Stammheim Rehe haben im Garten nichts verloren

Von Marta Popowska 

Eine Spaziergängerin bemerkt auf einem eingezäunten Privatgrundstück in Stammheim zwei Rehe und zeigt dies bei der Stadt an. Die reagiert nur langsam.

Überraschender Besuch im Garten? Der Wildtierexperte  rät Abstand zu halten. Die Tiere suchen selbst das Weite. Foto: Gottfried Stoppel
Überraschender Besuch im Garten? Der Wildtierexperte rät Abstand zu halten. Die Tiere suchen selbst das Weite. Foto: Gottfried Stoppel

Stammheim - Eine Spaziergängerin entdeckt auf einem eingezäunten Privatgrundstück an der Solitudeallee in Stammheim zwei Rehe und meldet dies im Februar bei der Stadt. Doch die Monate gehen ins Land und es passiert nichts. Verärgert schreibt sie das Amt für öffentliche Ordnung und andere Stellen mehrfach an. Bislang sind die Tiere noch in dem Garten. Dass eine Haltung besonders bei Rehen problematisch ist, betont der Jagdverband.

Auf Nachfrage bestätigt der Pressesprecher der Stadt Martin Thronberens, dass sich Rehe auf dem Grundstück befinden. „Der Fall ist uns bekannt. Da es sich um ein aktuelles Verwaltungsverfahren handelt, können wir keine Details dazu nennen“, sagt er. In einer E-Mail teilte das Amt für öffentliche Ordnung der Spaziergängerin kürzlich zudem mit, dass tierschutzrechtliche Maßnahmen getroffen worden seien. Brisant findet die Frau die Sache, da es vor ein paar Jahren bereits einen ähnlichen Fall auf dem Grundstück gegeben hat. Das bestätigt auch Martin Thronberens.

Vermeintlich allein gelassene Kitze sind es in der Regel nicht

Grundsätzlich ist es verboten, Wildtiere mit nach Hause zu nehmen, sagt Klaus Lachenmaier, Referent für Natur- und Artenschutz beim Landesjagdverband Baden-Württemberg. Das gelte für Igel, Hasen ebenso wie für Rehe. „Bei Rehen ist das sogar doppelt und dreifach falsch. Die lassen sich schlecht halten“, betont er. Rehe sind nur in den Wintermonaten in größeren Gruppen anzutreffen. Ansonsten sind sie Einzelgänger. Sind es wie im genannten Fall zwei Tiere, vermutet Lachenmaier, könnte es sich um Geschwister und um junge Tiere gehandelt haben. „Ansonsten ist es schwer, sie zusammen zuhalten, weil sie aufeinander losgehen können“, erklärt der Jäger. Er verweist darauf, dass man generell Abstand zu Wildtieren halten sollte. Vermeintlich allein gelassene Kitze oder Feldhasen sind es in der Regel nicht. Der gut getarnte Nachwuchs wird in den ersten Lebenswochen von den Müttern oft viele Stunden allein gelassen und nur zum Säugen aufgesucht – der beste Schutz vor Fressfeinden. Menschengeruch dagegen könnte Jungtiere wirklich zu Waisen machen.

Genau nachlesen lässt sich dies auf der Internetseite des Jagdverbands, der Verhaltensregeln für Naturfreunde zusammengestellt hat. Wer ein vermeintlich verletztes, geschwächtes oder krankes Wildtier beobachtet, sollte im Zweifelsfall einen ortsansässigen Jäger kontaktieren, der den Zustand einschätzen kann, oder die Polizei informieren.

„Streng genommen ist es Wilderei

Lachenmaier verweist auf noch etwas: „Das Aneignungsrecht liegt beim jeweiligen Jagdpächter. Ein Tier mitzunehmen ist streng genommen Wilderei und eine Straftat.“ Da die meisten Menschen jedoch in guter Absicht handeln würden, passiere ihnen in der Regel nichts. Ein Auswildern sei zudem problematisch, denn die sonst scheuen Fluchttiere gewöhnen sich an den Menschen. „Im besten Fall trotten sie dem nächsten Spaziergänger hinterher und betteln um Futter, im schlechtesten laufen sie dem nächsten Jäger vor die Flinte“, so der Experte.

Grundsätzlich ist es möglich, eine Genehmigung auch für die Wildtierhaltung zu bekommen. Je nach Tierart gibt es jedoch unterschiedliche Voraussetzungen, die es zu erfüllen gilt.

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