Stärkung des Radverkehrs in Stuttgart So kann der Schlossgarten vom Radlerchaos entlastet werden
Die Grünen wollen Radfahrer auf eine Alternativroute durch die Neckarstraße umleiten. Doch ist das bautechnisch überhaupt möglich?
Die Grünen wollen Radfahrer auf eine Alternativroute durch die Neckarstraße umleiten. Doch ist das bautechnisch überhaupt möglich?
Wann die B 14 zwischen Neckar und Marienplatz umgebaut wird, ist völlig offen. Gründe, warum es mit einem der wichtigsten innerstädtischen Großprojekte nicht vorangeht, sind, so Bürgermeister Peter Pätzold, Personalmangel und die vielen Projekten, die „abgearbeitet“ werden müssen. Was dagegen schon klar ist: Durch den Umbau der B 14 auf einer Länge von 4,5 Kilometer erfährt die Bundesstraße einen massiven Rückbau, verändert das Stadtbild sein Gesicht. Das gilt auch für die Cannstatter Straße, die von täglich 70 000 Fahrzeugen befahren wird und eine unüberwindbare Schneise zwischen Schlossgarten und dem Stuttgarter Osten darstellt.
Bevor das Straßenbild auch im Sinne des Radverkehrs umgebaut wird, muss zunächst ein anderes Großprojekt erledigt werden. Die Sanierung des maroden Nesenbachkanals. Die bisherigen Planungen der Stadt sahen vor, in die Straße stadtauswärts zwei neue Kanäle zu bauen. Die Verwaltungsspitze will das Sanierungsprojekt, so Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamts, neu denken, um die Wärme aus dem Abwasser zu nutzen. Auf der anderen Seite des Unteren Schlossgartens entsteht mit dem Rosensteinquartier ein Vorzeigestadtteil im Hinblick auf Klimaziele, Verkehr und Energie. Deshalb verzögert sich die Sanierung des Nesenbachkanals.
Zu bedenken ist bei dem auch eine Erhebung der Stuttgarter Straßenbahnen AG, der zufolge der Anteil der Radfahrer seit 2019 von neun auf 14 Prozent stieg. Aus diesem Grund soll die Verwaltung prüfen, wie die Radverkehrsachse in der Neckarstraße, die es in Teilen bereits gibt, aufgewertet werden könnte. Die Parallelstraße zur Cannstatter Straße, die heute nur in einigen Abschnitten – vor allem zwischen dem Stöckach und dem Neckartor – zweiradtauglich ist, muss, so meinen Lokalpolitiker, auf jeden Fall umgestaltet werden. Nach Meinung der Grünen vor allem im Bereich des Überwegs über die Cannstatter Straße zwischen Innenministerium und Neckarstraße. Aber auch am Stöckachplatz muss im Sinne der Radfahrer etwas geschehen.
In ihrem Antrag werfen die Grünen jedoch auch einen Blick in den Schlossgarten, wo die Hauptradroute 1 mit etlichen Nadelöhren versehen ist. Peterhoff nennt als Paradebeispiel den Bereich am Biergarten Flora & Fauna und dem dortigen Bahnübergang der Haltestelle Mineralbäder. Auch am Grillplatz oder auf den schmalen Brücken gehe es „sehr beengt“ zu, weshalb auch für Passanten der Weg durch die Anlagen teilweise zu einer Zumutung werde. Peterhoff: „Es ist eigentlich ein Wunder, dass es an diesen Engpässen noch keine Unfälle gab.“