Stäffele in Stuttgart Bezirksbeirat Süd will eine Fanta-4-Staffel
Beim Benennen bisher namenloser „Stäffele“ in Stuttgart schlägt der Bezirksbeirat Süd die berühmten Hip-Hopper vor. Doch es gibt einen Haken an der Sache.
Beim Benennen bisher namenloser „Stäffele“ in Stuttgart schlägt der Bezirksbeirat Süd die berühmten Hip-Hopper vor. Doch es gibt einen Haken an der Sache.
Geht es nach den Bezirksbeiräten in Stuttgart-Süd, führen demnächst rechts und links vom Schwabtunnel zwischen dem Süden und dem Stuttgarter Westen Fanta-4-Staffeln zur Wannenstraße hinauf. Insgesamt sollen im Rahmen des Fußverkehrskonzepts der Stuttgarter Stadtverwaltung im Bezirk mehr als 30 bisher unbenannte öffentliche Treppenaufgänge einen Namen erhalten.
Die Fanta-4-Staffel oder Fantastische-4-Staffel soll an die tiefen Spuren erinnern, die Stuttgarts berühmteste Hip-Hopper im Stadtbezirk hinterlassen haben. Im Jahr 1997 gründeten die Musiker gemeinsam mit ihrem Manager Andreas „Bär“ Läsker das Medienhaus in Heslach.
Das letzte Wort hat aber der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, der voraussichtlich am 24. Juli über die Benennung der bisher namenlosen Staffeln entscheiden wird. Von den etwa 60 Staffeln betrifft das im Stuttgarter Süden nach Auskunft der Stadt insgesamt 34 öffentliche Treppenaufgänge.
Allerdings widerspricht der von den Bezirksbeiräten gewählte Name im Falle der Fanta-4-Staffel der geltenden Richtlinie der Stadt zur Benennung von Straßennamen. Das erklärte Felix Märker vom Stadtplanungsamt im Bezirksbeirat. Lebende Personen kommen demnach normalerweise nicht für Straßen- und Staffelbezeichnungen in Frage.
Das Bezirksgremium, das für die neuen Namen ein Vorschlagsrecht hat, sprach sich dennoch einstimmig dafür aus, an dem Namen Fanta-4-Staffel oder Fantastische-4-Staffel festzuhalten. Die Benennung bislang unbenannter Treppenaufgänge findet im Rahmen einer Neubeschilderung mit Wegweisern in Stuttgart statt, die Fußgänger künftig auf die stadtbildprägenden Stuttgarter Staffeln hinweisen sollen und Teil eines umfassenden Fußwegekonzepts sind. Die neuen weiß auf Dunkelgrün beschrifteten Schilder sollen künftig stadtweit zum Einsatz kommen. Im Fußverkehrskonzept der Stadtverwaltung heißt es dazu: „Die Stäffele stellen eine Besonderheit und ein identitätsstiftendes Element im Erscheinungsbild der Landeshauptstadt dar und sollten besser erkennbar gemacht werden.“
Weil viele Staffeln offiziell keinen Namen haben und deshalb auch nicht auf sie hingewiesen werden könnte, müssen für die Treppenwege Bezeichnungen gefunden werden. Dabei sieht die Richtlinie der Stadt vor, dass sich die neuen Namen in erster Linie am jeweiligen Gewann oder an den Straßen, zu denen die Staffeln führen, orientieren. Erst in zweiter Linie sollen Staffeln Namen erhalten, die auf die Ortsgeschichte oder verdiente lokale Persönlichkeiten verweisen – wobei diese bereits verstorben sein müssen. Im Falle der Fantastischen Vier wollen die Bezirksbeiräte hiervon aber eine Ausnahme erwirken. An dritter Stelle sollten die Staffeln nach anderen Persönlichkeiten, Städten, Bäumen, Tieren oder ähnlichem benannt werden.
Den Startschuss für die stadtweite Namensfindung und die Neubeschilderung mit Wegweisern fällt jetzt im Stadtbezirk Süd. Weitere Bezirke sollen folgen. In der Vorschlagsliste des Bezirksbeirats finden sich unter anderem die Wolf-Dieter-Wieland Staffel, die Ziegelklingenstaffel, die Müllerstaffel und die Bürgerstaffel.
Letztere, eine Verlängerung der Benkendorffstraße in Heslach, geht auf ein Bürgerbegehren aus dem späten 19. Jahrhundert zurück. Damals setzten sich Heslacher Einwohner für den Bau der Staffel zwischen der Burgstall- und der Hahnstraße ein, wie Philipp Buchholz, ein Bezirksbeirat der Grünen, recherchiert hat. In Erinnerung an die frühe bürgerschaftliche Initiative soll die Staffel jetzt offiziell den Namen Bürgerstaffel erhalten.
Eine Mehrheit der Bezirksbeiräte sprach sich außerdem dafür aus, dass die schwäbische Verkleinerungsform „Stäffele“ bei den bestehenden Staffelnamen durch das Hochdeutsche „Staffel“ ersetzt wird. Zahlreiche Staffeln, auch solche, die bereits einen Namen haben, sollen überdies erklärende Hinweistafeln bekommen.
Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel bei der Fritz-Münch-Staffel in Stuttgart-Süd, die nach einem hier früher lebenden Schneider benannt wurde. Denselben Namen trägt allerdings auch ein deutscher Rechtswissenschaftler, der im Jahr 1972 bei der Bundestagswahl für die NPD kandidiert hat.