Standing Ovations im Stuttgarter Musical Bei „Aladdins“ Neustart muss die Show unterbrochen werden

Schlussapplaus beim Neustart von „Aladdin“ am Dienstagabend im Apollo-Theater. Foto: /ubo
Schlussapplaus beim Neustart von „Aladdin“ am Dienstagabend im Apollo-Theater. Foto: /ubo

In Stuttgart darf Dschinni wieder Wünsche erfüllen – nach 600 Tagen Pause. Zum Neustart von Disneys „Aladdin“ bebt am Dienstagabend das Apollo-Theater. Wegen einer Panne muss die Show für 20 Minuten unterbrochen werden. Am Ende gibt es Standing Ovations.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Dschinni musste 10 000 Jahre warten, bis er raus aus seiner Wunderlampe darf. Was sind da schon 600 Tage, an denen sich kein Vorhang hebt und senkt? Für die größten Musicalfans fühlen sich 600 Tage aber an wie 10 000 Jahre! Am Dienstagabend ist die lange Zwangspause in der Pandemie endgültig beendet – zur überschäumenden Freude von Ensemble und Publikum. Die Wiederaufnahme von Disneys „Aladdin“ fühlt sich an wie eine Premiere. Die Zuschauer gehen von Anfang an mit, jubeln und klatschen immer wieder. In der zweiten Hälfte aber gibt es eine Schrecksekunde. Plötzlich geht das Saallicht an. „Wir müssen leider unterbrechen“, sagt eine Stimme. In einigen Reihen schauen sich Zuschauer besorgt an: Brennt es etwa? Ist was Schlimmes passiert?

Etwa die Hälfte der Cast ist neu dabei

An einer technischen Panne liegt es, warum die Show für 20 Minuten unterbrochen wird und ein Mitarbeiter der Stage Entertainment nach etwa zehn Minuten auf die Bühne tritt. Zwei Schnürboden hatten sich ineinander verhakt, wie Stage-Sprecher Stephan Jaekel am nächsten Tag mitteilt. „Aladdin“ sei eine „Kulissen-mächtige Show“, der Bühnenturm dicht behängt. Nach 600 Tagen Pause ist im Saal das Verständnis dafür groß, wenn noch nicht alles wie geschmiert läuft. Dafür begeistert die Leistung des Ensembles – etwa die Hälfte der Darstellerinnen und Darsteller sind neu dabei – umso mehr.

Maximilian Mann, seit April 2019 der Dschinni von Stuttgart, tobt, tanzt, hüpft und jodelt sich durch alle musikalischen Genres und beweist nach 20 Monaten Pause unter donnerndem Beifall mit seinem einzigartigen Temperament und seiner Vielseitigkeit, warum er der Publikumsliebling von den Fildern ist. Gonzalo Campos López als neuer Straßenjunge Aladdin und Mae Ann Jorolan als neue Prinzessin Jasmin erobern die Herzen des Publikums auf Anhieb – es sind ein Spanier und eine in der Schweiz geborene Filipina mit großartigen Stimmen, die ein gutes, verständliches Deutsch sprechen. Sie spielen so überzeugend, als seien sie wirklich heftig ineinander verliebt. Am Ende gibt es Standing Ovations für perfektes, lange vermisstes Entertainment. Im ausverkauften Theatersaal sieht man niemanden ohne Maske. Die ersten beiden Reihen werden zur Sicherheit nicht besetzt, damit keine Viren, sofern es sie überhaupt in der Cast gibt, von der Bühne ins Publikum fliegen.

Dschinni erwähnt „Käpsele“, „Ützelbrützel“ und die „Fantas“

Die Märchenwelt explodiert nahezu im Farbenrausch mit viel Tempo. Broadway ist so nah. Damit nicht alles zu amerikanisch wirkt, sind zahlreiche Gags mit Bezug auf Stuttgart eingebaut. Dschinni zeigt den Mercedes-Stern und nennt ihn „das berühmtes Sternzeichen“ der Welt. Ein „Käpsele“ wird auf der Bühne begrüßt, und der Döner-Laden heißt „Ützelbrützel“ wie das Vorbild von der Königstraße. Bis Februar 2023 soll „Aladdin“ in Stuttgart bleiben. Solange gehen die Verträge der Cast. Aber eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen. Mit dem Vorverkauf sind die Musicalmacher trotz der Einschränkungen der Pandemie mit Maskenpflicht sehr zufrieden. Doch nun gilt die Warnstufe. Bei 3 G muss es künftig ein PCR-Test sein. „Wer Karten gekauft hat, aber mit dem Schnelltest kommen wollte, erhält auf Wunsch sein Geld zurück“, sagt Stage-Sprecher Stephan Jaekel

„Miss Saigon“ kommt wohl eher nicht nach Stuttgart

Zum Neustart ist Stage-Chefin Uschi Neuss aus Hamburg angereist. Sie hat gerade viel zu tun. Am Samstag ist das Ensemble von Disneys „Eiskönigin“ live bei „Wetten, dass...`“ bei Thomas Gottschalk. Die Premiere im Hamburg ist auf den folgenden Montag verschoben, auf einen ungewöhnlichen Wochentag für eine deutsche Erstaufführung. Ganz begeistert ist die Stage von der Show „Hamilton“, die vom Broadway folgt und laut Unternehmenssprecher Stephan Jaekel „ein völlig neues Kapital in der Musicalgeschichte“ darstellt. Früher oder später, das steht fest, kommen die neuen Shows auf die Filder. Unwahrscheinlich dagegen ist, dass „Miss Saigon“, die vor der Premiere in Wien steht, nach Möhringen zurückkehrt. Umfragen des Unternehmens ergaben, dass in Stuttgart und in der Region das Interesse an die Rückkehr des ersten Musicals im Apollo-Theater doch nicht so groß ist, wie oft angenommen.

Kritik von der Black Community Foundation an „Aladdin“

Auf die Kritik der Black Community Foundation, die „Aladdin“ vorwirft, „Blackfacing“ zu betreiben, also den weißen Flaschengeist schwarz schminke, hat die Stage reagiert. „Wir haben Vertreter der Foundation ins Apollo-Theater eingeladen“, sagt Sprecher Jaekel unserer Zeitung. Der Hauptdarsteller Maximilian Mann ist nicht dunkelhäutig geschminkt, wie behauptet, sondern golden. Im Disney-Original ist Dschinni blau. Das Ensemble ist so international – die Darstellerinnen und Darsteller haben von Natur aus verschiedene Hautfarben –, dass allein das Bild der Vielfalt auf der Bühne den Vorwurf des Rassismus widerlegt.




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