein erfolgsabhängiger Anteil von 1,7 Millionen Euro. Das sind 1,3 Millionen Euro mehr als 2014. Außerdem bestehen Pensionsverpflichtungen von 15,4 Millionen Euro.

Hinter dem Klinikums-Chef rangierte Michael Maxelon als Leiter der Stadtwerke: Er kam 2015 auf 357 000 Euro, 80 000 davon waren erfolgsabhängig. Die Stadtwerke waren gewachsen, unter anderem durch den Kauf von elf Windenergieanlagen (jetzt 31). Erstmals erzielte man einen Jahresüberschuss von 2,9 Millionen Euro. Maxelons Nachfolger Olaf Kieser erhält vorerst ein Fixgehalt von 320 000 Euro. Martin Rau, halb Stadtwerke-Geschäftsführer und zu 50 Prozent bei der Veranstaltungsgesellschaft, strich 133 000 und 118 000 Euro ein.

Ein Gehaltssprung von 1000 Euro gelang Flughafenchef Georg Fundel: Er erhielt 339 000 Euro, die Rekordzahlen verschafften ihm einen Bonus von 120 000 Euro. Sein Co-Geschäftsführer Walter Schoefer kam auf 328 000 Euro. Gegenläufig verlief die Entwicklung bei den Messechefs: Ulrich Kromer steigerte infolge höherer Erfolgsvergütung seinen Verdienst von 252 000 auf 272 000 Euro, Roland Bleinroth musste sich dagegen mit 231 000 Euro (250 000 Euro in 2014) bescheiden. Die Bäderchefin Anke Senne erhielt 93 000 Euro. Sie ist mittlerweile ausgeschieden, der Frauenanteil in der Geschäftsführung sank durch die Verpflichtung von Alexander Albrand um 100 Prozent.

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