Stammheimer Autorin Alzheimer, Mendel und eine Schokoladenprinzessin

Von Bernd Zeyer 

Bereits in den Jahren 2014 und 2016 hatte die Stammheimer Autorin Suzanna Wycisk-Müller zwei Bände zum Thema „Schöpferisches Schlesien von A bis Z“ veröffentlicht. Nun ist der dritte Band erschienen, er widmet sich 46 bekannten Persönlichkeiten, Kirchen und Klöstern und dem Brauchtum.

Die Stammheimerin Suzanna Wycisk-Müller legt den dritten Band der Reihe „Schöpferisches Schlesien von A bis Z“ vor. Foto: Bernd Zeyer
Die Stammheimerin Suzanna Wycisk-Müller legt den dritten Band der Reihe „Schöpferisches Schlesien von A bis Z“ vor. Foto: Bernd Zeyer

Stammheim - Eigentlich, das hatte Suzanna Wycisk-Müller vor drei Jahren gesagt, könne sie sich nicht vorstellen, noch einen dritten Band von „Schöpferisches Schlesien“ zu veröffentlichen. Damals hatte die Stammheimerin gerade den zweiten Band herausgebracht, der erste war 2014 erschienen. Aber dann griff sie doch wieder zur Feder. Herausgekommen ist ein interessantes und aufschlussreiches Buch, in dem nicht nur die Biografien von 46 Personen, sondern auch Wissenswertes über Kirchen, Klöster und schlesisches Brauchtum zu finden sind.

Das schlesische Kulturerbe soll am Leben gehalten werden

„Es gab viele Nachfragen und Vorschläge“, beschreibt die Autorin den Grund für ihre neuerlichen Recherchen. Zudem sei ihr sehr daran gelegen, dass die Geschichte der ehemaligen deutschen Provinz nicht in Vergangenheit gerate. „Viele wissen gar nicht, wo Schlesien liegt“, sagt Wycisk-Müller. Zahlreiche kluge Köpfe seien von dort gekommen, das reichhaltiges Kulturerbe dürfe nicht vergessen werden.

Im dritten Band kommen in „Schöpferisches Schlesien“ auch bekannte Persönlichkeiten vor, die noch leben. Beispielsweise Erika Schirmer-Mertke. Die 1926 in Nettkow geborene Künstlerin hat immer noch Kontakt zur alten Heimat und wohnt nun in einem Seniorenheim. „Von der 93-jährigen Dame bin ich begeistert“, sagt Wycisk-Müller. Im Heim hingen Kunstwerke der rüstigen Rentnerin, zudem mache sie immer noch Ausstellungen. Suzanna Wycisk-Müller ist in Oberschlesien geboren. An der Universität Breslau hat sie Germanistik studiert. Während der Studienzeit arbeitete sie als Reiseleiterin im Riesengebirge, bevor sie 1967 nach Deutschland kam. Seit 2002 wohnt sie in Stammheim, davor lebte sie in Zuffenhausen. „Nach wie vor fühle ich mich sehr mit Breslau verbunden“, erzählt die Autorin. Regelmäßig sei sie dort zu Besuch; für ihr Buch hat sie viel vor Ort recherchiert; fast alle Fotos im Buch stammen von ihr.

Schlesische Einflüsse in Wissenschaft und Unterhaltung

Auch im dritten Band finden sich wieder Persönlichkeiten, die allgemein bekannt sind. Beispielsweise Alois Alzheimer. Der Entdecker der nach ihm benannten Krankheit war zwar kein gebürtiger Schlesier, wirkte in seinen letzten Lebensjahren aber an der Breslauer Nervenklinik. Auch der Name von Johann Gregor Mendel dürfte vielen Menschen ein Begriff sein. Der Priester war der Begründer der modernen Vererbungslehre; die „Mendelschen Regeln“ bekamen seinen Namen.

Nicht nur in der Wissenschaft, auch in der Unterhaltung haben Schlesier vieles geleistet. Ohrwürmer wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ oder „Wir wollen niemals auseinandergehen“ stammen aus der Feder von Michael Jary. Geboren wurde der Komponist in Laurahütte, damals noch unter seinem richtigen Namen Maximilian Michael Andreas Jarczyk. Ebenfalls aus der Unterhaltungsbranche kam Georg Thomalla. Berühmt wurde der Schauspieler durch seine komödiantischen Film- und Bühnenrollen. Er wirkte in mehr als 120 Filmen mit.

Eine ganz andere Geschichte ist die von Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. 1874 in Primkenau geboren, war sie die Schwester von Auguste Viktoria, der späteren Gattin von Kaiser Wilhelm II. Bekannt wurde sie allerdings aus einem anderen Grund – und zwar nach ihrem Tod: Feodora lautet nämlich auch heute noch der Name einer edlen Schokolade. Wie es dazu kam, dazu gibt es zwei Versionen: Die erste berichtet, dass die Prinzessin mit dem Besitzer der damaligen Schokoladenfabrik bekannt war und die Süßigkeit sehr mochte, worauf diese den Namen Feodora bekam. Die zweite Version besagt, dass der Fabrikant ein neues Rezept kreiert hatte, noch einen Namen für das Produkt brauchte und sich direkt an Kaiserin Auguste Viktoria wandte, von der er die Erlaubnis bekam, die Schokolade Feodora zu nennen.

Sonderthemen