Stammheim Geschichten über das Geschichtenerzählen

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Die Zuffenhäuser Autorin hat in der Kita Nobileweg vorgelesen und von ihrem Beruf berichtet.

Sigrid Ramge zeigt Kindern Bilder aus ihrem Manusklript. Foto: Leonie Hemminger
Sigrid Ramge zeigt Kindern Bilder aus ihrem Manusklript. Foto: Leonie Hemminger

Stammheim - „Wie lange dauert das Bücherschreiben?“, möchte die kleine Hannah wissen. Etwa ein Jahr, lautet die Antwort von Sigrid Ramge. „Man muss es schließlich immer wieder mal weglegen und darüber nachdenken oder irgendetwas herausfinden.“ Die Zuffenhäuser Autorin war vergangene Woche in die städtische Tageseinrichtung Nobileweg 18 in Stammheim gekommen, um mit den vier- bis sechsjährigen Kindern über Bücher zu sprechen und ihnen aus dem Manuskript eines noch nicht erschienenen Kinderbuches vorzulesen.

Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund werden gefördert

Der Besuch war Teil des Projektes „Chancen – gleich!“, das von der Robert Bosch Stiftung ins Leben gerufen wurde. In Kooperation mit dem Jugendamt sowie der Evangelischen und Katholischen Kirche Stuttgart hat die Stiftung das Programm entwickelt, um insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund zu fördern. „Sie sollen ihre Identität finden und Bildungsimpulse bekommen“, sagt die Leiterin der Tageseinrichtung Nobileweg, Sylvia Groß. Insgesamt 28 Stuttgarter Kitas werden seit Vorjahresbeginn zwei Jahre lang bei der Projektgestaltung begleitet und die Erzieher gezielt fortgebildet. Schließlich sollen die Inhalte auch dann, wenn das Programm offiziell endet, weitergeführt werden und fester Bestandteil des Kita-Alltags sein.

„Bei uns ist daraus ein Literaturprojekt geworden“, sagt Sylvia Groß. In kleinen Gruppen lernen die Kinder Klassiker wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Frederick“, „Urmel aus dem Eis“ oder „Swimmy“ kennen. Zum einen soll dabei ihre Sprachkompetenz gefördert werden und sie sollen lernen, sich auf etwas zu konzentrieren. Es geht aber auch um die Geschichten selbst, in denen zum Beispiel erzählt wird, dass jemand, der anders ist, nicht ausgegrenzt wird. „Vorlesen hat aber auch mit Hinwendung und Nähe der Eltern zu ihrem Kind zu tun“, sagt Groß. Deshalb ist ihr wichtig, dass auch die Mütter und Väter in das Projekt einbezogen werden. Im Flur der Kita hat die Erzieherin daher Steckbriefe von berühmten Kinderbuchautoren vorgestellt. Außerdem ist im Dezember, zum Abschluss des Projekts, eine Lesung von Sigrid Ramge speziell für die Erwachsenen geplant.

Premiere für die Autorin vor so jungem Publikum

„Man kann nicht früh genug anfangen, Kinder an Bücher heranzuführen“, ist sich die Autorin sicher, die vor allem durch ihre Krimis „Tod im Trollinger“, „Cannstatter Zuckerle“, und „Tod im Lemberg“ bekannt wurde. Der vierte Band ist bereits am Entstehen. Aber auch zwei Jugend- sowie zwei Kinderbücher reihen sich in die Liste der Veröffentlichungen ein.

Noch nie hat die Autorin jedoch vor einem so jungen Publikum wie den Kindern am Nobileweg vorgetragen. Mit der Geschichte rund um die Ringelkinder vom Eierplaneten und dem bösen Eisgeier hatte sie die Zuhörer aber gleich in ihren Bann gezogen. Außer Hannah hatten auch noch viele andere Kinder Fragen an die Autorin. „Wie findet man den Namen für ein Buch?“, wollte Enya wissen. Oft mache der Verlag einen Vorschlag, erklärte Sigrid Ramge. Bei ihren Krimis seien zum Beispiel Titel mit Lokalbezug gewünscht gewesen. Tim wollte wissen, wer überhaupt die Bücher erfunden habe. „Das ist schon viele tausend Jahre her“, erklärte Ramge mit einem Schmunzeln. Vor langer Zeit hätten die Menschen ihre Texte auf Papyrusrollen geschrieben und davor sogar noch in Stein gemeißelt. Auch die Frage, wie sie auf die Personen ihrer Geschichte komme, konnte die Schriftstellerin beantworten. „Alle sind erfunden“, betonte sie. Manchmal gebe es vielleicht ein reales Vorbild, die Namen und auch einige Charaktereigenschaften würden aber stets abgeändert. „Ich habe immer einen kleinen Block dabei, und wenn mir in der Bahn jemand Interessantes gegenübersitzt, schreibe ich mir das auf“, sagte sie. Am wichtigsten sei ihr bei jedem Buch, dass die Geschichte spannend sei. „Das ist wie beim kleinen Vampir“, meldete sich Magnus zu Wort. „Da wollen wir immer wissen, wie’s weitergeht.“

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