Städtisches Verwaltungsgebäude Neue Beamtenbüros wohl nicht in Möhringen

Hier hätten 2000 städtische Beschäftigte einziehen können. Nun bauen die Projektentwickler von W 2 für Private. Foto: W 2 Development

Das Unternehmen W 2 Development geht davon aus, seine zwei Gebäude im Synergiepark in Möhringen nicht mehr an die Stadt zu verkaufen. Die Verwaltung wartet auf Alternativangebote in der Innenstadt.

Die kontroverse Debatte über den Standort eines neuen großen Gebäudes für die Stadtverwaltung dürfte mit der offiziellen Mitteilung des Projektentwickler W 2 Development, sein Büroprojekt im Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen nun am privaten Markt anzupreisen, an Schärfe verlieren. Es gibt zwar eine Absichtserklärung des Gemeinderats, in zwei von vier Bauteilen des Projekts im Synergiepark 35 000 Quadratmeter Büroflächen für mehr als 2000 Beschäftigte zur Verfügung zu stellen, und das auch noch ziemlich schnell und klimaneutral. Nachdem dann aber erst einige Fraktionen, außer CDU und FDP, und dann auch noch Mitarbeiter der Verwaltung Bedenken angemeldet und die Prüfung alternativer Standorte in der deutlich teureren Innenstadt angemahnt hatten, sahen sich die W-2-Geschäftsführer Stefan Willwersch und Frank Widmann gezwungen, sich von der Partnerschaft mit der Stadt zu verabschieden. Zeit ist Geld, der Baupreisindex stieg im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Die Zusage eines Festpreises von 298 Millionen Euro brutto hätte die Wirtschaftlichkeit des Projekts gefährdet und so nicht gehalten werden können, so Willwersch. Man fühle sich nicht mehr an die Stadt gebunden. Die Bauteile 1 und 2 sind veräußert, es heißt, an den Deutschen Sparkassenverlag. Der Bauantrag für Bauteil 3 ist laut dem Unternehmen genehmigt, der Bau beginne nun, ganz am Schluss folge dann der vierte Abschnitt. W 2 und sein Finanzpartner Competo Capital Partners haben das 25 000 Quadratmeter große Grundstück an der Kreuzung Am Wallgraben/Schockenriedstraße Ende 2019 erworben.

 

Die zwei freien Gebäude werden jetzt vermarktet

Laut Mitteilung stehen 59 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zur Verfügung, davon 35 000 in den beiden noch zu vermarktenden. Angepriesen werden hochwertige, moderne und flexible Bürowelten. Innenausbau und Grundrisse seien abhängig vom Käufer oder Mieter flexibel gestaltbar.

Ein besonderer Augenmerk gilt dem Thema Nachhaltigkeit: Extensive Dachbegrünung, Photovoltaikmodule auf den Dächern und bei den beiden freien Bauteilen auch an den Fassaden führen in Verbindung mit Geothermie zu Klimaneutralität beim Bau (nicht aber beim vom Nutzer abhängigen Betrieb). Auf fossile Energieträger wird verzichtet. Das verursacht stattliche Zusatzkosten (ohne Geothermie 9,25 Millionen Euro).

Klimaneutralität ist für künftige städtische Gebäude Pflicht. Zusammen mit der einst anvisierten Fertigstellung 2025 galt das Projekt lange als alternativlos. Der Gesamtpersonalrat der Stadt hat sich für eine schnelle Lösung ausgesprochen, um der Raumnot ein Ende zu setzen. Heute können viele der in den vergangenen Jahren geschaffenen 2000 Stellen nicht besetzt werden, weil es zu wenig Büros gibt. Allerdings mangelt es an einem Masterplan, was unter anderem dazu führt, dass die Stadt drei Millionen Euro im Jahr Miete für angemietete Gebäude in Bad Cannstatt bezahlt, in die bisher nur wenige Dienststellen eingezogen sind.

Städtische Mitarbeiter vom Standort nicht begeistert

91 Prozent der Beschäftigten im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung haben sich gegen einen Umzug an die Peripherie ausgesprochen. Eine angeblich unzureichende ÖPNV-Anbindung war ein Grund für die Ablehnung, die Neigung, in der City bleiben zu wollen, der Hauptgrund. Tatsächlich befindet sich am Grundstück die Stadtbahnhaltestelle Wallgraben, an der drei Linien halten; mit der U 12 ist man in 19 Minuten am Charlottenplatz, mit der U 17 gibt es eine Verbindung zum Flughafen und zum Regionalbahnhalt.

Die Fraktionen hatten im Frühjahr allerdings nicht die Qualität des W-2-Projekts kritisiert, sondern das als intransparent bewertete Verfahren. Als Alternativen mussten untaugliche städtische Grundstücke herhalten. In der Folge meldeten sich Investoren, die sich übergangen fühlten. Durch Initiativbewerbungen oder Vorschläge von Stadträten kamen das Bahndirektionsgelände, das ehemalige LBBW-Gebäude am Bollwerk, der Allianz-Komplex in der Urbanstraße, aber auch die nun nicht mehr von der Allianz benötigten Büroneubauten in Vaihingen in die Debatte. Im Wirtschaftsausschuss hat man eine Liste mit sechs Kandidaten verabschiedet.

Klimaneutralität in der City möglich?

Unklar ist allerdings, wie man in der City Klimaneutralität erreichen will, da die Fernwärme der EnBW nicht als sauber gilt. Es gibt keinen Hinweis auf einen Fertigstellungstermin oder ein Raumprogramm. Klar dürfte sein, dass die hohen Grundstückspreise in der City die Stadt eher zum Mieten als zum Kaufen animieren dürften.

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